Stolberg - „Menschenskind“ bringt Lachen und Gesundheit

„Menschenskind“ bringt Lachen und Gesundheit

Von: nai
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Ahoi: Mit dem Schiff Käpt‘n Blaubär in See stechen im Bethlehem Krankenhaus. Die Nachfrage ist so groß, dass der Spielbereich ausgebaut werden muss. Eines der Projekte denen sich der Verein annehmen will. Foto: N. Wolfsperger

Stolberg. Den Kleinsten und den Schwächsten helfen, dafür setzt sich der Vorstand des Vereins „Menschenskind“ seit mehr als 20 Jahren ein. Die Idee ist in Stolberg, im Bethlehem Krankenhaus geboren. Anfang der neunziger Jahre verbrachte ein Vater Tag und Nacht am Bett seines kranken Kindes in der Klinik.

In den vielen schweren Stunden beobachtete er die Kinderkrankenschwestern, er war beeindruckt von der Fürsorge und der Zeit, welche die Schwestern trotz eng geschnallter Dienst- und Zeitpläne für die Kinder aufbrachten. Aus dem Bedürfnis heraus, diese Arbeit zu unterstützen, regte der Vater Gespräche mit verschiedenen Personen an. Das Ergebnis ist „Menschenskind“, und der Name ist nicht nur Programm, der Verein hat sich Namensrechte sichern lassen.

1993 wurde „Menschenskind“ als Verein zur Förderung der Betreuung und Beratung kranker Kinder und Ihrer Familien eingetragen. Bereits ein Jahr später übernahm der Verein eine außergewöhnliche Aufgabe: „Menschenskind“ kümmerte sich um „Sindbad“, den Stolberger Kinder-Notfallbehandlunsgwagen. Auf den ist Dr. Volker Siller, Vorsitzender von „Menschenskind“, noch heute stolz: „Die Rettungswagen waren damals für den Transport von Neugeborenen und Kleinkindern nicht ausgerichtet.“ Heute sind die Rettungswagen (RTW) so modern, dass es keinen extra „Sindbad“ braucht.

Besonders beliebt: die Geschenke

„Sindbad“ hat zu jener Zeit Risikoneugeborene und Frühgeborene von den anderen geburtshilflichen Kliniken in Würselen, Walheim, Eschweiler und Simmerath noch nach Stolberg in die Kinderklinik gefahren. Nur hier konnten sie die nötige Behandlung genießen. Aber „Sindbad“ war nicht nur die Antwort auf den sicheren Transport für die Kleinsten – auch die kindgerechte Erstversorgung nach einem Unfall konnte mit dem besonderen RTW geleistet werden.

250.000 Mark kostete Sindbad. Eine Summe, die über Spenden nicht so leicht zu akquirieren ist. In zwei Jahren sammelte „Menschenskind“ das Geld: über insgesamt 760 Einzelspenden. „Sindbad“ ging im Juni 1997 auf Tour und half in Stolberg 14 Jahre lang unzähligen Kindern. 5000 Einsätze leistete „Sindbad“ in diesen Jahren, etwa 357 Einsätze im Jahr.

Im Dezember 2011 wurde „Sindbad“ dann im Bethlehem-Krankenhaus feierlich verabschiedet. Seit dem fährt der ganz besondere RTW im Dienst der Hilfsorganisation Tajik Aid, einer franziskanischen Initiative, und wird für die medizinische Versorgung von Kindern in Tadschikistan eingesetzt.

Kinder aus der ganzen Region

„Aber nicht nur die großen Dinge stehen auf der Agenda von ‚Menschenskind‘“, sagt Siller. Auch im Kleinen ist dem Verein wichtig, das Leben der Kinder zu verschönern. 1998 finanzierte er den Kinderspielplatz unter den Kastanienbäumen im Hof des Krankenhauses in Stolberg. Später wurde in einem freien Durchgangszimmer im Krankenhaus „Käpt‘n Blaubär“ errichtet. „Das Holzschiff ist heute schon viel zu klein“, sagt Siller, „jedes Kind, das kann, freut sich über den Raum zum Spielen und kommt hier runter.“

Aber niemand soll vergessen werden. Auch nicht die Kinder, die nicht aufstehen dürfen oder können und sich ihre Zeit in ihren Krankenzimmern vertreiben müssen. Deshalb gibt es Max den Clown. Max heißt eigentlich Herbert Baldrian, und er spendet den Kindern vor allem eins: seine Zeit. Einmal im Monat kommt er verkleidet ins Krankenhaus, immer bei Stationsübergabe, um die Schwestern nicht zu stören. Von Zimmer zu Zimmer geht er dann, um keines der Kinder auszulassen. Aber auch die Erwachsenen profitieren von seinem Besuch. „Die Eltern können sich auch mal entspannen, etwas Zeit für sich nehmen, wenn ich da bin“, sagt Baldrian.

Kinder und Eltern kommen aus der ganzen Region. „Da kann man nicht mal eben nach Hause fahren.“ Viele Eltern schlafen im Krankenhaus bei ihren Liebsten, sind rund um die Uhr in der Klinik. Wenn Max der Clown da ist, können sie sich getrost etwas in die Sonne setzen, Telefonieren, einen Kaffee trinken – sie wissen, den Kindern geht es nicht nur gut; sie sind glücklich. Mit seiner Trickkiste, die aus ganzen vier Koffern besteht, zaubert er Lächeln in die Gesichter der kleinen Patienten – und nicht selten auch in die ihrer Eltern. Jonglieren kann er, und besonders beliebt sind die kleinen Geschenke, die die Kinder behalten dürfen: etwa eine Blume oder einen Dackel, den Max der Clown im Handumdrehen aus Luftballons zaubert.

Seit 2013 bietet „Menschenskind“ Unterstützung für Familien, in denen Kinder frisch die Diagnose Diabetes erhalten haben. Unter dem Motto: „Alles klar mit Diabetes gut zu Hause ankommen“ wird den Kindern und ihren Eltern geholfen, sich an das selbstständige Spritzen und all die Dinge zu gewöhnen, die zuvor selbstverständlich waren und jetzt, zumindest für einen, eben nicht mehr auf den Tisch dürfen. „Bundesweit waren wir in Stolberg die ersten mit dieser Idee“, sagt Siller stolz, „ein Pilotprojekt war das.“

Seit Jahrzehnten bildet „Menschenskind“ eine Institution in Stolberg. Mit den Spenden konnte der Verein unzähligen Menschen helfen. 24 Kindern aus der Städteregion Aachen ermöglicht „Menschenskind“ therapeutisches Reiten auf sechs Reiterhöfen. Nicht leicht zu organisieren und nicht leicht zu bezahlen: 33600 Euro kostet das im Jahr. „Sie sollten mal sehen, wie viel Spaß das den Kindern mit Förderbedarf macht“, sagt Siller, „und wie sie sich durch den Umgang mit den Tieren entwickeln!“

Jährlich veranstaltet der Verein eine Gedenkfeier für Eltern, deren Kinder vor oder nach der Geburt verstorben sind. „Das ist immer sehr bewegend“, sagt Siller, „einige kommen seit vielen Jahren.“

„Nicht die Augen verschließen“

Jetzt sitzen Vorstandsmitglieder auch mit im Stolberger Flüchtlingsdialog. „Wir haben gemerkt, dass unsere Gesellschaft mit einer völlig neuen Situation konfrontiert wird“, sagt Ilse Zörkler. Die gelernte Kinderkrankenschwester ist Vorstandsmitglied der ersten Stunde. Für die internationale Förderklasse des Berufskollegs Stolberg/Simmerath gibt der Verein bereits Unterricht zu Gesundheitsförderung und -prophylaxe. Mit einer Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge haben sie auch das Bethlehem Gesundheitszentrum besucht. Aber dabei soll es nicht bleiben: „Vor dem Leid dieser Menschen konnten wir einfach nicht die Augen verschließen.“ Auf Dauer würden viele der Familien die derzeit in Stolberg ankommen auch in der Kupferstadt bleiben, sagt Zörkler, „sie werden dann Bürger dieser Stadt. Da wollen wir jetzt schon ein Zeichen setzen.“ Und dieses soll ein einfaches sein: das des Miteinanders. Deshalb ist Zörkler gerade dabei einen Begegnungsnachmittag zu organisieren. Ziel ist, den möglichen zukünftigen Stolbergern eine Heimat und Perspektive zu bieten.

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