Metallverarbeitende Betriebe: Energiefresser werden auf Diät gesetzt

Von: Sarah-Lena Gombert
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Hat schon viele Jahre auf dem Buckel, ist jedoch mit neuester Technik ausgestattet worden: Eine der Walzanlagen im Aurubis-Werk. Das Walzen von Kupferbändern ist ein sehr energieaufwendiger Prozess. Foto: S.-L. Gombert
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Aurubis-Geschäftsführer Jürgen Jestrabek (rechts) führt die IHK-Delegation durch die Werkshalle. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Hitze für das Schmelzen von Metall, Strom für das Walzen von Kupferbändern und natürlich Wärme für die Arbeitsplätze der Mitarbeiter in den Werkshallen: Energie ist ein kostbares Gut, Energie ist teuer. Wie kann ein metallverarbeitendes Unternehmen wie die Firma Aurubis in Stolberg effizienter mit Energie umgehen?

Darum ging es bei einem Termin, zu dem die Industrie- und Handelskammer am Donnerstag nach Stolberg eingeladen hatte.

Aurubis-Geschäftsführer Jürgen Jestrabek und Norbert Goldbach, Leiter Projektengineering, erklärten, wie komplex es ist, in einem Betrieb wie Aurubis ein vernünftiges Energie-Management durchzuführen. „Das Thema Energie wird auch für die Industrie- und Handelskammer ein immer wichtigeres“, erklärte Dieter Dembski, der bei der IHK Aachen für die Themen Innovation, Umwelt und Industrie zuständig ist. Daher habe man auch dieses Besuchsprogramm aufgelegt – zu dem sich am Donnerstag Firmen aus dem ganzen Rheinland zu Aurubis aufgemacht haben.

„Energieeffizienz ist für ein Unternehmen wie das unsere durchaus ein Erfolgsfaktor“, erklärte Jürgen Jestrabek. Die wesentlichen Fertigungsschritte bei Aurubis, das seien das Walzen, das Glühen, das Schneiden und auch das Verzinnen von Kupfer, seien sehr energieintensiv. „Wir brauchen hier eine Menge Strom und Gas“, so Jestrabek, und vermutlich sogar mehr als manch anderer metallverarbeitender Betrieb.

Denn der Energieverbrauch pro Tonne sei bei Aurubis ziemlich hoch. „Das kommt daher, dass wir ziemlich unterschiedliche Produkte herstellen, und das in nicht allzu großen Mengen.“ Anders verhielte in einem Stahlwerk, wo häufig nur wenige Fabrikate hergestellt würden, und das in Massen. Auch der Energieaufwand von Fabrikat zu Fabrikat sei unterschiedlich. „Wir haben hier Teile, für die benötigen wir vier Arbeitsschritte. Für andere Dinge wiederum brauchen wir elf Arbeitsschritte.“ Auch korreliert der Energieverbrauch nicht mit der Masse an Metall, die das Werk verlässt: Der Trend in der Industrie geht zu immer kleineren, immer dünneren Teilen. Und je kleiner ein fertiges Metallteil ist, desto Energie steckt meist darin.

„Das führt dazu, dass wir hier bei Aurubis ungefähr einen Energieverbrauch von 10.000 Haushalten haben“, erklärt Norbert Goldbach. Das Unternehmen tue aber sehr viel dafür, den Verbrauch in Grenzen zu halten. Wenn Modernisierungen oder Neuanschaffungen von Anlagen anstehen, dann werde automatisch auch an das Thema Energieeffizienz gedacht. Abwärme, die der einen Stelle im Werk entsteht, kann an anderer Stelle genutzt werden, beispielsweise zum Erzeugen von Druckluft.

Interesse bei den Teilnehmern weckte auch die Frage nach der Möglichkeit, öffentliche Fördermittel für die Neuanschaffung von energieeffizienten Gerätschaften zu bekommen. Hier arbeitet Aurubis Stolberg ganz eng mit dem Mutterkonzern in Hamburg zusammen, erklärte Norbert Goldbach.

„Man muss aber, auch in Sachen Energieeffizienz, weiter denken“, sagte Goldbach. Um Energie zu sparen, reiche das Optimieren von Anlagen nicht aus. „Wir müssen auch einen Übereinsatz von Material vermeiden“, erklärt er. Und Retouren, also Produkte, die der Kunde wieder zurückschickt, seien nicht nur finanziell, sondern auch energietechnisch der „worst case“. Darum lohne sich auch aus energie-technischer Sicht die Verbesserung der Anlagen. An einer Walze beispielsweise wurde eine neue Sensorik zur Oberflächeninspektion eingebaut, damit schnell festgestellt werden kann, ob etwas nicht stimmt.

Wie viele Messstellen es insgesamt im Werk gebe, wollte einer der teilnehmenden Unternehmer gerne wissen. „Das sind mit Sicherheit mehrere Tausend“, erklärte Norbert Goldmann. Jestrabek ergänzte: „Man könnte sicherlich noch mehr Messstellen einbauen. Aber die Wunschliste, was wir alles noch machen wollen, ist lang. Und man muss eben Prioritäten setzen.“

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