Luxus-Hotel für Insekten im Wald eröffnet

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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„Hotel de luxe“ im Zweifaller Forst: Stefan Solm, Max Effenberg und Michael Brauers (von links) haben dieses riesige Insektenhotel während ihrer Ausbildung gebaut. Auf dem Bild fehlt die Auszubildende Maike Legerlotz. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Zweifall. „Klopf mal an und sag, dass der Möbeldienst da ist!“ Stefan Solm, Max Effenberg und Michael Brauers gehen näher ran, inspizieren die Löcher in den Baumscheiben. „Das war vorher noch nicht“, sagt Stefan, streicht mit dem Finger durch feine Holzspäne. Die ersten Gäste haben es sich offensichtlich schon bequem gemacht.

Check-In für Schlupfwespen, Wildbienen, kleine Echsen, Spinnen, Ohrenkneifer, Kellerasseln, Marienkäfer sowie andere Krabbler und Summer. Eine Unterkunft mit mehreren Tausend Zimmern und de-luxe-Ausstattung hat jetzt seine Pforten im Zweifaller Forst geöffnet: das Insektenhotel. Auch wenn es nicht amtlich ist und es keinen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde gibt, so ist das neue Insektenhotel mit seinen fünf Metern Breite und guten zwei Metern Höhe mit ziemlicher Sicherheit das größte seiner Art weltweit.

Größtes Krabbler-Quartier

Davon sind jedenfalls seine „Macher“ überzeugt: Maike Legerlotz, Max Effenberg, Stefan Solm und Michael Brauers haben die neue Heimat für Insekten gebaut. „Gut 250 Arbeitsstunden haben sie dafür benötigt“, weiß Freddy Koll. Er ist Ausbildungsleiter der jungen Leute. Zwei von ihnen, Max und Stefan, haben gerade ihre Abschlussprüfung hinter sich gebracht und dürfen sich nun Forstwirte nennen. „Mit den Noten 1,3 und 1,7“, sagt Koll nicht ohne Stolz. Maike und Michael haben noch ein Jahr vor sich.

Während ihrer Ausbildung haben die vier jungen Leute das stattliche Insektenhotel gebaut, immer dann, wenn „gerade Leerlauf oder schlechtes Wetter war“, wie sie sagen. Ob das in letzter Zeit häufig vorkommende schlechte Wetter oder eher der sportliche Eifer ausschlaggebend waren für die enorme Größe, ist zwar nicht bekannt, aber es wird wohl eher Letzeres gewesen sein. Denn in „größer“ und „länger“ als normal sind die Forstleute, die ihre Ausbildung beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW absolvieren, sehr gut. 2010 erst hatte eine Gruppe Azubis die längste Bank mit Rückenlehne errichtet, ein Jahr zuvor hatten angehende Forstwirte eine barrierefreie Brücke zum Seerosenteich inmitten des Waldes am Solchbachtal gebaut. Das Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde ist für die Städteregion zuständig, und hier ist auch das 2000 Hektar große Revier des Forstbetriebsbezirks Zweifall, das die Azubis „beackern“.

Stroh, Moos, Tannenzapfen, Laub, Rindenmulch, Schilf, Lehm und Steine haben sie als Interieur für das nach Süden ausgerichtete Hotel zusammengestellt und somit für jedes hier vorkommende Insekt Lebensraum geschaffen. Als Ständerwerk dienen Douglasien, „die wir selber gehauen, im Sägewerk geschnitten und dann weiter verarbeitet haben“, berichtet Max. Auch das Dach besteht aus Douglasie, „weil es ein langlebiges und wetterfestes Holz ist“, weiß Stefan. Das ganze Material stammt aus dem Revier von Förster Uwe Melchior. In den Steinen vor dem Hotel, das die Gruppe mit Hilfe von Freddy Koll und Theo Rütgers aus einem alten Steinbruch geholt haben, werden es sich vor allem Spinnen und Echsen gemütlich machen. Das Insektenhotel ist in erster Linie ein Winterquartier für die kleinen Krabbler, die jetzt ganz groß rauskommen. Denn deren neue Heimat ist auch das neueste Element des Waldlehrpfades, „und es sind schon jetzt viele Waldbesucher stehen geblieben, um sich das genau anzuschauen“, freut sich Michael.

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