Michael Prym will keinen Windpark mehr

Von: Jürgen Lange
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Laufenburger-Wald-Gesellschafter Michael Prym will keinen Windpark mehr im eigenen Forst.
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Green-Geschäftsführer Axel Kahl bittet um Ausweisung von Konzentrationszonen für Windenergie.

Stolberg. Unerwarteten Rückenwind erfahren in Schevenhütte die Gegner des geplanten Windparks im Laufenburger Wald just aus den Reihen der Eigentümer des privaten Forstes. Der Altindustrielle und Unternehmensberater Michael Prym sprach sich gegen das von der Stolberger Green forcierte Projekt zur Nutzung regenerativer Energie aus.

In einem Schreiben an den Verwaltungschef der Stadt Stolberg erklärte Prym, dass er die Errichtung von Windkraftanlagen im Laufenburger Wald nicht mehr unterstütze. Michael Prym selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aber entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte Bürgermeister Tim Grüttemeier auf Anfrage. Zunächst mündlich, dann schriftlich habe Prym sich gegen das von der GmbH mit initiierte Projekt ausgesprochen, nachdem er einige Monate zuvor noch gemeinsam mit seinen Geschwistern die vertraglichen Regelungen mit der Stolberger Green GmbH unterstützt hatte.

Allerdings bleibt die Kehrtwende des 72-Jährigen ohne Auswirkungen auf das Windpark-Projekt. Michael Prym hält lediglich 15 Prozent der Anteile des Laufenburger Waldes, verlautete aus dem Kreisen der Gesellschaft. Demnach dächten die übrigen Gesellschafter nicht daran, auf die Windkraft-Pläne zu verzichten, und zeigten sich wenig amüsiert über den Vorstoß ihres Verwandten.

Michael Prym war zum 1. Juli 2005 aus der Geschäftsführung des Familienunternehmens ausgeschieden. Wenige Wochen später startete er mit dem Beratungsunternehmen Prym Consulting, bis vor einigen Monaten mit Sitz im Münsterbuscher Dienstleistungszentrum, eine zweite Karriere.

Für Schlagzeilen in der Heimatstadt sorgte der Stolberger dann eher mit seinen Bemühungen, den Mercedes 500 K Roadster Baujahr 1935 seines Großvaters zurückzuerlangen, oder mit einem eher humoristischen Auftritt, barfuß im Parcours des CHIO 2010, als ein Orkan über Aachen hinweg fegte.

Jedenfalls mit großem Ernst verfolgt die Stolberger Green GmbH gemeinsam mit der WSW Energiesysteme weiterhin die Planung des Windparks Laufenburger Wald, wie Geschäftsführer Axel Kahl gegenüber unserer Zeitung betont. In einem Schreiben an den Verwaltungschef der Kupferstadt bittet Kahl, „das Verfahren zur 98. Änderung des Flächennutzungsplanes zur Ausweisung von Konzentrationszonen für Windenergieanlagen wieder aufzunehmen“.

Dieses hatte Grüttemeier im März im Vorfeld einer Bürgerbeteiligung erst einmal ruhen lassen, nachdem Regierungspräsidentin Gisela Walsken auf die Unverträglichkeit der aktuellen und der zukünftigen Wasserschutzzone der Wehebachtalsperre mit projektierten Standorten von Windrädern hingewiesen hatte.

Daraufhin suchte die Green GmbH – unter Beteiligung des Rechtsbeistandes der BI Gegenwind – den intensiven Austausch mit der Bezirksregierung über die bisherigen und neuen Rahmenbedingungen rund um die Talsperre zur Trinkwassergewinnung und überarbeitete ihre Planung. „Das Ergebnis zeigt, dass im Gebiet des Laufenburger Waldes vier Windkraftanlagen außerhalb der Wasserschutzzone II errichtet und wirtschaftlich betrieben werden können“, erklärt der Green-Geschäftsführer. Demnach werden auf fünf nun vier Windräder, wobei zwei Standorte nur minimal verschoben werden müssten. Die vorliegenden Untersuchungen würden weiterhin ihre Gültigkeit behalten, hätten die Gutachter bescheinigt, berichtet Kahl.

Doch ohne einer Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP) mit der Ausweisung zusätzlicher Konzentrationszonen fehlt Green und WSW die rechtliche Voraussetzung, einen Antrag auf Basis des Bundesimmissionsschutzgesetzes zur Errichtung von Windkraftanlagen im Laufenburger Wald zu stellen.

Denn bereits 2003 hatte die Kupferstadt den FNP bereits einmal geändert, um Konzentrationszonen für Windenergie auszuweisen – damals mit dem Ziel Windräder zu verhindern. Ergebnis vor zwölf Jahren war just der Quadratkilometer in der Werther Heide, der durch die drei vorhandenen Anlagen ausgeschöpft ist.

Nach Stand des bisherigen Verfahrens gilt nur der Laufenburger Wald als fachlich wie wirtschaftlich geeignete Konzentrationsfläche für Windenergie. Für die Bereiche „Hedchensknepp“, „Wolberberg“ und „Drei-Kaiser-Eichen“ wird unterstellt, dass – zumindest so wie sie in der Theorie berechnet worden sind – eine wirtschaftliche Ausbeutung der Windenergie nicht erreicht werden kann. Die Ratsgremien hatten daraufhin ihren Blick nur noch auf den Standort bei Schevenhütte gerichtet.

Nun wird erst einmal die Politik sich Gedanken machen müssen über das weitere Vorgehen in Sachen FNP-Änderung und Energiepolitik, erklärte das Bürgermeister auf Anfrage. „Die Fraktionen werden über die beiden Schreiben unterrichtet“, so Grüttemeier. Am kommenden Montag werde sich erst einmal das Führungsgremium der großen Koalition aus CDU und SPD im Rathaus über die weiteren Schritte abstimmen.

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