Lieber in den Wald als in den Vergnügungspark

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
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Kindern die Natur näherbringen und die großen Zusammenhänge zeigen - darum geht es dem Verein „ Arbeitsgemeinschaft Bildung für nachhaltige Entwicklung”, in dem auch die Umweltpädagogin Petra Röllicke mitwirkt.

Stolberg. Manche Kinder können eine Buchecker nicht von einer Eichel unterscheiden. Ist das schlimm? Nein. Aber das Weltbild, aus dem heraus solches Nicht-Wissen zum Normalfall wird, das findet Petra Röllicke schon schlimm.

Die Eschweiler Diplom-Naturführerin und Umweltpädagogin hat jetzt gemeinsam mit Freunden aus Stolberg und dem Dürener Raum einen Verein gegründet, der Kindern und Erwachsenen das Wissen um natürliche Zusammenhänge nahe bringen soll, die „Arbeitsgemeinschaft Bildung für nachhaltige Entwicklung”, abgekürzt „Bine”.

„Perverses Beispiel”

Dem Verein geht es nicht nur um den Unterschied zwischen Bucheckern und Eicheln. Sondern um das Verstehen der großen Zusammenhänge in Natur und Gesellschaft. „Es geht mir um das Dreieck Ökonomie, Ökologie, Soziales”, sagt Petra Röllicke. Dass Kinder verstehen, wie diese drei Bereiche zusammenwirken und in Einklang zu bringen sind. Und was da schief läuft in der Welt.

Ein Beispiel (sie nennt es ein „perverses Beispiel”): Da wird tausende Kilometer von uns entfernt der unwiederbringliche Regenwald abgeholzt und auf den Flächen Soja angebaut, den dann hier in Deutschland Hühner fressen, in riesigen Mastfabriken. Damit wir dann in Supermärkten billige Hähnchen kaufen.

Bei den Waldausflügen mit Kindern, die der Verein demnächst anbietet, werden aber nicht weltwirtschaftliche Zusammenhänge gebüffelt. Da geht es zunächst einfach darum, Natur zu spüren und zu begreifen, auch ganz wörtlich zu begreifen, nämlich anzufassen. Regenwürmer zu sehen und zu lernen, wofür sie wichtig sind.

Es geht um einfache Handwerkstechniken wie Filzen und Schnitzen - es gibt Kinder, die nicht einmal wissen, wie man ein Taschenmesser richtig hält.

Auch um soziale Techniken geht es. Wie Kinder lernen, friedlich miteinander zu kommunizieren. „Manche Kinder kommunizieren mit den Fäusten, weil sie es nicht anders gelernt haben.” Soziales Handeln, das Lernen von Solidarität und gemeinsames Lösen von Problemen gehören in dieses Dreieck hinein, das zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Welt beitragen soll.

Kindern die Natur näherbringen - das ist auch beruflich das Ziel der Umweltpädagogin Petra Röllicke. Mit Kindern aus der Grundschule Stadtmitte hat sie einen Schulgarten angelegt, im Brückenkopfpark Jülich macht sie Schulklassen die Natur erfahrbar und begreifbar.

Gelernt hat sie das an der Universität in Rostock, und „ja, Sie können das ruhig fragen, ich bin da mit dem Zug hingefahren, nicht mit dem Auto”. Der jetzt gegründete Verein will für die gleichen Ziele in der Öffentlichkeit Akzeptanz schaffen. „Wir wollen zeigen, wie notwendig es ist, dass auch der einzelne Mensch etwas dafür tut, dass künftige Generationen, aber auch wir selber hier und jetzt auf diesem Planeten gut leben können.”

Der Verein setzt dabei auf Bildungsangebote, die im direkten Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen stattfinden. Also nicht eine Busreise zu einem Vergnügungspark irgendwo im Ruhrgebiet, sondern stattdessen ein Robin-Hood-Waldlager im Eschweiler Stadtwald. Eine solche Walderlebniswoche wird in den Herbstferien erstmals angeboten. Auch eine Apfelsaft-Aktion ist geplant (siehe Box).

Einsetzen will sich der Bine-Verein auch für bezahlbare Bildungsangebote für Schulen, Offene Ganztagsschulen und Kindergärten. Der Vorstand (Vorsitzender Friedrich Maurer aus Stolberg, Schriftführerin Andrea Burggraef aus Kreuzau, Schatzmeister Petra Röllicke aus Eschweiler) hofft auf Spenden, um solche Angebote zu ermöglichen.

Themen sind zum Beispiel „Energiedetektive in der Schule” und Kurse wie „Vom Baum zum Papier” oder „Vom Schaf bis zum Pullover”. Auch einen Filmabend will der Verein anbieten. Da wird dann der Film „Home” von Yann Arthus-Bertrand gezeigt, eine eindrucksvolle Mahnung in wunderschönen Bildern, den gefährdeten Lebensraum dieses Planeten Erde nicht zu zerstören.

Walderlebniswoche in den Herbstferien

In der ersten Woche der Herbstferien bietet der Verein „Bine” eine Walderlebniswoche im Eschweiler Stadtwald an. Kinder ab sechs Jahren werden dort ein Waldlager bauen, etwas über Robin Hood und seine Zeit lernen, sich mit einer Fährtenleserin und einem Tierforscher treffen, sie werden Basteln, Kochen und Abenteuer erleben.

Die Walderlebniswoche dauert vom Montag, 12. Oktober, bis Freitag, 16. Oktober, immer von 11 bis 15 Uhr. Anmeldungen nimmt Petra Röllicke unter 02403/557565 entgegen. Für diese Woche wird ein Kostenbeitrag erhoben.

Beim Erntedankfest in Weisweiler am 4. Oktober bietet der neue Verein eine Apfelsaft-Aktion an. Dazu werden Äpfel von einer Obstwiese gesammelt, gewaschen, zerkleinert und gepresst. Der daraus entstehende Apfelsaft wird auf dem Fest verkauft.
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