„Licht - Gedanken“: Eine gelungene künstlerische Mischung

Von: Marie-Luise Otten
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Freuten sich über eine gelungene Ausstellungseröffnung in der Bodega: Christian Clement (Inhaber Bodega, v.l.), Valentina Vlasic (Kunsthistorikerin), Ralf Seeger (Buchautor), Annette Grösgen (Bildhauerin), Johannes Lunenburg (Fotograf), Mathias Selbert (Starkoch) und Lea Brückner (Violinistin). Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Was haben die Stolberger Bildhauerin Annette Grösgen, der in Bedburg-Hau am Niederrhein ansässige Fotograf Johannes Lunenburg und der in Kranenburg an der deutsch-niederländischen Grenze lebende und arbeitende Buchautor Ralf Seeger gemeinsam?

Diese Frage stellte sich die Kunsthistorikerin Valentina Vlasic aus Kleve bei ihrer Einführung zur Ausstellung von modernen Kunstwerken und Schwarz-Weiß-Fotografien in der Bodega Stolberg im Kupferhof Rose. Zur gut besuchten Veranstaltung von Christian Clément gehörten zudem eine Lesung aus der Biographie „Deus iudex meus“von Ralf Seeger sowie Musik und eine Koch-Performance – und das alles zum Thema „Licht – Gedanken“.

„Das Gemeinsame sind die 60er Jahre, in der alle drei Protagonisten geboren wurden“, gab Vlasic selbst die Antwort auf ihre anfängliche Frage. „Es war die Flower-Power-Zeit, die geprägt war von Menschlichkeit, Gemeinschaft, Naturverbundenheit, Konsumkritik, Liebe und Frieden. So sollte der gemeinsame Nenner der drei Künstler Sorglosigkeit und Leichtigkeit sein, was aber keinesfalls zutrifft. Sie sind Autodidakten, die über Umwege in der Kunst das große Glück gefunden haben“, so Valentina Vlasic, die als Mitarbeiterin des Museums Kurhaus Kleve tätig ist.

Während die Stolberger Annette Grösgen in der rückwärtigen Seite der alten Hofanlage moderne und idealisierte Körper aus Blei, Glas und Aachener Blaustein raumgreifend ausgestellt hatte, zeigte Johannes Lunenburg Bilder in klassischer Schwarz-Weiß-Fotografie. Die Fotografie begleitet ihn seit 30 Jahren. Während der Fokus anfangs noch auf Action-Fotografie lag, sind es jetzt mehr die Porträts, die Lunenburg faszinieren. „Seine Motive könnten aus dem vorigen Jahrhundert stammen und erinnern an Künstlerporträts von Willy Maywald, der den Menschen immer in den Mittelpunkt seiner Aufnahmen stellte und der die Ausleuchtung mit Tages- und Kunstlicht perfekt beherrschte. Auch Johannes Lunenburg sei es gelungen, die ästhetischen Seiten der Menschen – hierzu gehören auch die Porträts von Ralf Seeger – ins „rechte Licht“ zu rücken.

Der Knotenpunkt und Netzwerker bei der Ausstellungseröffnung war der durch Film und Fernsehen bekannte Ralf Seeger, zugleich Kampfsportlegende (zweifacher Weltmeister) im Free Fight sowie Boxer und Kickboxer. In seiner Autobiographie „Nur Gott ist mein Richter“ hat er offen seine Vergangenheit geschildert. Seeger kennt beide Seiten des Lebens, die Dunkelheit und das Licht. Der vom Hals bis zu den Füßen tätowierte Schauspieler, Bergsteiger und Lebemann nimmt den Leser mit in eine Kindheit voller Entbehrungen und Verwahrlosung, in eine äußerst schwierige Jugendzeit voller Gewalt, Kriminalität und Gefängnisaufenthalte und auf eine verzweifelte Suche nach Geborgenheit und Akzeptanz. Heute kennt man ihn als Bergsteiger, Personenschützer, gläubigen Christen, Schauspieler und Autodidakten.

Und nach Jahren der Orientierungslosigkeit und Läuterung kümmert sich Seeger so ganz nebenbei auch um gefährdete und straffällig gewordene Jugendliche und hilft ihnen bei der Problembewältigung. „Manche von ihnen brauchen zehn oder 20 Chancen, bis sie die Kurve bekommen“, so der Autor. Es sind ehrliche und aufrichtige Worte in der authentischen Sprache der Straße.

Entstanden ist das Buch in einem Zeitraum von zehn Jahren, denn zum Schreiben habe er gute Zeiten gebraucht. Ralf Seegers größte Leidenschaft ist der Tierschutz. Sein Verein „Helden für Tiere“ unterstützt Tierheime, Gnadenhöfe und Auffangstationen für Tiere in Not. Getreu dem Motto „Jeder Mensch sollte durch sein Leben die Welt ein bisschen besser machen“, setzt er sich für verwahrloste Tiere weltweit ein. Im Fernsehen, wo er in der beliebten Tiersendung „Hundkatzemaus“ (VOX) mit seinen Tierschutzaktivitäten unterwegs war, hat man ihm nun ein eigenes Format gegeben Der Titel der neuen Tierschutz-Doku lautet „Harte Hunde – Ralf Seeger greift ein“.

Seeger ist nicht nur Titelperson, sondern auch Moderator der Sendung. Er kämpft gegen die industrielle Massentierhaltung und protestiert gegen die Tötung von Robbenbabys. Der Vegetarier nutzt Wohltätigkeitsaktionen für seinen Verein, um die Menschen auf das traurige Schicksal vieler Tiere aufmerksam zu machen.

Das Fest der Sinne im Kupferhof Rose wurde indes durch die 17-jährige Violinistin Lea Brückner aus Kevelaer musikalisch begleitet. Die Studentin an der Essener Folkwang Hochschule wusste mit klassischen Stücken von Georg Friedrich Telemann, Jules Massenet, Johann Sebastian Bach und Johannes Brahms ebenso zu begeistern wie mit der „Caprice“ der polnischen Komponistin Grazyna Bacewicz und dem Soundtrack aus „Jurassic Park“.

Für das leibliche Wohl sorgten Meisterkoch Mathias Selbert und sein Assistent Matthias Büttner, Winzer aus Hammelburg. Sie verwöhnten die Gäste mit Ingwer-Karotten-Suppe, frischen Sandwiches und vegetarischen Sushis.

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