Liebe, Rache, Tod und mehr in der Burg-Galerie

Von: Dirk Müller
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Der Künstler und neue Kurator der Stolberger Artibus-Kunstausstellungen, Rafael Ramírez Máro, transferiert die 1499 von Fernando de Rojas veröffentlichte Tragödie „La Celestina“ eindrucksvoll auf die Leinwand. Foto: D. Müller

Stolberg. Vordergründig ist „La Celestina“ eine Geschichte um Liebe, Rache, Tod und Habsucht. Doch hinter Fernando de Rojas‘ Tragödie von Calisto und Melibea steckt noch viel mehr. Dies wird eindrucksvoll von dem Künstler Rafael Ramírez Máro belegt, dessen Zyklus „La Celestina“, angereichert mit zwei Gemälden von Alejandro Decinti, bei der ersten Artibus-Ausstellung dieses Jahres zu sehen ist.

Auffallend an der Ausstellung: dass die großformatigen Gemälde, die sich über sieben Quadratmeter und mehr erstrecken können, den Betrachter nicht „auf Abstand halten“. Trotz ihrer Größe und ihrer damit verbundenen Wirkung auf Distanz ziehen die Werke an, fordern fast, sie auch aus der Nähe zu erleben.

Ramírez Máro präsentiert in der Burg-Galerie ausdrucksstarke wie atmosphärische Werke. Allen – auch jenen, die teils morbid die Vergänglichkeit thematisieren – ist eine außerordentliche spirituelle Strahlkraft gemein, Menschen und Szenen sind von einer mystisch anmutenden Aura umgeben. Im Prolog der Tragödie heißt es, eine begangene Todsünde ziehe die anderen unweigerlich nach sich. So stellt ein Bild den Beginn der Tragödie dar: Der junge Calisto verliebt sich in die schöne Melibea, die ihm die kalte Schulter zeigt. Ihr Hochmut ist die erste Todsünde.

Ramírez Máros Zyklus mündet in den „Sieben Todsünden“. Einem großen Triptychon mit einer abstrakten spirituellen Mitte und symbolischen Darstellungen der Sünden an den Seiten. „Der christliche Kontext hat den Autor seinerzeit schlichtweg vor der Inquisition bewahrt“, erklärt Ramírez Máro. Dieser finde sich auch in der Hexe Celestina wieder . „Viele ihrer Eigenschaften entsprechen dem ,Hexenhammer‘, den der Dominikaner Heinrich Kramer einige Jahre vor ,La Celestina‘ veröffentlicht hat.“

Doch Celestina ist mehr. Die Hexe ist eine Kupplerin, führt ein kleines Bordell. Sie ist die „Eulenfrau“, die in der Nacht sehen kann und lebt, ist lasziv, manipulativ und intelligent. „Das Besondere und Wegweisende an der Tragödie ist, dass es eine zweite Ebene unter der vordergründigen gibt“, beschreibt Ramírez Máro, warum „La Celestina“ die folgende europäische Literatur maßgeblich beeinflusst hat. Eben diese zweite Ebene lasse sich sehr gut an der Hauptfigur veranschaulichen: „Celestina symbolisiert implizit auch die Außenseiterstellung der damaligen Juden in Spanien ebenso wie die Vorurteile, die ihnen entgegengebracht wurden“, sagt der Künstler.

De Rojas‘ Tragödie hat mehrere Aussagen. Eine davon ist sicher, dass jede Handlung eine Folge nach sich zieht. Damit verwies der Autor schon 1499 darauf, dass der Mensch die Freiheit besitzt, weite Teile seines Schicksals selbst zu bestimmen. Diese Quintessenz war selbstverständlich nur „zwischen den Zeilen“ zu lesen.

Im übertragenden Sinn lädt dazu auch der Zyklus von Ramírez Máro ein: Seine Bilder wollen auch zwischen dem Farbauftrag, zwischen den Pinselstrichen, zwischen Formen und Komposition betrachtet und ergründet werden; sie regen zu intensiven geistigen wie seelischen Dialogen zwischen Kunst und Betrachter an.

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