Liebe zu Frankreich geht durch den Magen

Von: Johannes Mohren
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Alles ist zubereitet, jetzt ka
Alles ist zubereitet, jetzt kann geschlemmt werden: Die 16 Hobby-Köche freuen sich nach zwei „heißen” Stunden in der Küche auf das gemeinsame Essen. Aus gutem Grund: Denn das normannische Sieben-Gänge-Menü duftet bereits verführerisch. Foto: J. Mohren

Stolberg. „Santé.” Gleich zum Auftakt klirren die Gläser. „Wir würden jetzt in Frankreich einen kleinen Aperitif nehmen”, hat der Burgunder Christian Clément, der seit gut einem Jahr in der Kupferstadt lebt, zuvor von den Bräuchen seiner Heimat erzählt. Und da Einwände ausbleiben, fließt der Wein.

Schließlich soll es an diesem Abend so richtig französisch zugehen. Nicht nur an, sondern auch neben den Töpfen. „Frankreich lebt von der Kultur des Essens”, sagt ein fröhlicher Stefan Schmitz. Der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Stolberg-Valognes geht in Kochschürze glatt als französischer Sternekoch der „haute cuisine” durch.

Der Aperitif ist für ihn und seine Mit-Köche nur eine letzte Verschnaufpause, bevor im Helene-Weber-Haus endgültig der (Koch-)Sturm ausbricht: Mit 16 Teilnehmern an vier Küchenzeilen, die alle eines im Sinn haben: mit viel Freude ein normannisches Sieben-Gänge-Menü zaubern.

Doch was folgt, ist weit mehr als nur ein bisschen Zauberei. Teig wird geknetet, Mixer angeworfen, Speck brutzelt in der Pfanne, Muscheln werden gepult: Es ist eine wahrlich rege Geschäftigkeit. Keiner steht still, alles läuft auf Hochtouren. „Mensch, das ist ja eine echte Küchenschlacht”, staunt Walter Hohl, als er in einem Augenblick der Ruhe das Fenster öffnet und sich einen Moment lang die kalte Abendluft um seine Nase wehen lässt.

Ihm gefällt das aufgeregte Küchenleben sichtlich. Denn die Atmosphäre ist gelöst, Stress verspürt hier niemand. „Für uns ist Kochen keine Arbeit, sondern Spaß”, betont Magdalena Claßen. Sie und ihr Mann Bernd sind nach fast 40 Jahren Ehe auch am Herd ein eingespieltes Team. „Wir kochen gerne zusammen”, erzählt Magdalena. Bernd nickt. Überall wird geredet und gelacht, durcheinander, über Töpfe und Pfannen hinweg. Vereinzelte Tränen passen da eigentlich gar nicht in das fröhliche Bild, doch sie fließen aus einem sehr profanen Grund: Die Zwiebeln für 16 hungrige Gourmets wollen erst einmal gehackt sein...

Zwiebel-Tränen muss Hohl nicht weinen. Er schneidet stattdessen kiloweise Äpfel - und offenbart seiner Frau dabei ganz neue Qualitäten. „Für ihn war es das erste Mal in der Küche, dafür hat er sich ganz tapfer geschlagen”, schmunzelt Gattin Gertrud und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass ich ihn jetzt öfter mal überredet kriege.” Bei diesen Worten lächelt Walter Hohl nur verschmitzt und zeigt seine Finger: „Ich bin doch froh, dass noch alle dran sind”, sagt er in die Runde. Ob er sie noch einmal dem Risiko „Küche” aussetzen will, lässt er vorerst offen.

Beim Anschwitzen der Äpfel kommt Claudia Riepl „Debütant” Hohl zur Hilfe. Sie ist die Leiterin des Kochabends und die Frau, die den Überblick in der wummernden Großküche behält. „Das ist gar kein Problem, wenn man wie heute Leute da hat, die gerne kochen. Sie müssen gar keine Experten sein. Haushaltskochen reicht völlig”, sagt Riepl.

Und schon ist sie wieder weg. Überall, wo Fragen sind, ist sie gleich zur Stelle - nebenbei deckt sie noch den Tisch. Riepl ist die Powerfrau in der Küche, aus der Ruhe bringt sie nichts. Dabei machen es ihr die Hobby-Köche an diesem Abend aber auch leicht, mit viel Können am Herd und eben unbeschreiblich guter Laune. „Wir vertragen uns. Ich gehorche”, witzelt der Vize-Vorsitzende des Komitees, Burghart Klein, der mit der Vize-Vorsitzenden Marieluise Hirsch beim Zubereiten des „Hühnchen normannischer Art” ein kongeniales Duo bildet.

Nach zwei „heißen” Stunden in der Küche ist Schluss, die leichte Erschöpfung, die sich neben Glück in den Gesichtern der Köche spiegelt, ist kein Wunder. Leidenschaftlich ist es am Herd zugegangen. Jetzt sind nicht nur die Erwartungen groß, gleiches gilt auch für den Appetit. „Ich habe vorher extra nichts gegessen”, betont Erika Clément. Die französischen Düfte, die aus Töpfen, Pfannen und Öfen strömen, haben die Küche nach und nach in ein verführerisches „Paradies der Gerüche” verwandelt und lassen nicht nur ihr das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Nun steht der erste Gang auf dem Tisch. „Flamiche au Camembert” mit einem kunstvoll angerichteten Apfel-Speck-Ziegenkäse Türmchen. Es ist der Moment, in dem die Worte enden. Denn das muss man einfach selbst geschmeckt haben.
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