Menschen und Pflanzen gehen jetzt auf

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Lange dauert es nicht mehr, dann blüht auch die Kamelie im Innenhof des technischen Betriebsamts der Stadt in Mausbach. Frank Skottke freut sich über die ersten Frühlingstage: Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Stolberg. Das der Frühling nicht mehr weit ist, haben die vergangenen warmen Tage auch in Stolberg mehr als deutlich gezeigt. Am kommenden Montag, 20. März, ist der Lenz sogar amtlich da. Redakteurin Sarah-Lena Gombert hat sich mit Frank Skottke vom Stolberger technischen Betriebsamt darüber unterhalten, was derzeit in der Grünflächenpflege alles zu tun ist.

 

Herr Skottke, am Montag ist offizieller Frühlingsbeginn. Schon in der vergangenen Woche ist es sehr mild gewesen in der Kupferstadt. Was genau haben Sie und ihre Kollegen jetzt zu tun?

Skottke: Die Pflanzen explodieren derzeit förmlich! Die Böden sind gesättigt mit Nährstoffen, jetzt kommt noch das warme Wetter der letzten Tage dazu. Für meine Kollegen und mich heißt das: Die Rasenpflege geht los. Das bedeutet, dass wir an manchen Stellen das Laub, das noch liegengeblieben ist, entfernen. So versuchen wir Faulstellen zu vermeiden. Auch alte Pflanzenreste nehmen wir jetzt weg. Wir kontrollieren dann noch ein Mal die Bäume auf gebrochenes Astwerk, falls irgendwo im Winter die Schneelast zu groß geworden ist. Solche Sachen machen uns momentan die meiste Arbeit. Dann werden die Rasenflächen belüftet und auch gedüngt. Hinzu kommt jetzt noch das Instandsetzen der Sportanlagen. Die Laufbahnen der Leichtathleten müssen gereinigt werden. Sie sehen, es wird nicht langweilig .

Wie viel Quadratkilometer Rasenfläche bearbeiten Sie?

Skottke: Ganz ehrlich: Da haben wir keine genauen Quadratmeterzahlen. Stolberg ist zwar eine relativ kleine Kommune, aber wir haben hier in der Stadt einen vergleichsweise hohen Grünflächenanteil. Bei der Arbeit haben wir unser Team aufgeteilt in den Innenstadtbereich und die Außenbezirke. Alle kümmern sich um Parkanlagen, Grünflächen, die Außenanlagen von Kindergärten und Schulen und zum Teil um die Sportplätze. Wir sind 26 Leute. Teilweise könnten es durchaus mehr sein .

Woher kommen die Blümchen, die sie einsetzen?

Skottke: Früher gab es an der Bergstraße in der Stadt eine eigene Gärtnerei. Das ist aber nicht mehr der Fall. Mittlerweile vergeben wir das als Auftrag an private Gärtnerbetriebe, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir pflanzen im Grunde zweimal pro Jahr, eine Sommerbepflanzung und eine Herbstbepflanzung. Anfang Mai wird der neue Sommerflor gepflanzt. Das machen wir jetzt noch nicht, weil die Stiefmütterchen aus dem vergangenen Herbst jetzt erst richtig zur Geltung kommen. Die wollen wir wirklich noch nicht gleich rausreißen.

Wie viele Blumen pflanzen Sie dann ein? Und welche Blumen sind das?

Skottke: Das sind in der Regel zwischen 4000 und 5000 Pflanzen, die zwei Mal pro Jahr gepflanzt werden. Dabei wiederholt sich bei der Pflanzenwahl recht vieles, ähnlich auch wie im privaten Bereich. Wir haben beispielsweise Hängegeranien in den Blumenampeln und Begonien in den Beeten, weil diese sehr schön bodendeckend wachsen. Die machen sich dann breit und blühen den ganzen Sommer.

Wo Sie schon beruflich den ganzen Tag im Grünen tätig sind: Machen Sie auch privat viel im Garten?

Skottke: Ja, auf jeden Fall. Der Beruf hält mich nicht von der Arbeit im eigenen Garten ab, ganz im Gegenteil. Dadurch, dass wir unser Haus erst vor wenigen Jahren gekauft haben, ist auch noch einiges im Garten zu tun. Aber ich würde mich schon als Überzeugungstäter bezeichnen, ich stehe zu meinem Beruf.

Haben Sie als Profi Tipps für den geneigten Hobbygärtner?

Skottke: Dass man sich jetzt erst einmal um die Rasenflächen kümmern muss, wissen die meisten eigentlich. Was jedoch einige vergessen: Das Schleifen der Messer des Rasenmähers. Der Mäher wird zwar am Ende einer Saison sauber gemacht. Und dann wundert man sich beim ersten Rasenschnitt über ein schlechtes Mähbild. Die Messer zu schleifen gehört also auch dazu.

Haben Sie eine Lieblingsblume?

Skottke : Nein, dafür gibt es einfach zu viele Blumen, und auch zu viele schöne Blumen. Trotzdem hat man natürlich Präferenzen. Viele mögen Laubbäume gerne, ich finde immergrüne Pflanzen sehr schön, weil ich es auch im Winter gerne ein bisschen ansehnlich habe. Außerdem machen immergrüne Pflanzen nicht so viel Arbeit – mein Teich bleibt sauber.

Und aus dem heimischen Garten zurück zur Stadt: Was ist das Besondere an Ihrem Beruf?

Skottke: Zunächst einmal ist man jeden Tag an der frischen Luft. Und für mich ist das definitiv besser als die Arbeit in einem stickigen Büro. Selbst jetzt bin ich die Hälfte meiner Arbeitszeit draußen. Für mich ist es auch sehr schön, wenn man gestalterisch tätig ist. Es macht einfach Spaß, irgendwo hinzukommen, wo man vor einer Weile etwas gestaltet hat, und das hat funktioniert. Wenn man sagen kann Guck mal, das hast du gemacht, das ist ein tolles Gefühl.

Ist das auch ein Beruf mit Zukunft?

Skottke: Es heißt immer, „Grüner Beruf mit Zukunft“, und das stimmt auch. Wer sich dahinter klemmt, kann da auch Karriere machen. Es gibt viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Man braucht auch nicht immer draußen zu sein, kann beispielsweise in die Landespflege gehen. Die Türen stehen weit offen. Aber der Beruf ist auch weiterhin sehr gefragt. In den vergangenen Jahren auch bei Frauen, übrigens.

Wie viel Kreativität können Sie im Beruf tatsächlich umsetzen?

Skottke: Im Grunde genommen lässt man uns freie Hand. Wichtig ist nur, dass es schön aussieht und ins Budget passt . Hin und wieder ist das Stadtgrün aber auch ein Politikum. Manchmal kommen dann Nachfragen, warum man sich jetzt an der einen Stelle für eine bestimmte Bepflanzung entschieden hat. Das erklären wir dann, und dann ist es auch gut.

Apropos Politik: Bei den vielen Umgestaltungen in der Stadt wollen Architekten auch das Landschaftsbild etwas verändern. Beispielsweise am Bastinsweiher. Wer kümmert sich denn um die ganzen neuen Pflanzen?

Skottke: Das ist eine gute Frage, und der Bastinsweiher ist ein gutes Beispiel. Das, was dort gepflanzt wird, finde ich wirklich sehr schön. Aber es wird uns auch eine Menge Arbeit machen. So werden wir die Kastenkastanien zweimal im Jahr beischneiden müssen. Ansonsten sind diese Bäume sehr schnell außer Form. Manchmal wundert man sich aber, warum wir als ausführende Mitarbeiter nicht häufiger gefragt werden, wenn solche Dinge geplant werden. Denn die Zeit, die wir da bei den neuen Projekten investieren, die fehlt uns an anderer Stelle. Das ist klar.

 

Sie bekommen ja auch viel Feedback aus der Bürgerschaft. Was sind die häufigsten Vorwürfe, die Sie zu hören bekommen?

Skottke: Die Leute melden sich vor allem im Herbst. Im Sommer finden alle die grünen Bäume ganz toll. Sobald aber das Laub fliegt, sind die Bäume nicht mehr toll. Einige verlangen dann von uns, dass wir ganze Bäume fällen oder sie soweit stutzen, dass die Regenrinnen nicht verstopft werden. Dabei gibt es mittlerweile recht gute Dachrinnenabdeckungen, die man für solche Fälle anbringen kann.

Manche beschweren sich auch über die Art der Bepflanzung, wenn ihnen eine bestimmte Blume nicht gefällt. Dann müssen wir unsere Vorgehensweise wieder erklären. Und das machen wir auch gerne, solange das Gegenüber höflich bleibt. Manche Leute rufen aber auch einfach mal an, wenn wir Anlagen wieder herrichten. Dann gibt es auch mal ein Lob, und das motiviert uns.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass sich die Stadt so viel Arbeit mit ihren Grünflächen macht. Es ginge ja auch sicherlich unkomplizierter und pragmatischer…

Skottke: Wir achten schon darauf, dass wir uns nicht unnötig Arbeit machen, beispielsweise setzen wir bei Beeten auf Wechselflor. Das bedeutet, dass die Pflanzen zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, und es auch eine gewisse Abwechslung gibt – ohne dass wir dann noch viel tun müssen.

Abgesehen davon sieht es einfach schön aus, wenn man mal ein paar Farbkleckse in der Stadt setzen kann. Nicht nur jetzt, sondern am besten das ganze Jahr über. Und es gibt auch an der einen oder anderen Stelle Hilfe aus der Bevölkerung, also Bürger, die öffentliche Anlagen pflegen.

Da fällt mir Gehlens Kull ein…

Skottke: Ganz genau. Dieser Park wird von einer Gruppe von Bürgern in Eigeninitiative in Ordnung gehalten, und die bekommen Hilfe vom Forstamt. Walter Meuthen, der dort immer nach dem Rechten sieht, fordert mich auch immer wieder auf, mir den Park mal anzuschauen. Bisher habe ich das aber noch nicht geschafft. Jedenfalls ist solch ein bürgerschaftliches Engagement super aus unserer Sicht.

Haben Sie einen Flecken in Stolberg, den Sie besonders mögen?

Skottke: Ein Ort, der mittlerweile wieder sehr schön geworden ist, ist der Grado Park auf der Liester. Da hat es lange Zeit Probleme mit viel Unrat gegeben, der Baumbestand war viel zu dicht. Wir haben da wirklich gut gelichtet. Das kam auch bei den Anwohnern gut an. Ich bin dort in den letzten Tagen noch einmal durchgelaufen und muss sagen: Das ist ein richtig toller Stadtpark geworden, mitten in einem Wohngebiet.

Freuen Sie sich auf den Frühling?

Skottke: Das Frühjahr ist für mich der schönste Zeitraum im Jahr. Alles geht langsam auf, es tut sich etwas in der Natur. Gerade nach einem gefühlten langen Winter mit langer Frostperiode ist es eine Wohltat, die Pflanzen zu sehen. Wenn es lange düster war und dann kommt die Sonne wieder, dann gehe ich richtig auf. Die Leute werden auch freundlicher .

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