Mai-Kundgebung auf dem Kaiserplatz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Von: Dirk Müller
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Peter Alt (v.l.), Helmut Wirtz, Patrick Haas und Stefan Kämmerling gestalten mit ihren Reden den politischen Teil des Maifestes. Foto: D. Müller

Stolberg. Traditionell haben die Stolberger SPD und die Industriegewerkschaften Metall und Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) auf dem Kaiserplatz den Tag der Arbeit gefeiert. Für den 1. Bevollmächtigten der IG Metall war es ein historischer Moment in mehrfacher Hinsicht.

Auf den Tag genau vor 44 Jahren begann Helmut Wirtz seine Laufbahn in der Gewerkschaft. Ein Vierteljahrhundert stand Wirtz an der Spitze der IG Metall im Altkreis Aachen. Am 1. Mai 2015 hielt er in Stolberg seine letzte Rede am Tag der Arbeit, da er am 1. Juli in den Ruhestand gehen wird. Wirtz erinnerte an mehrere bedeutsame Ereignisse: Vor 125 Jahren hatten Arbeiter erstmals den 1. Mai gefeiert, vor 70 Jahren – bereits kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs – fand eine Versammlung von Gewerkschaftern statt, um die erste Ortsgruppe Stolberg im DGB zu gründen.

Die Gründungsversammlung erfolgte am 8. April 1945 mit 95 Anwesenden im Stolberger Ratssaal. Aber auch auf die jüngste Vergangenheit blickte der scheidende Bevollmächtigte der IG Metall zurück: „Wir haben in den vergangenen Monaten unseren Anteil dazu geleistet, dass es in diesem Land gerechter zugeht. Zum Beispiel mit unseren Tarifverträgen“, sagte Wirtz. Die Gewerkschaft habe die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie erfolgreich abgeschlossen und sei mit ihren Forderungen nach Verbesserung der Einkommen, der Alters- und der Bildungsteilzeit „durchs Ziel gegangen“.

Wirtz schloss seine letzte Mai-Rede mit einem Thema ab, das ihm seit Beginn seiner Tätigkeit bei der IG Metall sehr am Herzen liege: „Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz. Ich bin froh und auch ein bisschen Stolz, das wir alle gemeinsam geschafft haben, dass diese fürchterlichen Aufmärsche der braunen Sumpfer nicht mehr hier in Stolberg stattfinden.“

Peter Alt von der IG BCE und der SPD-Landtagsabgeordnete, Stefan Kämmerling, widmeten sich in ihren Beiträgen unter anderem Themen wie Mindestlohn und Klimaschutz. Alt betonte, der gesetzliche Mindestlohn sei seit langem eine Forderung der Gewerkschaften.

Die SPD habe gegen den Widerstand von konservativen und neoliberalen Ideologen mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ein zentrales Wahlversprechen umgesetzt, erklärte Kämmerling, und „denjenigen, die meinen, Politik müsse ihnen Möglichkeiten schaffen, den Mindestlohn zu umgehen, sage ich: Ihr könnt euch auf den Kopf stellen. Am Mindestlohn wird nicht gerüttelt“. Kämmerling versicherte, die SPD werde eine gesetzliche Regelung auf den Weg bringen, die zu mehr Entgeltgleichheit in den Betrieben führen solle. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ müsse sowohl für Frauen als auch für Leiharbeiter nach spätestens neun Monaten der Entleihung gelten. Alt sagte, dass die Gewerkschaften den Klimaschutz befürworten würden: „Politik für die Energiewende ist notwendig und richtig. Allerdings ist in den vergangenen Jahren nicht alles richtig durchdacht worden.“ Hinsichtlich der Thematik Braunkohle mahnte er, den Strukturwandel sinnvoll zu gestalten und im Industriestandort Nordrhein-Westfalen nicht tausende Arbeitsplätze zu gefährden. Kämmerling stimmte zu und warnte vor einem „sozialen Blackout“ im rheinischen Revier.

Der Stolberger Stadtverbandsvorsitzende der SPD Patrick Haas zog aus den Reden das Fazit: „Die Gewerkschaften und die Sozialdemokraten sind wieder näher zusammengerückt. Das zeigen wir heute hier im Schulterschluss, und das ist auch gut so.“ Haas führte auch durch das abwechslungsreiche Rahmenprogramm des Festes auf dem Kaiserplatz. Für die Kinder gab es Hüpfburg, Karussell, Minibagger und verschiedene Aktionen, und das Bühnenprogramm aus Livemusik und Tänzen unterhielt Groß und Klein bei Speisen und Getränken.

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