Minister stoppt den Radwegebau in Atsch

Von: Jürgen Lange
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Konflikt zwischen Radfahrer und Fußgänger am neu gestalteten Dreieck: Norbert Rath (l.) und Volker Schober vom ADFC begrüßen die Entscheidung des Minsters zum Radwegebau in Atsch. Foto: J. Lange

Stolberg. „Das ist ein großer Erfolg für uns“, sagen Norbert Rath und Volker Schober vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) aus Aachen. „Der Landesbetrieb kann oder will es einfach nicht!“ Das belegen die Fahrrad-Lobbyisten mit der Planung der Landesbehörde mit Sitz in Euskirchen an der Planung für den Schluss des Radwegenetzes entlang der Sebastianusstraße (L 236) in Atsch.

Der Landesverkehrsminister hat nach der vom ADFC unterstützen Intervention eines Anliegers die seit langem vorliegende Planung, die in diesen Tagen eigentlich umgesetzt werden sollte, in den Papierkorb gesteckt. Düsseldorf hatte eine Expertenrunde mit der Überprüfung der Zeichnungen beauftragt. „Die bisherige Planung wird nicht weiter verfolgt und eine Umplanung soll erfolgen“, erklärte Regierungsbaurat Joachim Klemenz im Auftrag von Minister Michael Groschek.

Nun sollen „alle Aspekte der Verkehrssicherheit“ und insbesondere die der Radfahrer „entsprechend der aktuellen Regelwerke“ berücksichtigt werden.

Moniert hatte der ADFC vor allem, dass Vorschriften aus der geltenden ERA 2010 (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen), die ältere Vorschriften aus der Straßenverkehrsordnung konkretisiere, bei der Planung des Lückenschlusses entlang der Sebastianusstraße in weiten Teilen unberücksichtigt blieben. So besteht einerseits „die Vorschrift, dass Radwege grundsätzlich auf der Fahrbahn zu führen sind“, erläutert Schober. Nur in ganz wenigen Fällen seien Ausnahmen erlaubt. „Die sind hier aber keinesfalls erkennbar.

Im Gegenteil. Immer wieder werde laut Planung der Radweg von der Fahrbahn auf den Gehweg verschwenkt. Immer wieder müssten Querungshilfen, Pflanzbeete und Mittelinseln umkurvt werden, eine eindeutige direkte Wegeführung fehle. „Dies schafft ein erhebliches Gefahrenpotenzial für die schwächsten Verkehrsteilnehmer“, verweist Rath auf Konfliktsituationen für Radfahrer und Fußgänger. Hinzu kämen zahlreiche kritische Regelungen in den vielen Bereichen von Einmündungen und Grundstücksausfahrten entlang der Landesstraße in Atsch.

Einer der weiteren Kritikpunkt ist, dass in großen Abschnitten der Radweg linksseitig geführt werde, dass also die Radfahrer in beiden Fahrtrichtungen sich einen Radverkehrsstreifen teilen müssten.

Das sei nicht nur kritisch für die Radler selbst, sondern sie würden auch dadurch gefährdet, dass Autofahrer Zweiräder aus der Gegenrichtung nicht erwarten würden. Zudem ergäben sich weitere kritische Situationen durch notwendige Seitenwechsel aufgrund der einseitig vorgeschriebenen Radwegeführung. Ebenso gravierend verstoße der Umstand gegen die Vorschriften, dass der linksseitig geführte Radweg sich in wesentlichen Teilen auf abschüssiger Strecke befinde.

In anderen Bereichen der Sebastianusstraße sollte es „sowohl einen rechtsseitig, einen linksseitig verlaufenden Radweg mit und ohne Schutzstreifen inklusive Überqueren der Fahrbahn geben, um offensichtlich auf Kosten der Sicherheit der Radfahrer eine Beruhigung des Verkehrsflusses zu erreichen“, monieren die Rad-Aktivisten und bescheinigen, dass „diese Planung von planerischer Konzeptlosigkeit zeugt“ – und im Übrigen aufgrund der vielfältigen Mängel auch gar nicht förderfähig sei, so Rath und Schober.

Eine Fährte, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Seit Ende der 1990er Jahre versucht die Kupferstadt, den von Eilendorf kommenden und hinter dem Hirschfeld endenden Radweg fortzuführen. 2002 folgte der Antrag auf Planung. Gleichzeitig rückte das Vorhaben eines Anschlusses an die A 44 bei Eilendorf, der derzeit für 2019 avisiert wird, in den Fokus. Und damit auch eine gravierende Zunahme der Verkehrsbelastung auf der Sebastianusstraße.

Seitdem fordern die Atscher wirksame Maßnahmen zur Verkehrssicherung auf dieser Landesstraße. Weil es dazu kein priorisiertes Vorhaben auf der Arbeitsliste des Landesbetriebes bestand, versuchten dessen Planer in Kooperation mit der Stadt, gleichzeitig mit dem Ausbau Lückenschluss im Radwegenetz auch eine Verkehrssicherung auf der bereits jetzt stark von Schwerlastverkehr genutzten Durchgangsstraße zu erreichen.

Letztlich wurden die zwischen den Behörden abgestimmten Pläne im Oktober 2011 den Bürgern vorgestellt. Im Frühjahr letzten Jahres schlossen Stadt und Landesbetrieb eine Vereinbarung über die Aufteilung der auf eine Million Euro geschätzten Kosten. Die Ausschreibung der Arbeiten sollte im Frühsommer, ihr Beginn im September erfolgen. Aufgrund der Haushaltssperre des Landes erfolgte die Ausschreibung nicht.

Nun muss komplett neu geplant werden. Wann mit dem Radwegebau und wann mit einer Verkehrssicherung auf der L 236 in Atsch gerechnet werden kann, ist völlig ungewiss. Für Norbert Rath und Volker Schober ist dieser Fall aber nur die Spitze des Eisberges für ihre Behauptung, dass Radfahrer bei den Planer des Landesbetriebs keine Lobby genießen würden.

Bestes Beispiel dafür sei der aktuell fertig gestellt Umbau von Atsch Dreieck – dem kritischen Knotenpunkt der Landesstraßen 23 und 236. Dort registrieren die Kritiker vergleichbare Verstöße gegen die Radwege-Richtlinien wie sie für den weiteren Verlauf der Sebastianusstraße vorgesehen waren.

„Wir werden jetzt weitere Straßenplanungen ins Visier nehmen“, kündigen die ADFC-Aktivisten an, weitere mutmaßliche Planungsmängel bei Projekten in Aachen, Eschweiler und Würselen aufs Tapet bringen zu wollen.

In einer früheren Version des Artikels wurde der Name von Norbert Rath falsch geschrieben. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

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