LVR dreht Zinkhütter Hof Geldhahn ab

Von: Michael Grobusch
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Große Buchstaben weisen seit einigen Tagen auf den Zinkhütter Hof hin. Wie es mit diesem weitergehen wird, ist derweil ungewiss. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Er gilt neben der Burg als das Aushängeschild Stolbergs, hat sich rasant entwickelt und weit über die Region hinaus etabliert. Was wäre die Kupferstadt ohne den Zinkhütter Hof? Was bis dato eher als Ausruf oder maximal als rhetorische Frage galt, erfährt jetzt einen Bedeutungswandel. Denn plötzlich steht das Industriemuseum vor bis dato ungeahnten Problemen.

Dafür sorgt ausgerechnet der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der den Zinkhütter Hof 2008 in sein Förderprogramm aufgenommen und seitdem zwei Drittel des jährlichen Defizits übernommen hat.

Für 2008 wurden 120.000 Euro von Köln nach Stolberg überwiesen, 2009 waren es 141.000 Euro, und für dieses Jahr sind 143.000 Euro vorgesehen.

Damit aber soll jetzt Schluss sein. „Der LVR hat den Vertrag mit dem Museum zum 31. Dezember 2010 gekündigt”, hat Bürgermeister Ferdi Gatzweiler am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Hintergrund sei der beim Landschaftsverband verordnete Konsolidierungskurs, zu dem jedes Ressort einen Beitrag leisten müsse.

Das allerdings sieht der LVR anders. Nach Aussage von Pressesprecherin Birgit Ströter sah sich der Landschaftsausschuss in erster Linie durch die Stolberger Forderung nach einer Erhöhung des Betriebskostenzuschusses zu der Kündigung veranlasst.

Für das Museum und den Museumsverein, der mit Hilfe von Sponsoren und der Erträge aus der eigenen Stiftung die Trägerschaft und den Betrieb gewährleistet, ist das unabhängig von der Ursache eine Hiobsbotschaft.

Sie hat für rege Betriebsamkeit an der Cockerillstraße gesorgt. Bereits am Donnerstag wird es in Köln ein erstes Gespräch mit Vertretern des LVR geben.

Dann will der Museumsverein mit der Vorlage eines eilig aufgestellten Konzeptes unter Beweis stellen, dass er zu weiteren Anstrengungen bereit ist, um das jährliche Defizit zu reduzieren.

Eintritts- und Vermietungspreise

„In erster Linie geht es um die Gestaltung der Eintritts- und Vermietungspreise”, erklärt Ferdi Gatzweiler, der zugleich klarstellt: „Im pädagogischen Bereich sehe ich keine Einsparpotenziale. An das ohnehin schon wenige Personal, das im Museum beschäftigt ist, können wir nicht herangehen, ohne einen erheblichen qualitativen Verlust zu riskieren.”

Gerade die Qualität der Arbeit hatte den LVR im Jahr 2008 nach eigener Aussage dazu bewogen, den Zinkhütter Hof in sein „Netzwerk Industriekultur” aufzunehmen.

Und nicht nur das: Verbunden mit der zugesagten Förderung war auch die Option, das Museum mittelfristig zu übernehmen. Ob die mit der Kündigung des Vertrages ihre Gültigkeit verliert, ist ungewiss.

Ungewiss wie die Zukunft des Museums, die Ferdi Gatzweiler möglichst bald sicherstellen will. „Positiv ist, dass der LVR bereit ist, mit uns über neue Konzepte für den Zinkhütter Hof zu sprechen”, behält der Bürgermeister die Ruhe.

Gleichwohl drückt er aufs Tempo: „Ich gehe davon aus, dass wir nach der Sommerpause zügig eine Lösung präsentieren können. Ansonsten würde ein vertragsloser Zustand drohen. Und das wäre für das Industriemuseum eine Katastrophe.”

Die Hoffnung nährt auch Birgit Ströter: „Erklärte Absicht unseres Hauses ist eine neue Vereinbarung, die nahtlos in Kraft treten kann.”
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