Stolberg/Eschweiler - Meisterschaft in Stolberg: Stephan Lamm zeigt den Schafen, wo es lang geht

Meisterschaft in Stolberg: Stephan Lamm zeigt den Schafen, wo es lang geht

Von: Christian Ebener
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Stephan Lamm gibt die Kommandos, Kate kontrolliert die Schafe. Foto: Christian Ebener

Stolberg/Eschweiler. Ein kurzes Pfeifen, und Kate rennt sofort los. In einem Wahnsinns-Tempo geht es hinter die Schafsherde, die dann behutsam von ihr über die Wiesen am Büsbacher Gut Hassenberg geführt wird. Am anderen Ende steht Stephan Lamm und gibt die Kommandos – „Come by“, „Lie down“ oder manchmal auch ein lautes „Kate“. Die siebenjährige Border-Collie-Hündin hat so ihre Probleme, denn das fünfköpfige Schafsgespann erweist sich als besonders widerspenstig.

Nach mehreren Minuten sieht Stephan Lamm ein, dass das Glück nicht auf seiner Seite ist, und muss den Lauf abbrechen. Als Veranstalter habe er noch keinen wirklich guten Lauf gehabt, sagt der 39-Jährige später am Rande der Schafskoppel, während der nächste Schäfer mit seinem Hund auf das kalte, windige Feld stapft.

Lamm, Zahnarzt in Eschweiler, hat am Wochenende die Rheinland-Meisterschaften der Border-Collie-Hütehunde ausgerichtet. Der Leistungstest der Schäfer ist auch Teil der Qualifikation für die Europameisterschaft in Tschechien, Lamm hat diese Erfahrung bereits gemacht.

Seit zwölf Jahren ist er dabei, hat bereits an Welt- und Europameisterschaft teilgenommen und konnte sich dort mit echten Profi-Schäfern messen, denn besonders in Skandinavien und den britischen Inseln ist das Schafehüten eine bekannte Sportart, bei der die teilnehmenden Tiere teils einen fünfstelligen Wert haben. Beim Soldier Hollow Classic in den USA kommen teilweise sogar über 25.000 Besucher, um die besten Schäfer zu sehen.

Am Wochenende waren 38 Hunde mit ihren Handlern, wie der Schäfer bei den „Sheepdog Trials“ genannt wird, vor Ort und zeigten ihre Leistung bei dem offiziellen Bewerb der „Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland“ (ABCD) unter den Augen von Lamm und Wertungsrichter Chris Caerts.

Möglichst wenige Kommandos

Der Ablauf variiert dabei in den unterschiedlichen Wertungsgängen, in dem Fall von Lamm muss seine Hündin Kate über die Trial-Fläche flitzen, während hinten fünf Schafe von der Herde der Schäferei Tings abgetrennt werden. Diese muss sie dann in möglichst gerader Linie zum Handler führen, der an einem festgelegten Ort steht und akustisch, also per Sprache oder melodische Pfeiftöne, den Hund dirigiert - „zweisprachig“, wie Stephan Lamm es nennt. Dann wird die Herde durch ein aufgestelltes Tor geführt und schließlich in ein Gatter gebracht. Danach kommt der Schäfer hinzu, und der Hund muss zwei der fünf Schafe abtrennen. Dabei sind allerdings zwei Schafe markiert und dürfen nicht abgetrennt werden.

Schließlich werden die Tiere wieder zusammengeführt, nochmals über die sogenannte Quertreiblinie geführt und schließlich wird wieder ein Schaf abgetrennt. Dann geht es für die Tiere zur Ruhekoppel, und der Handler erhält ein Okay vom Wertungsrichter, der dann für die korrekte Ausführung mit möglichst wenigen Kommandos die Punkte vergibt. Feste Regeln sind allerdings, dass der Schäfer die Tiere nicht mit seinem charakteristischen Hütestock berühren darf und der Hund auch in einer Stresssituation niemals zubeißt.

Für Kate ist diese Prüfung dann leider etwas früher vorbei, was zeigt, dass auch erfahrene Hunde und Schäfer nicht immer die Prüfung in der festgesetzten Maximalzeit von 15 Minuten schaffen können. „Man will es nicht auf äußere Umstände schieben, aber da war auch Pech dabei“, sagt Lamm nach dem Lauf mit Verweis auf die bockigen Schafe. Für die Tiere sei es immer schwierig, wenn sie von der gewohnten Herde mit Hunderten Wollträgern abgetrennt werden. Aber auch damit müssen Schäfer und Hund zurecht kommen.

Auch wenn sich die Befehle und Kommandos unterscheiden, ist die Herangehensweise der Hunde beim Zähmen der Herde gleich. Der Collie läuft im weiten Bogen um seine Schafe, um sie von hinten treiben zu können ohne sie dabei zu beunruhigen. Dann legt er sich hin und pirscht vorsichtig an die Tiere heran, bis sie sich in die gewünschte Richtung bewegen.

Dieses Vorgehen ist dabei sogar noch von den Urahnen der Hunde – den Wölfen – vererbt, die auf diese Weise die gejagte Herde in die Richtung ihres Rudelführers trieben, erzählt Lamm, der in Eschweiler-Dürwiß mehrere Collies, darunter auch manchen Hüte-Rentner, trainiert und betreut. Dabei hat er auch eine eigene Schafsherde, an der besonders seine zwei einsetzbaren Hunde sich beweisen können.

Das Hüten ist „die optimale Beschäftigung“ für sie, erklärt Lamm. Der Hütetrieb sei ihnen angezüchtet und muss auch ausgelebt werden, damit die Collies gut leben können. Quasi jeder Teilnehmer an diesem Wochenende hält es wie Lamm und verfügt über mehrere Schafe und einen großen Auslaufbereich für seine Vierbeiner, die bereits im Alter von einem Jahr antreten können.

Fünf Veranstaltungen

Die Zusammenarbeit von Schäfer und Hund ist dabei auch heute noch wichtig, auch in der Landschaftspflege werden die Tiere eingesetzt. Fünf Veranstaltungen dieser Art gibt es in Deutschland, die besten acht Hunde reisen dann schließlich zur Europameisterschaft, die jährlich stattfindet und auf der sich zahlreiche Züchter ein Bild von der Collie-Elite machen können. In den nächsten Monaten werden sich dann die Teilnehmer herauskristallisieren.

Lamm beobachtet trotz seines Ausscheidens noch gespannt die weiteren Teilnehmer im kalten Wind, der die Zuschauer fast schon an die schottischen Highlands erinnert. An Lamms Seite dabei seine Tochter und mit Kate natürlich seine tierische „Tochter“, die bald schon wieder ihrer liebsten Beschäftigung nachgehen wird.

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