Lieber zum Ballermann als zu den Pharaonen

Von: Mischa Wyboris
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Zentrum des Urlaubsglücks: Im
Zentrum des Urlaubsglücks: Im kommenden Sommer zieht es Kupferstädter Touristen nach Spanien oder in die Türkei, wissen Renate Brandt (links) und Petra Streipert vom „Reisetreff Brandt”. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Der griechische Diplomat macht am Rande des jüngsten EU-Gipfeltreffens in Brüssel keinen Hehl aus seiner Verzweiflung: „Wenn Sie uns wirklich helfen wollen, dann schicken Sie uns Ihre Urlauber.” Doch die sind einige Wochen vor der Hauptsaison in zwei (Ferien-) Lager geteilt: Die einen wittern Schnäppchen in den „Euro-Sünder”-Ländern, die anderen fürchten, genau da „abgezockt” zu werden.

Entsprechend unterschiedliche Urlaubs-Trends verbuchen die Stolberger Reisebüros. „Einige Kunden haben Bedenken, dass sie in Griechenland über den Tisch gezogen werden und wegen der Finanzkrise dort alles teurer ist”, sagt Barbara Hubo, Inhaberin der „Reisewelt Hubo” in Büsbach. „Wir erklären ihnen dann: Wenn alle wegbleiben, wird das Land noch ärmer.”

In der Tat verzeichnen die Hellenen derzeit einen Rückgang der Buchungen um rund fünf Prozent, bei den Bundesbürgern sind es im Vergleich zum Vorjahr ganze 13 Prozent weniger, die ihren Urlaub in Griechenland verbringen wollen. „Die Anfragen für Griechenland gehen zurück”, bestätigt Petra Streipert, Expedientin des Stolberger „Reisetreff Brandt”: „Die Leute haben keine Lust, wegen möglicher neuer Proteste am Flughafen hängenzubleiben.”

Viele Kunden würden bei ihrer Ferienplanung deshalb eher auf Spanien oder die Türkei umsteigen. Sandra Fuß macht unterdessen andere Erfahrungen. „Die Leute sind durch die Staatsverschuldung mancher Urlaubsziele angespornt und spekulieren auf Schnäppchen”, sagt die Leiterin des Reisebüros Amondo in Breinig.

So werde Griechenland nicht viel weniger gebucht als vor der Finanzkrise. Es seien vielmehr die von politischen Umbrüchen gekennzeichneten Länder, denen die Touristen fehlen - etwa Ägypten und Tunesien. „Vor allem Familien haben Angst vor neuen Unruhen und wollen kein Risiko eingehen”, sagt Fuß. Auch die Kunden des „Reisetreff Brandt” verzichten derzeit lieber auf einen Besuch der Pyramiden: „Wir erleben einen Einbruch bei den Buchungen; da will kaum noch jemand hin”, sagt Streipert.

Doch so manche Touristen plagen ganz andere Bedenken: „Die größte Angst, die unsere Kunden haben, ist nicht mehr die vor Unruhen, sondern die Sorge, in einem verwaisten Hotel zu landen und keine Unterhaltung zu finden”, erklärt Hubo. Noch vor dem Sommer spricht sie von einem „sehr unruhigen, lebhaften Jahr” für ihre Branche.

Staatsverschuldung auf der einen Seite, politische Krisen auf der anderen - „wir müssen mehr Beratungsarbeit leisten als noch vor einem Jahr”, erklärt Marie-France Wouters, Leiterin des Reisebüros Braun in Büsbach. Für Tunesien könnten Urlauber laut Wouters derzeit Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent bekommen. Trotzdem: „Wenn wir Ziele wie Tunesien anbieten, stoßen wir auf Skepsis; die Kunden sind vorsichtig geworden.”

Oder aber sie lassen sich nicht beirren. „Jeder hat sein Steckenpferd. Wer nach Portugal oder Griechenland will, wird sich von der Verschuldung nicht beeindrucken lassen”, sagt Helmut Haas, Geschäftsführer der Stolberger „Haas Reisen GmbH”. So steht beispielsweise Mallorca bei den Touristen aus der Kupferstadt nach wie vor hoch im Kurs, auch wenn Spanien immer wieder mit „Euro-Sündern” wie Griechenland, Portugal und Irland in einem Atemzug genannt wird.

Dass sich Urlauber bei der Planung ihres Reiseziels von Hilferufen finanzschwacher Nationen beeinflussen lassen, bezweifelt Sa­brina Lehnen. „Beim Urlaub gehts um Emotionen und nicht darum, wie und ob man helfen kann”, sagt die Inhaberin des „Touristik-Center Ring” in Breinig. Zumindest für ihren Kundenstamm stellt sie eine Entwicklung fest, die auch dem griechischen Diplomaten Mut machen dürfte: „Für die kommende Hauptsaison gibt es ein Buchungsaufkommen wie seit zwei Jahren nicht mehr - die Leute wollen weg.”
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