Mausbacher Grundschüler erteilen ihren Eltern eine Lektion

Von: Sarah-Lena Gombert
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Schüler der ersten Klasse an der Mausbacher Grundschule und ihre Lehrerin Melanie Lutz zeigen Müttern und Vätern, die zum Parken an die Elternhaltestelle kommen, ein freundliches, grünes Smiley. Für „Verkehrssünder“ gibt es eine kleine Verwarnung in Form von nachdenklichen oder traurigen Smiley-Gesichtern. Foto: S.-L. Gombert
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Auch Jürgen Steffens, Dana Krumbeck und Gabi Hourtz (von links) von der Polizei haben diesmal Smileys verteilt. Nächstes Mal machen sie ernst.

Stolberg-Mausbach. Es ist Donnerstagmorgen, 7.30 Uhr in Mausbach. Langsam biegt ein Wagen auf den Markusplatz ein. Die junge Frau am Steuer fährt einen der Parkplätze direkt vor der Sparkassenfiliale an. Die hinteren Autotüren fliegen auf, drei Kinder mit gelben Warnwesten und knallbunten Schultaschen springen raus.

Währenddessen drängen sich ein paar Erstklässler am Fahrerfenster, drücken der Mutter am Steuer ein grünes Smiley-Gesicht in die Hand: Alles richtig gemacht. Für die Kinder der ersten Klasse der Mausbacher Grundschule ist das kein ganz gewöhnlicher Schultag. Sie helfen heute der Polizei bei der Verkehrskontrolle, um ihre Eltern zu erziehen.

Eltern mit Ausreden

„Viele Eltern bringen heutzutage ihre Kinder mit dem Auto zur Schule“, berichtet Polizist Jürgen Steffens, der heute früh mit seinen beiden Kolleginnen Dana Krumbeck und Gabi Hourtz angerückt ist. „Und es gibt immer wieder Mütter und Väter, die am liebsten bis auf den Schulhof fahren, oder beim Parken Zebrastreifen oder Querungshilfen blockieren“, erzählt der Polizeibeamte.

Von den Ordnungshütern angesprochen, gebe es immer wieder die gleichen Ausreden: Man sei spät dran und wolle keinen Ärger mit der Schule. Oder man habe nicht gewusst, dass man eine der Elternhaltestellen nutzen kann. Entschuldigungen, die Jürgen Steffens nicht gelten lässt: „Das Verkehrszähmer-Projekt, bei dem die Kinder ihre Eltern zur Umsicht bewegen sollen, gibt es an den Stolberger Grundschulen schon seit mehr als zwei Jahren.“

Die Elternhaltestellen, wie beispielsweise am Mausbacher Markusplatz, gibt es seit etwas mehr als drei Monaten. „Aber es wird wohl immer einige geben, die uneinsichtig sind“, schätzt Steffens.

Trotzdem: Dass die Elternhaltestellen ein Erfolg sind, davon sind sowohl Schule als auch Polizei überzeugt. „Wir bekommen von unseren Schülerlotsen die Rückmeldung, dass die Parkflächen am Markusplatz gerne genutzt werden“, berichtet Grundschullehrerin Melanie Lutz, die an diesem Morgen mit ihren Schülern den Polizisten unter die Arme greift. Und abgesehen von den Haltestellen steckt hinter dem Verkehrszähmer-Projekt noch einiges mehr:

„Die Kinder sollten lernen, ihren Schulweg zu Fuß zurückzulegen, am besten mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft“, sagt Polizist Steffens. Das gelte zumindest für die Kinder, die in dem Ort leben, in dem sie auch zur Schule gehen. „Als Fußgänger sammeln sie wichtige Erfahrungen als aktive Teilnehmer im Straßenverkehr“, erklärt Steffens. Und das kann selbst in einem recht beschaulichen Ort wie Mausbach nur von Vorteil sein: Die Gressenicher Straße beziehungsweise Kurt-Schuhmacher-Straße ist stark befahren.

Punkte sammeln für die Klasse

Das besondere am „Verkehrszähmer“ sei, dass die Initiative von den Kindern selbst ausgeht: „Die Schüler können durch vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr, auch das ihrer Eltern, Punkte für den Klassenverband sammeln“, beschreibt Steffens das Projekt. Für eine gewisse Anzahl von Punkten gibt es dann Belohnungen: „Das können weniger Hausaufgaben sein, eine Bastelstunde oder auch mal ein Kinotag“, sagt Lehrerin Melanie Lutz.

Einige Meter weiter oben, an der Straße „Im Hahn“, haben Dana Krumbeck, Gabi Hourtz und Schulleiterin Meike Groppe den Verkehr im Blick: Hier gibt es nur noch rote, traurige Smileys für die Eltern. Dana Krumbeck erklärt, warum eine Familienkutsche direkt vor dem Schulgebäude nichts verloren hat: „Direkt vor dem Eingang der Schule befindet sich der Zebrastreifen. Wer dort parkt, verdeckt anderen Autofahrern die Sicht auf die Kinder, die hier die Straße queren.“

Nicht alle Eltern würden das verstehen. „Diesmal haben wir nur Smileys dabei“, sagt Jürgen Steffens, „aber beim nächsten mal machen wir ernst. Dann müssen es die Autofahrer über den Geldbeutel lernen.“

Doch nicht nur als Autofahrer kann man sich im Umfeld der Schule falsch verhalten: Polizistin Gabi Hourtz nimmt an diesem Morgen auch die ein oder andere Gruppe von Realschülern auf Seite. Die Jugendlichen, deren Busse am Markusplatz halten und die ebenfalls über „Im Hahn“ zur Schule laufen müssen, nehmen nur selten den Zebrastreifen.

Sie rennen einfach irgendwo über die Straße – die für ihre Größe relativ stark befahren ist. „Die Jugendlichen müssen verstehen, dass sie gegenüber die jungen Grundschüler eine Vorbildfunktion haben“, erklärt die Beamtin.

Kurz vor 8 Uhr treten die Erstklässler den Weg ins Klassenzimmer an. Schulleiterin Meike Groppe ist mit der Aktion zufrieden: „Wenn wir auf diesem Wege den ein oder anderen Autofahrer sensibilisieren, dann haben wir schon viel erreicht.“

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