Malerei, Fotografie und neue Kunst-Konzepte in der Burg-Galerie

Von: Dirk Müller
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Die neue Artibus-Ausstellung aus Sicht von Cartoonist Manfred Förster.
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Artibus, Stolberg erwartet mehr. Foto: D. Müller

Stolberg. Die vierte Ausstellung der „Artibus“-Reihe 2013 präsentiert nicht nur Malerei, Fotografie und Zeichnungen, sondern auch Ideen in Form von konkreten Kunst-Konzepten in der Burg-Galerie. „Stolberg erwartet mehr“ verweist, ohne künstlerische Aspekte dabei zu vernachlässigen, detailliert auf die Funktionalität von Kunst, und zwar in medizinischer Hinsicht.

„Kunst kann heilen helfen“, sagt Prof. Dr. med. Hans-Wolfgang Menges (Spell) voller Überzeugung. Er ist einer der 13 Künstler, die 14 Ideen in der Burg-Galerie präsentieren. „Wir sind davon überzeugt, dass Kunst sowohl wirken als auch vielerlei bewirken kann“, erklärt Prof. Dr. Dieter Alexander Boeminghaus.

Zum Beispiel könne sie als Ablenkung kranken Menschen helfen, wenn diese sich geistig und seelisch mit Kunst beschäftigen, die Gesundung beschleunigen oder Wartezeiten verkürzen, erläutert der „Artibus“-Kurator. So richte sich die am Sonntag beginnende Ausstellung an Kunstfreunde, aber auch an Krankenhäuser und Arztpraxen. „Das Bethlehem Gesundheitszentrum und die Stolberger Tagesklinik des Alexianer-Krankenhauses haben bereits Interesse an den Ideen bekundet, und auch ein Krankenhaus in Neuwied entsendet Vertreter zur Ausstellungseröffnung“, freut sich Boeminghaus.

Die Konzepte sind gleichermaßen künstlerisch und praktisch. So präsentiert Gudrun Engelke die Idee vom „guten Untergrund“: Patienten erhalten bei ihrer Einlieferung ein farbenfrohes, laminiertes Kunst-Set als Unterlage zum Essen und Trinken, Lesen und Schreiben. Heinz Sand nimmt sich dem Thema „Kunst auf der Geburtsstation“ an. Seine Bilder beinhalten Glück, Zuversicht und Geborgenheit und spiegeln so die Freude über die bevorstehende Geburt wider.

Abteilungen und Tageskliniken, in denen Menschen mit psychischen Erkrankungen geholfen wird, empfiehlt Marie Madeleine Bellenger ihre Werke. Von ihren Bildern gehen positive Impulse aus. Sie drängen sich aber nicht in der Vordergrund, stören die Behandlung nicht. An Türrahmen, Lichtschaltern und Kacheln im sanitären Bereich kann Manfred Förster, dessen Cartoons unsere „Artibus“-Berichte bereichern, sich seine Zeichnungen vorstellen. Kleine Vignetten mit freundlichen Gesichtern und liebevollen Gesten könnten Patienten an ungewöhnlichen Stellen begegnen, ihnen Mut machen, sie aufheitern. Für Krankenhausflure haben Hans-Werner Berretz und Peter Stollenwerk, Redakteur unserer Zeitung, eine Konzeption erarbeitet.

Tristesse der Flure aufbrechen

Berretz‘ abstrakte Malerei und Stollenwerks fotografische Darstellungen sollen im rhythmischen Wechsel ausgestellt einerseits die Tristesse der Flure aufbrechen, andererseits die Bewegung der Patienten nicht unterbrechen, sondern vielmehr das Fortschreiten fördern. „Wenn alle warten“, heißt das Thema von Ales Vega. Seine Fotokunst kann wartende Patienten in eine Bilderwelt versinken lassen: Schöne Landschaften, Menschen in Bewegung, Ufer, Himmel und Wasser geben sich auf den ersten Blick eben nicht ganz zu erkennen, Unerwartetes tritt erst nach einer Weile der Betrachtung in den Vordergrund, so dass das Warten kurzweiliger wird.

In Treppenhäusern können die Werke von Menges (Spell) regelrecht anziehen. Die Bilder sind nicht zu großformatig, aber von der ersten Treppenstufe an im Fokus des Betrachters. Eine langsame stufenweise Annäherung findet statt, die Neugierde wächst, und erst am Ende der Treppe entfalten die Bilder ihre ganze Kraft, quasi als Belohnung für den Aufstieg.

Fahrstühle in Kliniken und medizinischen Zentren sollen Patienten und Besucher „mit offenen Armen“ empfangen, wenn es nach Holger Klein und Rainer Sauerbier geht, deren Kunstwerke den Menschen auf jeder Etage beim Öffnen von Aufzugtüren entgegenstrahlen können. Mit verrückten Sprüchen und lustigen Schüttelreimen will der Wortkünstler Prof. Michael Grade die Genesung fördern, indem er das Schmunzeln langsam zurückkehren lässt.

„Artibus“-Kurator Boeminghaus hat „tägliche Texte“ unter dem Motto „Lesen statt warten“ in einem speziellen Format vorbereitet und will zusammen mit Peter Henn ein „Zeichen für die Kunst im Krankenhaus“ in Form einer großen Skulptur im Außenbereich von Kliniken setzen.

„Krank sein und Gebet“ sowie „Kunst im Krankenzimmer“ sind weitere konzeptionelle Kunstansätze der Ausstellung „Stolberg erwartet mehr“, und es wird ein Wiedersehen mit dem „Dingsbums“ geben: Der weiterentwickelte Servicewagen für Kinder wurde als Prototyp vor rund zehn Jahren bereits in einer Klinik erprobt – in Stolberg.

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