Mietnomaden: Beschimpfungen und verbranntes Nachthemd

Von: Sonja Essers
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Auch die 92-jährige Rentnerin Elfriede Beirau behauptet, dass sie mit den Mietnomaden, über die unsere Zeitung in der vergangenen Woche berichtete, Bekanntschaft gemacht hat. Im November steht ein Gerichtstermin an. Foto: S. Essers

Stolberg. Stolberg-Atsch. Spritzen, Müll und mit Blut verschmierte Wände: Ende Oktober fand die Zwangsräumung einer Wohnung an der Karlstraße statt. Die beiden Mieterinnen hatten dort rund ein halbes Jahr lang gehaust, zahlten keine Miete und waren für 30 Polizeieinsätze verantwortlich. Auch Drogen und Prostitution sollen eine Rolle gespielt haben. Und damit nicht genug.

Nun erhebt auch eine ehemalige Nachbarin, Elfriede Beirau, schwere Vorwürfe gegen die beiden Frauen. In diesem Fall geht es um Beschimpfungen und Betrug. Eine Verhandlung im Eschweiler Amtsgericht steht am 23. November an. Doch von vorne.

Vor rund einem Jahr zogen zwei junge Frauen in eine Wohnung an der Würselener Straße. Direkt über ihnen wohnte auf der ersten Etage Elfriede Beirau. „Ich dachte erst, dass zwei Studentinnen eingezogen wären und dachte noch, dass die aber Glück haben, eine so tolle Wohnung zu finden.“ Bereits wenige Tage nach dem Einzug lernte die 92-Jährige die neuen Mieter kennen.

Eine der beiden Damen klingelte, stellte sich vor und fragte, ob sie das Telefon der älteren Dame einmal nutzen dürfe. Verdacht schöpfte Elfriede Beirau zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Ich bin sehr hilfsbereit und es konnte ja wirklich sein, dass sie durch den Umzug noch keinen Telefonanschluss hatten“, sagt sie rückblickend und fügt hinzu: „Sie machte einen sehr netten Eindruck auf mich.“ Der nächste Besuch ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Bereits einen Tag später klingelte es erneut. Verweint stand besagte Dame erneut vor Beiraus Haustüre. Sie erzählte der Rentnerin, dass ihre Freundin einen Unfall gehabt habe und sie dringend Geld für Medikamente benötige. Erst war von 20 Euro, nur wenige Minuten später von 30 Euro die Rede.

Die Rentnerin wollte auch diesmal helfen, schaute zunächst in einer Geldbörse in der Küche, dann in einem Portemonnaie im Wohnzimmerschrank nach. „Ich hatte aber nur 50 Euro-Scheine“, sagt sie. An die Reaktion ihrer Nachbarin kann die 92-Jährige sich noch genau erinnern. „Sie fragte mich, ob ich ihr nicht hundert Euro geben könnte. Erst habe ich gezögert, aber dann wollte sie mir ihren Ausweis als Pfand da lassen. Das macht doch keiner, ich dachte, ihr wäre es ernst und sie würde mir das Geld bald wieder zurückgeben.“

Dazu kam es jedoch nicht. Mehrfach habe Beirau ihre Nachbarin angesprochen, sei von deren Freundin jedoch jedes Mal wüst beschimpft worden. Letztere versuchte auch den Ausweis ihrer Freundin wieder zu bekommen. Beirau rückte diesen jedoch nicht raus, da sie ihr Geld noch immer nicht bekommen hatte. Die 92-Jährige schaltete die Polizei ein. Die stellte fest, dass der Ausweis bereits seit mehreren Jahren abgelaufen war.

Danach habe die „Tortur“ dann so richtig angefangen. Nicht nur Seifenpulver habe man ihr und einigen anderen Nachbarn entwendet. „Mir haben sie auch eine Garnitur Bettwäsche und zwei Paar Socken gestohlen. Bei anderen Nachbarn waren es zehn Paar Socken und eine Wolldecke“, sagt Beirau. Als sie die vermeintlichen Täter zur Rede stellte, geschah etwas, womit die alleinstehende Rentnerin nicht gerechnet hatte. Eine der beiden Frauen brannte während des Gesprächs, das im Keller des Hauses stattfand, mit ihrer Zigarette ein Loch in das frisch gewaschene Nachthemd der Rentnerin.

Einige Wochen später klingelte es erneut an der Tür der Seniorin. Ihre Nachbarin wollte ihr das geliehene Geld zurückgeben. Daraus wurde allerdings nichts. „Sie sagte mir, dass ihr schlecht sei und fragte nach einem Glas Wasser. Ich bin in die Küche gegangen und bin dann nach ein paar Minuten wieder gekommen. An dem Wasser hat sie nicht getrunken, sondern ist ganz schnell wieder gegangen“, sagt Beirau. In der Zwischenzeit habe sich die Frau am Wohnzimmerschrank zu schaffen gemacht und aus dem Portemonnaie der Rentnerin 180 Euro gestohlen. Das bemerkte das Opfer jedoch erst, als es bereits zu spät war.

Außerdem sollen die beiden Frauen mehrere Monate lang jede Nacht bei der Rentnerin geklingelt haben. „Sie haben mich fast ein Vierteljahr auf diese Weise traktiert“, sagt sie. Dies habe erst aufgehört, nachdem sie in eine neue Wohnung gezogen seien. „Ich wundere mich, dass sie immer wieder eine neue Bleibe finden. Meine Nachbarn und ich sind nicht die einzigen Leute, mit denen sie Krach haben“, ist sich Beirau sicher. Die 92-Jährige meint, dass noch mehr Nachbarn auf die Tricks der beiden Frauen reingefallen seien.

Ein mögliches Wiedersehen mit den Mieterinnen könnte am 23. November in Eschweiler stattfinden. Dann wird beim Amtsgericht wegen Betruges verhandelt. Daran, dass sie ihr Geld wiedersehen wird, glaubt Beirau aber nicht. „Ich will Leute vor diesen Menschen warnen, denn sie haben einfach kein Herz“, sagt die Rentnerin.

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