Mehr Sicherheit im Zeichen der Burg

Von: Jürgen Lange
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Aus dem Aprilscherz 2016 wurde mit am Anhänger Hygiene/Betreuung nun Realität. Im Kreise zahlreicher Mitglieder der Feuerwehr sowie Politiker und Verwaltungsmitglieder von Stadt und Städteregion wurden die neuen Fahrzeuge präsentiert. Foto: J. Lange

Stolberg. Ein wenig Angst hat der Bürgermeister schon. „Wie wird wohl der nächste Aprilscherz der Feuerwehr aussehen?“, fragt sich Tim Grüttemeier und zeigt sich – natürlich nur in finanzieller Hinsicht – vorsichtshalber besorgt. Denn es ist kaum zu glauben: Aber aus dem Aprilscherz 2016 der Stolberger Feuerwehr in den sozialen Medien ist nun ein reales Einsatzfahrzeug geworden.

Bei der Feuerwehr gibt es für nahezu jedes Problem eine Spezialeinheit: Höhenretter, Gefahrgutspezialisten, es werden Container für Sandsäcke oder Schläuche bereitgehalten, und wenn bei einem größeren Einsatz Hunger und Durst die Retter plagen, rückt aus Eschweiler die Verpflegungseinheit an. Wasser nehmen die Feuerwehrleute reichlich mit. „Aber was ist mit dem ,Wasser lassen‘?“ flachsten die Stolberger im April des Vorjahres und präsentierten scherz­haft die Lösung in Form von roten Baustellen-Toiletten.

Und genau solche gehören nun zu dem mehr als 40 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark: Der Anhänger Hygiene / Betreuung dient zur Logistik und Versorgung von Einsatzkräften bei längeren Einsätzen. Zwei – zufällig – rote Baustellentoiletten sind auf einem vorhandenen Anhänger verzurrt. Dieser wird nun bei großen Einsatzstellen nachgeführt und beinhaltet neben besagten WCs mit Hygieneartikeln ein Schnelleinsatzzelt, eine Heizung, diverses Beleuchtungsmaterial und Sitzmöglichkeiten. Kurzum: „Alles was man braucht, wenn‘s mal wieder länger dauert“, sagt Andreas Dovern. Über den Scherz haben der Amtsleiter und sein Team die Ernsthaftigkeit des Themas zu würdigen gewusst und es in die Realität umgesetzt.

Diese eher lustige Geschichte ist nur eines von vielen Zeugnissen des neuen Selbstbewusstseins der Stolberger Feuerwehr. Seit drei Jahren sehen sich die haupt- und ehrenamtlichen Helfer im Aufwind. Sie merken, dass ihr Anliegen wieder ernst genommen wird. Ihre Sorge um die Sicherheit der Stolberger Bevölkerung manifestiert sich auch in einem neuen Logo, das auf allen Fahrzeugen und größeren Einsatzmitteln Einzug hält: Die stilisierte Burg in dem Orangeton, den auch die weiteren Sicherheitsmarkierungen tragen. Der alte Werbesolgan der „Sicherheit im Zeichen der Burg“ hat in der Kupferstadt eine neue Bedeutung erlangt. Die Stolberger Feuerwehr setzt neue Standards.

Angesichts steigender Einsätze der Feuerwehr ebenso wie mit Blick auf die Finanzen hat die Wehrleitung einen Katalog erarbeitet, der Prioritäten bei der Beschaffung setzt, einheitliche Standards aufstellt, die Wartung, Instandhaltung und Betrieb ebenso effizienter gestalten wie die Schulung für und Nutzung durch das Personal einfacher gestalten sowie den wachsenden Anforderungen ebenso wie den Haushaltsmitteln gerecht werden – ohne goldene Knöpfe zu haben, wie Dovern bereits Ende 2015 betonte, als das erste Fahrzeug der neuen Generation für die Löschgruppe Mitte in Dienst gestellt wurde. „Und goldene Knöpfe haben die anderen neuen Fahrzeuge auch nicht“, unterstreicht der Stadtbrandinspektor bei der Präsentation der insgesamt fünf neuen Fahrzeuge, die in diesen Tagen einsatzbereit sind. Der neue Fahrzeugpark umfasst ein Volumen von rund 1,2 Millionen Euro, wenn er komplett neu beschafft worden wäre.

Neben dem Anhänger Hygiene/Betreuung haben die Stolberger von der Städteregion einen Kleintransporter erhalten, der beim Rettungsdienst ausgemustert worden ist. Überwiegend in Eigenleistung haben die Feuerwehrleute das Fahrzeug überholt und fit gemacht für den Stolberger Standard. In Zukunft wird der Mercedes als zweiter Einsatzleitwagen von der Hauptwache aus ausrücken können.

Den Mitgliedern der Feuerwehr, der Politik und der Verwaltung sowie Walter Beginen als Vertreter der Feuerwehr, Thomas Johnen als Partner des THW und Elke Schloemer von der Städteregion wurde zudem das neue Löschfahrzeug vorgestellt, das im Rahmen des Katastrophenschutzes in Gressenich stationiert ist. Der Bund hat rund 300.000 Euro ausgegeben. Innenminister Thomas de Maiziére hat den Wagen vor wenigen Wochen persönlich übergeben. „Wir freuen uns mit dem Fahrzeug auch über unsere Region hinaus zu Einsätzen auszurücken“, sagte Dovern und erinnerte an die Einsätze bei Hochwasser und Sturm, die die Stolberger mit Kameraden anderer Feuerwehren bereits erfolgreich absolviert haben.

Eingetroffen sind zudem die ersten beiden einer ganzen Reihe von Beschaffungen aus dem städtischen Budget. Das Tanklöschfahrzeug 4000-1 wird auf der Hauptwache stationiert und dient in erster Linie zur Sicherstellung der Löschwasserversorgung bei Großbränden. Diese verschlechtert sich einerseits durch Veränderungen im Leitungsnetz des Versorgers Enwor, andererseits verfügt Stolberg über umfangreiche Naturflächen jenseits der Bebauung. Bauartbedingt 4500 Liter Löschwasser plus 500 Liter Schaum können mit dem rund 300.000 Euro kostenden Fahrzeug auf Mercedes-Basis im Ernstfall direkt eingesetzt werden.

Weitere 280.000 Euro hat die Stadt in ein Löschfahrzeug 10-1 investiert, das auf der Wache für die Löschgruppe Münsterbusch stationiert wird. Für die Münsterbuscher ist dies ein ganz besonderer Tag, denn die Fahrzeug-Geschichte hat es mit dieser Einheit besonders übel genommen. Über viele Jahre rückte die Gruppe mit einem drei Jahrzehnte alten „Mercedes-Methusalem“ Baujahr 1980 aus. Als der vor vier Jahren durch einen „neuen Gebrauchten“ ersetzt werden sollte, stellte sich dieser als „Fake“ heraus. Berliner Gebrauchtwarenhändler hatten den Stolbergern einen Unfallwagen mit Totalschaden angedreht, der irreparabel war – inklusive gefälschter TÜV-Abnahme. Ersatzweise nutzten die Münsterbuscher dann ein Fahrzeug der Hauptwache. Nun ist die Gruppe wieder eine echte Einheit aus Mannschaft und Gerät.

Neben neuer Einsatzkleidung, neuen Uniformen und vielem Kleingerät erwartet die Stolberger Feuerwehr weitere Fahrzeuge: In Kürze treffen ein neuer Einsatzleitwagen und ein Kleineinsatzfahrzeug zur Ölbekämpfung und Tierrettung ein. Geordert sind zwei neue Rettungstransportwagen und ausgeschrieben drei Hilfeleistungslöschfahrzeuge. Und am 23. September wird das neue Feuergerätehaus in Zweifall eingeweiht.

Tim Grüttemeier nutzte die Gelegenheit, der Stolberger Feuerwehr für ihr Engagement und ihre Motivation zu danken. Nur ein Punkt macht dem Bürgermeister noch Kopfzerbrechen. Mit dem Aprilscherz diesen Jahres wollte die Feuerwehr ein Flugfeldlöschfahrzeug beschaffen ...

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