Marco Wolter schult Feuerwehrleute für Lkw-Schein

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
11494367.jpg
Michael Kiel (am Steuer) hat vor wenigen Tagen bei der Stolberger Feuerwehr seinen Lkw-Führerschein erneuert, damit er als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr die schweren Einsatzfahrzeuge lenken kann. Sein Fahrlehrer bei der städtischen Wehr war Marco Wolter. Foto: O. Hansen
11494338.jpg
Die Fahrer der Feuerwehrfahrzeuge sind dafür verantwortlich, dass die Lkw-Motoren genügend Öl bekommen. Auch kleinere Reparaturen übernehmen sie selbst. Foto: O. Hansen

Stolberg. Vor zwei Jahren hat Michael Kiel noch einmal die Herausforderung gepackt. Der Hausmeister des Ritzefeld-Gymnasiums wollte sich für seine Mitmenschen einsetzen. Im Alter von 48 Jahren trat er in die Freiwillige Feuerwehr, Löschgruppe Stadtmitte, ein. Und musste Vieles lernen.

Vor wenigen Tagen erst hat er die komplette Grundausbildung abgeschlossen. Aber was vielleicht noch wichtiger ist: Er hat mit Hilfe von Oberbrandmeister und Fahrlehrer Marco Wolter (43) den Lkw-Führerschein erneuert. So kann er das neue 14 Tonnen schwere Einsatzfahrzeug führen, das seine Löschgruppe jetzt in Dienst gestellt hat.

Die Stolberger Feuerwehr hat fast 50 Fahrzeuge in ihrem Fuhrpark. Vor allem die schweren Mannschaftstransportwagen und Löschfahrzeuge, aber auch Rettungswagen dürfen heute nicht mehr mit dem Pkw-Führerschein gesteuert werden.

Ideale Voraussetzungen

Da trifft es sich geradezu ideal, dass die hauptamtliche Wehr in Stolberg einen ausgebildeten Fahrlehrer in ihren Reihen hat. Marco Wolter ist seit 2008 fest angestellt bei der Feuerwehr der Kupferstadt. Er war früher Kfz-Mechaniker und hat dann bei der Bundeswehr die Fahrlehrerausbildung gemacht. Jetzt ist er bei der städtischen Feuerwehr tätig als Oberbrandmeister, Rettungsassistent und eben auch Ausbilder für die Löschkräfte, die einen Lkw-Führerschein machen müssen.

Bislang hat Wolter 15 Löschkräften zu einem Lkw-Führerschein verholfen. Wie zuletzt Michael Kiel. Als junger Mensch hat Kiel seinen Ersatzdienst für die Bundeswehrzeit im Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes abgeleistet. „Ich hatte schon immer eine soziale Ader“, blickt Michael Kiel schmunzelnd zurück. Dass er jetzt bei der Freiwilligen Feuerwehr mitwirkt, hat er seinem Sohn Sascha zu „verdanken“. Der 19-Jährige ist seit 2011 Mitglied der Jugendfeuerwehr und hat seinen Vater schließlich überredet, doch mal mit zu den Treffen der Löschgruppe zu kommen. Und Michael Kiel war gleich begeistert. „Das Besondere bei der Feuerwehr ist vor allem die große Kameradschaft.“ Für die Feuerwehr ist Kiel ebenfalls ein Gewinn. Feuerwehrsprecher Michael Konrads: „Herr Kiel ist als städtischer Angestellter und durch seine Arbeitsstelle in der City immer rasch einsetzbar.“

Im Jahr 2016 soll Marco Wolter weitere zehn Feuerwehrleute so schulen, dass sie die Prüfung zum Lkw-Führerschein bestehen. Außerdem zehn weitere städtische Angestellte des technischen Betriebsamtes. Er wird dabei allerdings Unterstützung erhalten. Im Frühjahr wird die Feuerwehr eine weitere hauptamtliche Kraft einstellen, die zuvor die Fahrlehrerprüfung gemacht hat.

Die Dauer des theoretischen Unterrichts betrage etwa 40 Stunden, rechnet Wolter vor. „Danach folgen 15 bis 20 Fahrstunden auf unseren Fahrzeugen“, so der 43-Jährige. Wolter: „Die Kräfte haben ja in der Regel bereits einen Pkw-Führerschein und müssen nur das Gefühl für das größere Fahrzeug bekommen.“ Nach den ersten Lenk- und Schaltübungen auf dem Hof des Feuerwehrgeländes geht es denn auch gleich auf die Straße.

Auch das Ausbildungsfahrzeug der Feuerwehr hat eine zweite Pedalerie und einen zusätzlichen Spiegel für den Fahrlehrer, wie in jedem üblichen Fahrschulauto. Vorgeschrieben ist ein Fahrzeuggewicht von mindestens zehn Tonnen. Theoretische und praktische Führerscheinprüfung werden am Ende der Ausbildung von einem unabhängigen Experten des TÜV abgenommen. Wolter: „Wie bei jeder anderen Fahrschule auch.“

Am Ende steht der Führerschein der Klasse C. Der reicht von Fahrzeugen mit einem Gewicht von 3,5 Tonnen bis zu schweren Lkw, Gesamtgewicht „nach oben offen“. Das schwerste Fahrzeug der Stolberger Feuerwehr wiegt mit seinen drei Achsen 26 Tonnen. Die Kosten für Ausbildung und Prüfung übernimmt die Stadt. Die übliche Schulung für den Lkw-Führerschein schlägt in der freien Wirtschaft mit mindestens 2500 Euro zu Buche. Und diesen Betrag würde kaum ein freiwilliger Helfer selbst aufbringen. Michael Konrads, Pressesprecher der Stolberger Feuerwehr, hat seinen Lkw-Führerschein, der 1991 noch 1000 Mark kostete, selbst bezahlt. „Aber junge Leute, die bei uns in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind, haben dieses Geld meistens nicht.“

Allerdings ist das Führen eines Feuerwehr-Lkw nicht nur die Tour mit einem schweren Fahrzeug, sondern eine besondere Aufgabe. Mit Martinshorn und Blaulicht in möglichst kurzer Zeit zum Einsatzort zu gelangen, stellt auch höchste Ansprüche an den Menschen am Steuer des Einsatzfahrzeuges. „Sicherheit ist für uns das Thema Nummer eins. Lieber eine Minute später am Einsatzort ankommen und Hilfe leisten können, als selbst am Ende Hilfe zu benötigen“, bringt es Michael Konrads auf den Punkt.

Physikalische Gesetze

Auch Martinshorn und Blaulicht könnten schließlich die physikalischen Gesetze nicht außer Kraft setzen. Und der Fahrer trage nicht zuletzt die Verantwortung für die Gesundheit der neun Kameraden, die in der Regel im Fahrzeug Platz finden. „Wir hatten in den letzten Jahren keine schweren Unfälle mit unseren eigenen Fahrzeugen“, betont Konrads.

Und die Feuerwehr rase auch nicht mit überhöhtem Tempo bei Rotlicht über eine Kreuzung. Wolter: „An der Kreuzung wird regelmäßig abgebremst. Gefahren wird erst, wenn die Situation für alle Beteiligten übersichtlich ist. Vorausschau ist das Wichtigste.“ Das Unfallrisiko sei schließlich laut Statistik bei einer Einsatzfahrt um das Siebenfache erhöht. Für die neuen Lkw-Führerscheininhaber sei gewöhnungsbedürftig, dass die heute aktuellen Feuerwehr-Lkw ausgestattet sind, wie ein hochmoderner Pkw. Mit allen technischen Hilfsmitteln. So müsse man sich erst einmal daran gewöhnen, am Steuer eines schweren Fahrzeuges zu sitzen, sagt Wolter.

Auch wenn die Lkw heute fast alle mit Allradantrieb ausgerüstet sind. Ein besonderes Fahrgefühl muss Derjenige entwickeln, der ein Fahrzeug mit Wassertank steuert. Damit kann man sich nicht wie gewohnt in die Kurve legen. Wenn das Wasser im Tank anfängt, hin und her zu schwappen, wird es gefährlich. „Wenn es geht, füllen wir die Tanks noch am Einsatzort wieder voll, bevor wir zurück zur Wache fahren. Das ist sicherer. Erst recht, wenn es dann gleich zum nächsten Einsatz gehen sollte“, beschreibt Marco Wolter das Verfahren.

Auch Feuerwehrfahrzeuge müssen alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung beim TÜV. Rettungsdienstfahrzeuge sogar jährlich. Da die hauptamtliche Feuerwehr über Einsatzkräfte verfügt, die zuvor unterschiedlichste handwerkliche Berufsausbildungen durchlaufen haben, kann die Wehr kleinere Reparaturen an ihren Fahrzeugen selbst vornehmen. Bei größeren Schäden müssen die Lkw dann allerdings doch in eine Lkw-Fachwerkstatt. Und regelmäßig wird der Fuhrpark durch moderne Fahrzeuge ergänzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert