Linnéa Gonschorek hilft verstoßenen Kindern in Ghana

Von: Annika Kasties
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Bescheidene Arbeitsbedingungen: Kinderkrankenschwester Linnéa Gonschorek wird sich in Ghana von sterilen Arbeitsflächen vorerst verabschieden müssen. Foto: A. Kasties

Stolberg. Die Stoffstücke hat Linnéa Gonschorek bereits zusammengenäht. Jetzt fehlt nur noch der Inhalt, um die Kissen für die Kinder in Ghana fertigzustellen. Acht Stück sollen es werden, für jedes Kind eins, in verschiedenen Farben. „Damit sie etwas haben, das nur ihnen gehört“, erklärt die 28-jährige Kinderkrankenschwester.

Persönlichen Besitz haben die Jungen und Mädchen in der gemeinnützigen Einrichtung „Cosmos Center for Children with Special Needs“ (Cosmos Zentrum für Kinder mit besonderen Bedürfnissen) in der Kleinstadt Dormaa Ahenkro kaum. Ihre Familien haben sie verstoßen, weil sie glauben, dass sie das Böse verkörpern. Der Grund: Sie haben eine Behinderung.

Zwei Monate lang wird sich Linnéa Gonschorek im Rahmen der gemeinnützigen Organisation jenen Kindern widmen, die wegen ihrer Beeinträchtigung von ihren Eltern unerwünscht sind. Geld bekommt sie dafür nicht. Um in Ghana helfen zu können, hat sie bei ihrem Arbeitgeber, dem Bethlehem Gesundheitszentrum, unbezahlten Urlaub beantragt. Anfang April steigt sie in den Flieger. Mit im Gepäck werden dann nicht nur die selbst genähten Kissen sein, sondern auch Sachspenden des Bethlehem-Krankenhauses, beispielsweise Wundmaterial, das in Ghana dringend benötigt wird.

Vor einem Jahr erfuhr Gonschorek über eine befreundete Sozialpädagogin von der gemeinnützigen Nicht-Regierungsorganistion. Gegründet von einem schwedisch-ghanaischen Ehepaar, betreut die als NGO klassifizierte Organisation geistig und körperlich behinderte Kinder, die von ihren Familien verstoßen wurden. „Viele Menschen in Ghana glauben noch an Hexerei und denken, dass Menschen mit Behinderung Pech bringen“, erklärt Gonschorek. Die Stigmatisierung gehe mitunter so weit, dass Eltern versuchen ihre Kinder zu töten. Die Folgeschäden durch Ertränkungs- und Vergiftungsversuche durch die Eltern seien mitunter gravierend. Für Gonschorek stand somit schnell fest: Sie will helfen.

Von sterilen Arbeitsflächen und höhenverstellbaren Patientenliegen, wie sie es vom Bethlehem-Krankenhaus gewöhnt ist, wird sie sich in Ghana vorerst verabschieden müssen. So gebe es in der Einrichtung ab 19 Uhr keinen Strom, auch auf fließendes Wasser wird sie verzichten müssen.

Die Arbeitsbedingungen vor Ort sind deutlich bescheidener, ihr Aufgabenbereich umfangreich. Neben der Pflege und Betreuung der Kinder wird die 28-Jährige die Jungen und Mädchen unterrichten. „Diese Kinder wurden nie medizinisch diagnostiziert, geschweige denn gefördert“, sagt Gonschorek. Auch Aufklärungsarbeit will die Kinderkrankenschwester leisten. Unter dem Stichwort „Resozialisierung“ will sie die Kinder aus dem geschützten häuslichen Raum holen, mit ihnen den städtischen Markt besuchen und den Menschen die medizinischen Ursachen von Behinderungen erklären.

Aberglaube verhindert Hilfe

Dabei hofft sie auf bestehende Erfahrungen und Kontakte zurückgreifen zu können. Die ghanaische Kultur ist ihr bekannt. Vor ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester verbrachte sie drei Monate in dem Land und arbeitete im Rahmen eines Freiwilligendienstes in einem Krankenhaus. „Ich will versuchen, vor allem junge Menschen vor Ort zu motivieren, sich für diese und andere verstoßene Kinder einzusetzen.“ Denn bislang hindere der Aberglaube einen Großteil der Menschen vor Ort daran, Kinder mit Behinderung zu akzeptieren. Sie sind somit auf Hilfe und Spenden aus dem Ausland angewiesen.

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