Lokaler Einzelhandel: Gutscheine gegen die Konkurrenz im Internet

Von: Annika Kasties
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Leerstand am Steinweg: Viel inhabergeführten Einzelhandel gibt es in Stolberg nicht mehr. Die wenigen Händler, die zurückbleiben, müssen vor allem versuchen, gegen die Konkurrenz aus dem Internet zu bestehen. Foto: A. Kasties
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Will das Thema am Samstag bei der Klausurtagung der Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg besprechen: Vorstandsmitglied Bettina Breuer.

Stolberg. Die Anforderungen an den lokalen Einzelhandel steigen: Die persönliche Beratung und ein wohlüberlegtes Sortiment reichen nicht mehr aus, um Kundschaft anzulocken. In Zeiten, in denen es viele Verbraucher bevorzugen, den neuen Bestseller oder den Wollpullover mit ein paar Klicks im Internet zu bestellen, ist auch noch Kreativität gefragt.

Die Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg (SMS) lässt sich beim Anpacken dieser Herausforderung gerne inspirieren, zum Beispiel von den Kollegen aus Jülich. Die haben nämlich derzeit gut lachen. Innerhalb von zwei Monaten hat der lokale Handel einen Umsatz von 50.000 Euro erwirtschaftet. Und das allein durch Geschenkgutscheine.

Eine einfache Idee

Die Idee ist simpel: An zentralen Verkaufsstellen der Stadt können Verbraucher Warengutscheine im Wert von 5 bis 50 Euro kaufen. Einzulösen sind diese in allen teilnehmenden Geschäften in Jülich. Das waren zum Jahresende fast 100 Geschäfte. „Ziel ist, dass das Geld in Jülich bleibt und die Leute keine Amazon-Gutscheine kaufen“, erklärt Ute Werner, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Jülich, die die Coupons ins Leben gerufen hat, auf Anfrage unserer Zeitung. Zum Weihnachtsfest hätten gerade auch Firmen auf das Angebot zurückgegriffen und die Gutscheine im Scheckkartenformat ihren Beschäftigen geschenkt.

Dieses Konzept kann sich SMS-Vorstandsmitglied Barbara Breuer durchaus auch für Stolberg vorstellen. Im SMS-Vorstand sei das Beispiel aus Jülich bereits zur Sprache gekommen. Diesen Samstag soll es im Rahmen einer Klausurtagung ausführlich besprochen werden. So einfach wie die Idee selbst sei deren Umsetzung nämlich nicht. „Da sind viele Bretter zu bohren“, sagt Breuer. Deshalb müsse zunächst geklärt werden, wie groß das Interesse der lokalen Händler an der Gutscheinaktion überhaupt sei.

Holger Leisten von Deko Leufgens hält das Jülicher Konzept jedenfalls für eine „gute Idee“. „Wenn Gutscheine nicht geschäftsgebunden sind, fällt es sicherlich vielen Kunden leichter, einzukaufen.“ Auch Bettina Krüpes Bauchgefühl zeigt für die Gutscheinaktion viel Zustimmung. „Gerade vor Weihnachten und der Erstkommunion ist ein Gutschein für viele Kunden eine dankbare Alternative“, sagt die Inhaberin der Bücherstube am Rathaus. Und verweist doch auf ein maßgebliches Problem in Stolberg: Viel Einzelhandel gibt es nicht mehr. „Ob wir eine ausreichende Breite an Geschäften zusammenkriegen, die für den Kunden interessant ist, weiß ich nicht.“

Zurückhaltend zeigt sich auch Andreas Kohler vom Modehaus Kohler. „Das ist eine gute Idee, doch sie muss organisiert, eingeführt und forciert werden.“ Die Problematik sieht er angesichts der Struktur des Einzelhandels in Stolberg vor allem darin, alle Händler an einen Tisch zu bekommen und die Aktion dann entsprechend zu vermarkten. Mit der Vermarktung ihrer Waren hätten viele Händler sowieso schon genug um die Ohren, erst recht, wenn diese zunehmend digital erfolgen soll.

Handel in der virtuellen Welt

Das Thema Digitalisierung müssen die Stolberger Händler nämlich weiterhin in Eigenregie anpacken. Im Sommer 2015 hatte der SMS noch gemeinsam mit dem städtischen Wirtschaftsförderungsamt über Pläne für eine gemeinsame Online-Plattform für den Stolberger Einzelhandel berichtet. Auf einer Internet-Seite sollten die Geschäfte sich und ihr Sortiment präsentieren können.

Vorreiter war – erneut – die Stadt Jülich, die Anfang 2014 mit meinjuelich.de online ging. Ein Anbieter hatte das Stolberger Pendant bereits konzipiert. In der praktischen Umsetzung erwies sich die Seite jedoch als zu kompliziert für die einzelnen Händler, teilte Barbara Breuer auf Anfrage mit. „Die Händler haben nicht die Zeit, Stunden vor dem PC zu verbringen“, sagt sie. „Das Hauptgeschäft ist für die meisten nun mal, den Kunden im Geschäft zu bedienen.“

Ein Blick ins Internet zeigt: Nur wenige Einzelhändler in Stolberg versuchen, ihren Handel auch in die virtuelle Welt zu übertragen. Zu den aktiven Teilnehmern bei Facebook gehören zum Beispiel das Modegeschäft Zwopunktnull und der Raumausstatter Leufgens. Das Projekt der „verlängerten Ladentheke“ beansprucht auch viel von Andreas und Barbara Kohlers Zeit. Insbesondere bei Facebook sind die Händler mit ihrem Modehaus aktiv.

„Die Verwaltung von mehreren Kanälen ist viel Arbeit“, sagt Andreas Kohler. Doch um mit der großen Konkurrenz aus dem Internet mithalten zu können, müsse man nun mal immer wieder kreativ werden.

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