Stolberg - Lesung: Das Leben der Stolberger Kupfermeister

Lesung: Das Leben der Stolberger Kupfermeister

Von: Toni Dörflinger
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Jürgen Griesel (links) und Professor Dr. Roland Fuchs (rechts) haben Dr. Gerd Rosenbrock in ihre Mitte genommen, der sie mit seinem 1999 verfassten Buch „Am Baum des Lebens – eine reformierte Gemeinde in Stolberg“ vertraut macht. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Die Kupfermeister scheint in Stolberg jeder zu kennen. Schließlich gibt es über ihre Produktionsanlagen, Wohnsitze und Herstellungsmethoden vielfältige Informationen. Wenig oder gar nicht bekannt ist aber die konkrete Glaubens- und Lebenswelt der Kupfermeister. Dieser Thematik hatte sich jetzt im Torburgmuseum am Luciaweg Dr. Gerd Rosenbrock gewidmet.

Er präsentierte den rund 40 Besuchern einen spannenden Vortrag, der unter dem Thema „Die Kupfermeister und die reformierte Kirche in Stolberg“ stand. Als Einstieg in die bislang eher unbekannte Thematik stellte Rosenbrock die auf dem Kupfermeisterfriedhof an der Finkenbergkirche vorhandene Grabplatte von Isaac Lynen vor. Denn das Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene Monument ist ähnlich wie bei den benachbarten Grabdenkmälern von Symbolen, Schriftfeldern und Wappen gekennzeichnet, die, falls man sie wie der Referent zu deuten weiß, Einblicke in die Glaubenswelt und den Alltag der Kupfermeister vermitteln.

Schließlich sind dort neben Lebensdaten und den Symbolen der Vergänglichkeit wie Totenschädel, Gebein und Sanduhr – ein Kreuz sucht man vergeblich – auch Bibelzitate abgebildet: Zitate, die am Beispiel Lynens der geistigen und spirituellen Lebenswelt gewidmet sind. Auch geben laut Rosenbrock die Daten und Sprüche, die aufwändig gestaltet sind, Aufschluss darüber, was das Leben, Wirken und Handeln der Kupfermeister bestimmt hat.

Diese Angaben nutzte der Experte anschließend, um den Versuch einer Biografie zu unternehmen. Demnach hat Lynen einst als Diakon die Armenkasse der reformierten Gemeinde verwaltet. „Die Kasse hat er akribisch und verantwortungsbewusst geführt. Zahlreiche im Archiv der Gemeinde vorhandene Belege tragen seine Unterschrift“, versicherte Rosenbrock, um auszuführen: „Demnach kann angenommen werden, dass das Leben von Isaac Lynen von sozialer Verantwortung, Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft bestimmt war“.

Errichtung eines Glockenturmes

In die Lebenszeit von Lynen – 1652 bis 1718 – fällt auch die Errichtung eines Glockenturmes auf dem Finkenberg. Den 1688 erbauten Turm deutete Rosenbrock als Symbol der Eigenständigkeit und dem weithin sichtbaren äußeren Zeichen, jetzt öffentlich Gottesdienste abhalten zu können. Denn wie der Referent versicherte, sei die reformierte Gemeinde in ihrer Anfangszeit bei der Religionsausübung nicht frei von Bedrängnissen und Diskriminierungen durch den jeweiligen Burgherren und Landesherren gewesen. „Unsichere Zeiten, die Beharrlichkeit, Standfestigkeit und Durchsetzungsvermögen erforderten“, so Rosenbrock.

Auch machte der Experte, der viele Jahre lang als Pfarrer den Pfarrbezirk drei von Stolbergs Evangelischer Kirchengemeinde geleitet hatte, die Besucher mit den freiheitlichen, selbstbestimmten und demokratischen Strukturen der reformierten Glaubenslehre vertraut: Erfahrungen und Erlebnisse, die laut Rosenbrock auch Auswirkungen auf das unternehmerische Handeln und Wirken der Kupfermeister hatten. „Ihr religiöses Profil machte sie empfänglich für Neuerungen und Weltoffenheit. Mäßigung, gutes Wirtschaften, Sparsamkeit und Arbeitsamkeit prägte ihr Unternehmertum und ihre Lebensweise“.

Auch sei Stolbergs reformierte Gemeinde in vielen Dingen richtungsweisend und bestimmend für das evangelische Leben im damaligen Herzogtum Jülich gewesen. Als Bespiel für das freiheitliche und demokratische Denken und Handeln der Kupfermeister nannte er die Tatsache, dass die Messingproduzenten schon zu einem frühen Zeitpunkt ihren Frauen bei der Ausübung von Glaubensangelegenheiten das Stimmrecht eingeräumt hatten.

Abgeschlossen wurde der fundiert und anschaulich gestaltete Vortrag, der die Besucher zu lang anhaltendem Beifall animierte, von einer Diskussionsrunde. Themen des informativen, gegenseitigen Austausches waren beispielsweise die Wappengenese der Kupfermeistergräber sowie die Ansiedlungen, Produktionsstandorte und unternehmerischen Strukturen der Kupfermeister im Vicht- und Indetal.

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