Mausbach: Plätschern kündigt die Wasserkatastrophe an

Von: Lars Brepols
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Sind die Hände gebunden: Dr. Franz Josef Ingermann wartet auf den Gutachter, um die noch brauchbaren Dokumente zu sichern. Eine Kiste mit zehn Jahre alten Fotos ist im Vordergrund zu sehen. Foto: L. Brepols

Stolberg-Mausbach. Als Dr. Franz Josef Ingermann am frühen Montagmorgen aus seinem Fenster in den Garten blickt, erkennt er sofort das verheerende Ausmaß der Katastrophe. Wie ein reißender Bach strömen Wassermassen durch die Straße Düre Koof in Mausbach geradewegs auf sein Haus zu.

Kurze Zeit später steht das Wasser schon einen halben Meter hoch im Garten. „Mein Grundstück hat sich innerhalb kürzester Zeit in einen richtigen See verwandelt”, beschreibt Ingermann die bedrohliche Situation.

Ein lautes Plätschern aus dem Keller signalisiert ihm zudem, dass sich die Wassermassen langsam ihren Weg in sein Haus bahnen. „Ich war wie elektrisiert, und bin sofort runter, um meine Akten und Papiere zu sichern”, berichtet Ingermann, der unter anderem für den Geschichtsverein tätig ist.

Doch ihm bleibt gerade noch Zeit, um eine Handvoll der wertvollen Unterlagen aufzusammeln. Die übrigen Papiere, Dias, Pässe, Fossilien oder Akten muss er aufgeben, denn die Schlammlawine reißt alles mit, was sich in seinen Kellerräumen befindet.

Ein Rohrbruch, an der Ecke Krewinkel/ Düre Koof, ist als Ursache schnell ausgemacht. „Das ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas hier passiert”, sagt Ingermann, „schon zum dritten Mal ist dieser Frischwasser-Leitungsstrang gerissen.”

Zuletzt sei das Rohr, das von Krewinkel durch Düre Koof bis zur Gressenicher Straße verläuft, am Ende der Straße gebrochen.

Seinerzeit blieb Ingermann verschont, doch vor etwa 15 Jahren wurde das damals noch von seinen Eltern bewohnte Haus schon einmal geflutet.

„Die Rohre wurden hier unsachgemäß verlegt”, vermutet Ingermann. „Dieser Strang muss komplett erneuert werden, damit so etwas nicht noch einmal passiert.”

Feuerwehr lässt auf sich warten

Als Ingermann einen Teil seiner Akten gesichert hatte, alarmierte er umgehend die Leitstelle der Feuerwehr. Doch es sollte eine geschlagene Dreiviertel Stunde dauern, bis die Blauröcke endlich vor Ort eintrafen.

„Ein Skandal”, wie Ingermann findet. „Den Helfern mache ich keine Vorwürfe, die haben tolle Arbeit geleistet, aber im Verbindungssystem der Notrufzentrale scheint es erhebliche Defizite zu geben, denn es kann doch nicht sein, dass es so lange dauert, bis die Feuerwehr am Katastrophenort eintrifft.”

Eine plausible Erklärung kann auch Toni Sturz derzeit nicht liefern. Der Stadtbrandinspektor will erst einmal den Einsatzbericht genau prüfen.

„Für mich ist das unbegreiflich. Normalerweise sind wir in spätestens zehn Minuten vor Ort”, bestätigt Sturz.

Nachdem die Feuerwehr den Keller fast komplett ausgepumpt hatte, entfernte die von dem Energieversorgungsunternehmen Enwor beauftragte Sanierungsfirma „Allsan” die restlichen Wassermassen und installierte Lüftungs- und Heizungsgeräte, um den Schaden in Grenzen zu halten.

Erst jetzt wurde das gesamte Ausmaß der Katastrophe deutlich. „Das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden”, bestätigte auch ein Mitarbeiter der Sanierungsfirma.

Sicherungen knallen durch

Über 300 Bücher und wertvolle Dias liegen momentan aufgeweicht und von Schlammmassen bedeckt auf dem Boden. „Zur Zeit warte ich auf den Gutachter meiner Versicherung. Vorher kann ich hier nichts machen und muss alles liegen lassen”, bedauert Ingermann, der seinen Schaden auf mindestens 30.000 Euro schätzt.

Über 30 Stunden wartet er nun schon auf einen Versicherungsvertreter. „Ich habe bereits mehrfach telefoniert und wurde immer wieder vertröstet. Anscheinend schaffen die es nicht, jemanden rauszuschicken.”

Solange der Gutachter den Schaden nicht geprüft hat, kann Ingermann seiner Arbeit nicht nachgehen. Zudem wartet er auf einen Elektriker, der die regelgerechte Stromversorgung wiederherstellt.

„Im Moment muss ich die Lüftungs- und Heizungsgeräte ausstellen, wenn ich mir mal einen Kaffee kochen oder Duschen will. Denn, wenn ich Beides laufen lasse, knallen mir hier die Sicherungen durch.”
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