Martin Schulz an der „Quelle” des Euros

Von: Michael Grobusch
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Dr. Rolf Bünten (l.), technis
Dr. Rolf Bünten (l.), technischer Leiter der Walzwerke bei Schwermetall, erläuterte Martin Schulz (Mitte) und Stefan Kämmerling bei einem Rundgang die Abläufe in dem Halbzeugwerk in Breinigerberg. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Der Euro war der stetige Begleiter von Martin Schulz an diesem Mittag in Breinigerberg. Das lag zum einen an der von ihm geäußerten Befürchtung, dass die nächsten Tage im Falle einer Wahl von François Hollande zum französischen Präsidenten von spekulativen Turbulenzen an den Finanzmärkten geprägt sein könnten.

Doch die Berührungspunkte waren nicht nur gedanklicher Art, ist doch die Firma Schwermetall wesentlich an der Münzproduktion für die europäische Währung beteiligt und somit eine der „Quellen” des Euros. Das setzte dann selbst den EU-Parlamentspräsidenten in Erstaunen, der zwar in Begleitung des Genossen und Landtagskandidaten Stefan Kämmerling angereist, aber nach eigener Aussage dennoch in erster Linie zum Lernen gekommen war.

„Meine Aufgabe als Politiker ist es zu verstehen, wo die Probleme vor Ort sind”, erklärte Schulz, ehe er sich von der versammelten Unternehmensspitze durch die Hallen des Halbzeugwerkes führen ließ. Was der Würselener zu sehen bekam, war beeindruckend, wie er anschließend feststellte. Vom Metalllager ging es zur Gießerei und von dort über die Blocksäge, die Warmwalze, die Fräse und die Kaltwalze bis zu den Glühöfen und zum Versand. Der Weg führte „vom Stranggussformat zum Vorwalzband”, wie Dirk Harten seinem prominenten Gast erläuterte. „Wir stellen zwar nur ein Vorprodukt her, sind aber das Filetstück in einer langen Wertschöpfungskette”, so der Geschäftsführer, der auch mit interessanten Zahlen dienen konnte.

So deckt Schwermetall in der Branche mit einer jährlichen Produktion von 200 000 Tonnen und einem Jahresumsatz von 340 Millionen Euro rund ein Viertel des europäischen Marktes ab. „Wir sind ein Unternehmen, das man nicht einfach an den Haken nehmen und nach China bringen kann”, verwies Harten auf die dank modernster Technik und hoher Investitionen „herausragende Qualität” der Produkte und auf die „exzellenten Know-how-Träger”, über die Schwermetall in Person ihrer 260 Mitarbeiter verfüge.

Diesen Ball nahm Martin Schulz gerne auf. „Beim Rundgang war zu spüren, dass hier die Qualität, die Leistungsfähigkeit und die Würde der Kollegen geachtet wird.” In vielen Betrieben sei das leider nicht mehr der Fall, „da werden die Menschen nur noch als Kostenfaktoren mit Ohren angesehen”.

Kosten ganz anderer Art lagen Dirk Harten abschließend noch als Gesprächsthema am Herzen. „Wir haben eine jährliche Stromrechnung von zehn Millionen Euro”, berichtete der Geschäftsführer davon, dass sich die Preise für Strom, aber auch für Gas in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hätten. „Das trifft uns als energieintensives Unternehmen besonders hart.” Gleiches gelte für eine mögliche Belastung durch indirekte CO2-Zertifikate beim Strom. „Die in den europäischen Gremien derzeit diskutierte kostenlose Zuteilung von 70 Prozent ist aus unserer Sicht nicht ausreichend. Wir müssten die übrigen 30 Prozent über Einsparungen kompensieren, um zusätzliche Kosten zu verhindern. Doch das werden wir niemals schaffen”, unterstrich Harten.

Martin Schulz ist das Problem bekannt, spätestens seit seinem Besuch beim 50-prozentigen Schwermetall-Anteilseigner Aurubis in Hamburg vor wenigen Tagen. Und der Präsident versicherte: „Das Herausnehmen energieintensiver Unternehmen aus dieser Regelung ist das gesetzte Ziel fast aller deutschen EU-Parlamentarier.”
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