Mäurer & Wirtz „Wir wollen die Welt schöner duften lassen”

Von: Jürgen lange
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Von Babor zurück zu Mäurer &
Von Babor zurück zu Mäurer & Wirtz: Thomas Seeger-Gelbach setzt als Geschäftsführer auf Spaß an der Arbeit. Foto: H. EIsenmenger

Stolberg. Seit wenigen Wochen hat Thomas Seeger-Helbach das neue Büro des Geschäftsführers von Mäurer & Wirtz im Südflügel des Firmenareals im früheren Dollgarten bezogen. Mit Schreibtisch, Sideboard und Besprechungstisch ist es eher funktional eingerichtet.

Der Blick aus dem Fenster geht hinaus auf einen kleinen Baumbestand. Durch das geöffnete Fenster weht sanft der Duft des beginnenden Herbstes herein.

Er inspiriert den diplomierten Volkswirt ebenso wie die drei großformatigen Kunstwerke an der gegenüber liegenden Wand - deutlich in Muster und Farben aufeinander abgestimmt, aber keineswegs grell. Der 48-jährige trägt einen taillierten Anzug in Anthrazit, weißes Hemd und eine in Grautönen mit einem magentafarbenen Streifen in Tartan gemusterte Krawatte. Unverkennbar ist Thomas Seeger-Helbach ein Mann, der geschmackvolle Dinge im Leben zu schätzen weiß.

„Wir wollen die Welt schöner riechen lassen”, sagt Thomas Seeger-Helbach. Nicht nur neue Düfte, sondern Träume will der neue Geschäftsführer von Mäurer & Wirtz schaffen und natürlich verkaufen. Sicher bewegt er sich zwischen inspirierenden Parfümkreationen, strategischen Marketingkonzepten und eher nüchternen Zahlen. Es sind Welten, die er zu einem erfolgreichen Weg für eines der führenden Dufthäuser Europas verknüpfen muss und will.

Dabei kennzeichnen diese Welten schon seinen Lebenslauf. „Ich bin mit Düften groß geworden”, schmunzelt Thomas Seeger-Helbach. Seine Eltern betrieben in Düsseldorf eine Drogerie, in der er schon ungeachtet der späteren Karriere bei Mäurer & Wirtz mit Tabac Original und 4711 spielte, Düfte und Kosmetik kennen und schätzen lernte. In Bonn verbringt er die Jugend, nach dem Abitur führt ihn der Wehrdienst zur Luftwaffe auf Sardinien. Dort genießt Seeger-Helbach nicht nur sardische Küche und Lebensfreude, sondern er kümmert sich auch schon um Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen des Nato-Stützpunktes, arbeitet mit bei einer Tageszeitung und beginnt ökonomische Studien.

Dozent auf Schloss Gracht

Diese setzt er mit einem Volkswirtschaftsstudium an der Bonner Friedrich-Wilhelms-Universität fort, nutzt die Semesterferien für Auslandsreisen und lernt Südamerika während eines neunmonatigen Praktikums in Buenos Aires kennen. „Das war schon eine tolle Zeit”, erinnert sich Seeger-Helbach gerne, der nach dem Diplom als Assistent am Lehrstuhl für Betriebswirtschaft bleibt, sich fortbildet und Kontakte knüpft zum Top-Management als Dozent im „Universitätsseminar der Wirtschaft” auf Schloss Gracht in Erftstadt. Nach zweieinhalb Jahren fällt die Entscheidung, in die Wirtschaft zu wechseln. „Zu der habe ich mehr Affinität als zur Forschung”, bilanziert Seeger-Helbach.

Spannende Zeit bei Babor

1996 führt ihn der Weg direkt zu Mäurer & Wirtz. Zuerst als nationaler, dann als internationaler Key Account Manager betreut er wichtige Kunden in aller Welt. Da kommen ihm seine Auslandserfahrungen schon zu Nutze. Von 2000 an verantwortet er bereits als Direktor für Marketing und neue Geschäftsfelder das gesamte Markenportfolio. Dann lockt 2011 eine neue Herausforderung beim Kosmetik-Hersteller Babor. Mit der neu geschaffenen Position für die Bereiche Produktmanagement, Kommunikation und Public Relations übernimmt Seeger-Helbach die strategische Markenführung des Aachener Labels.

„Das war eine spannende Zeit”, sagt der Marketingspezialist heute. Er macht sich vertraut mit komplexen Wirkstoffen wie psychologischen Effekten von Kosmetik und ihrem vielfältigen Pflegecharakter. Und er weiß in Aachen wie in Stolberg den Charakter eines Familienunternehmens zu schätzen. Da fällt es ihm nicht schwer, nach eineinhalb Jahren dem Ruf zurück nach Stolberg auf den vakanten Posten des Geschäftsführers von Mäurer & Wirtz zu folgen. „Wir haben einen vertrauten und im Unternehmen allseits beliebten Freund unseres Hauses zurückgewonnen”, freut sich Dr. Hermann Wirtz. Der geschäftsführende Gesellschafter ist sich sicher, dass Thomas Seeger-Helbach der „geeignete Mann ist, um mit uns den eingeschlagenen strategischen Weg konsequent weiter zu verfolgen”.

Die erfolgte Umstrukturierung in die drei strategische Einheiten „4711”, „Prestige” und „Beauty”, die konsequente internationale Ausrichtung und die erfolgreiche Platzierung neuer Marken sind der richtige Weg, bestätigt Thomas Seeger-Helbach. Der Markt ist umkämpft. Die Einführung neuer Marken steigt von Jahr zu Jahr an.

Da müssen für ein Label die Duftnoten sorgsam kreiert, das Marketing detailliert geplant und das Produkt gezielt begleitet und liebevoll betreut werden, soll es die Gunst der Kunden gewinnen und am Markt bestehen können. „Wir verkaufen nicht nur einen Duft, sondern Träume”, betont der Geschäftsführer nochmals.

Der Duft ist ein Kind, auf das Thomas Seeger-Helbach stolz ist, dokumentiert die neue Note doch die zurückkehrende Präsens der Stolberger im noblen Premium-Segment. Das ist international ausgerichtet. Nicht nur in Europa, in Russland und in den USA ist das Label ebenso gefragt wie in Asien, wo man schon im Mai auf der Messe in Singapur „Secret Mission” schnuppern konnte. Auf dem internationalen Markt sieht Thomas Seeger-Helbach weiteres Potenzial für die Klassiker des Hauses.

Der erste Unisex-Duft

4711, jüngst mit der Acqua-Colonia-Note „Mandarine & Cardamom” und zum traditionsreichen Datum 4.7.11 mit der neuen Linie „Nouveau Cologne” bereichert, erobert ebenso neue Kundensegmente wie „Tabac Original”. Und die jungen Käufer kommen, sagt der Geschäftsführer. Es sind Duft-Klassiker, die in Zeiten des steten Wandels und immer neuer Produkte bestehen. „Sie stehen für Ehrlichkeit, Qualität und Beständigkeit”, erinnert sich Thomas Seeger-Helbach auch an die eigene Kindheit. „Es sind vertraute Duftnoten, die man mit positiven Erinnerungen verbindet.”

Die Kompositionen sind zeitlos, appellieren beispielsweise bei Tabac an archaische Werte von kultivierter Männlichkeit und klassischer Eleganz. „Seit 1959 rangiert Tabac Original auch in Deutschland immer unter den Top 5 der Verkaufslisten”, markiert der Geschäftsführer den kontinuierlichen Erfolg des Stolberger Duftes. „Es ist immer nur eine Frage, wie man ihn zeitgemäß am Markt inszeniert”. Es ist die Aufgabe der Marketingexperten, das Bedürfnis nach einem Duft mit Produktdesign und Werbung wach zu halten.

Wegweisend in der Branche ist dabei seit 220 Jahren 4711. „Dieses Kölnisch Wasser ist nicht nur der erste Unisex-Duft, sondern wohl auch das erste Produkt mit einem Marketingkonzept”, sagt Seeger-Helbach. Eine Hausnummer wird seit Ende des 18. Jahrhunderts als Marke genutzt, die Molanus-Flasche wird achteckig als Werbeträger für Etiketten entworfen, während andere Duftwässer noch in runden Reagenzgläsern abgefüllt werden - „und dieses Produkt in unserem Hause zu wissen, ist für einen Marketing-Menschen wie ein Ritterschlag”.

Ein erfrischender übrigens, den der Geschäftsführer auch selbst gelegentlich nutzt. Bis ein weiterer Prestige-Duft auf den Markt kommt, der zu „einem gesunden Wachstum” von Mäurer & Wirtz beitragen soll, muss man sich noch etwas gedulden. Das Label „Windsor”, das die Stolberger für das gleichnamige renommierte Modeunternehmen komponieren, ist noch in seiner Schöpfungsphase.

„Glaubwürdigkeit, Konsistenz und Kontinuität” machen für Thomas Seeger-Helbach nicht nur klassische Duftnoten aus, sondern sie prägen für ihn auch den Geist des Familienunternehmens, das bei „gesundem Wachstum” rund 360 Mitarbeiter am Standort in Stolberg beschäftigt. „Mäurer & Wirtz soll der attraktive Arbeitgeber in der Region bleiben”, setzt Seeger-Helbach auf Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber. „Wer hier arbeitet, soll auch Spaß an der Arbeit haben, denn es sind die Menschen in einem Unternehmen, die es gemeinsam zum Erfolg führen”.

„Glücklich in der Eifel”

Dabei bietet gerade ein Familienunternehmen die richtige Mischung aus Dynamik und Kontinuität, die Unabhängigkeit, Entscheidungen zu treffen und sie flexibel umzusetzen sowie einen menschlichen und persönlichen Umgang. „Das Thema Arbeitsklima in einem Unternehmen ist für seine Leistungsfähigkeit viel wichtiger als die Frage nach einem schicken Standort”, unterstreicht Thomas Seeger-Helbach das Bekenntnis des Familienunternehmens Mäurer & Wirtz zum Standort Stolberg und der Region.

Und in der ist der 48-Jährige längst heimisch geworden. „Ich lebe glücklich in der Eifel”, bekennt der gebürtige Düsseldorfer. Und wenn er im Nationalpark wandert, auf dem Rursee segelt oder an seinem Ufer entlang joggt, dann bietet der Duft der Natur für den viel beschäftigten Geschäftsführer nicht nur Erholung, sondern auch Inspiration - wer weiß, vielleicht auch einmal für eine neue Duftnote.
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