Lesertour ins Brillenwerk: Eigene Manufaktur und Marken inklusive

Von: Sonja Essers
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Im Brillenwerk von Markus Zimmermann gibt es jede Menge interessanter Dinge zu entdecken. Darunter nicht nur zahlreiche Maschinen, die der Augenoptikermeister natürlich alle per Hand bedient, sondern auch unzählige Brillenmodelle. Foto: Sonja Essers
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Da ist mit Sicherheit für jeden Geschmack das Passende dabei. Auch unsere Leser haben an dieser Tour großen Gefallen gefunden. Foto: Sonja Essers
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Da ist mit Sicherheit für jeden Geschmack das Passende dabei. Auch unsere Leser haben an dieser Tour großen Gefallen gefunden. Foto: Sonja Essers
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Holz, Federstahl oder Büffelhorn: Markus Zimmermann (Mitte) zeigt unseren Lesers die verschiedenen Modelle in seinem Brillenwerk. Foto: Sonja Essers
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Material und Brille im direkten Vergleich: Auf der rechten Seite ist das ursprüngliche Material zu sehen. Aus Büffelhorn wurde die Brille angefertigt. Zwischen sieben und acht verschiedene Standardfarben gibt es bei diesem Material. Natürlich ist aber auch Außergewöhnliches mit dabei. Foto: Sonja Essers
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Die Arbeit mit der Laubsäge erfordert höchste Konzentration und natürlich auch Präzision. „Schließlich müssen beide Seiten am Ende auch gleich sein“, sagt Zimmermann. Das Ergebnis dürfen unsere Leser ganz genau unter die Lupe nehmen. Foto: Sonja Essers
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Industrieller Charme trifft auf ein modernes Design: In der ehemaligen Wartehalle der alten Straßenbahnstation an der Kurt-Schumacher-Straße sind heute zahlreiche Brillen ausgestellt. Die erwecken das Interesse unserer Leser. Foto: Sonja Essers
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Neugier und Staunen: Unsere Leser zeigen großes Interesse an der Arbeit von Augenoptikermeister Markus Zimmermann. Der wiederum gewährt ihnen zahlreiche Einblicke in seinen Arbeitsalltag und beantwortet natürlich die zahlreichen Fragen. Foto: Sonja Essers

Stolberg. Optiker gibt es wie Sand am Meer, aber wer designt schon eigene Brillen und produziert diese dann auch noch selbst? Markus Zimmermann. Er ist ein Meister seines Faches und das gleich in zweierlei Hinsicht. Zimmermann ist nämlich nicht nur Augenoptikermeister, sondern gehört zu den wenigen seines Faches in Deutschland, der sein Handwerk auch wirklich in Handarbeit ausübt – eigene Manufaktur und Marken inklusive.

Sein Anspruch: Er will Brillen entwickeln, die mit dem Gesicht des Trägers zu einer Persönlichkeit verschmelzen. Im Rahmen unserer Lesertour „7x Sommer in Stolberg“ durften unsere Leser nun einen Blick hinter die Kulissen seines Brillenwerks an der Kurt-Schumacher-Straße werfen. Nicht nur für Brillenträger war dieser Ausflug ein ganz besonderes Erlebnis.

Seit 25 Jahren ist Markus Zimmermann bereits selbstständig in Stolberg tätig, zuerst am Heinrich-Böll-Platz in Oberstolberg und dann an der Zweifaller Straße. Mittlerweile haben er und seine Frau Conny ihren Platz an der Kurt-Schumacher-Straße gefunden – in einer alten Straßenbahnstation.

Industrie und Moderne

In der ehemaligen Wartehalle, die heute als Eingangs- und Ausstellungsbereich genutzt wird, erinnern zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos an die Vergangenheit. Daneben sind Brillen aus Holz und Büffelhorn in saften Rosa- und Minttönen ausgestellt. Industrieller Charme trifft auf modernes Design: Eine ungewöhnliche Zusammenstellung, die allerdings harmonisch und einladend wirkt und neugierig auf den Rest des Gebäudes macht. In diesem wohnen die Zimmermanns auch. „Es hat sich als glückliche Offerte erwiesen, dass wir hier alles unter Dach und Fach bringen konnten“, sagt Zimmermann.

Bevor unsere Leser die anderen Räume erkunden können, stellt Zimmermann sich und seine Arbeit erst einmal vor. Worauf er besonders viel Wert legt? „Die Physiognomie des Menschen ist einzigartig und diese Problematik habe ich auch jeden Tag vor Augen“, sagt Zimmermann und fügt hinzu: „Man will nicht nur gut aussehen, sondern die Brille soll auch gut sitzen.“ Und genau das sei oftmals nicht der Fall, weiß der Augenoptikermeister aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung.

Beim Rundgang wird deutlich, dass trotz der typischen Geräte, die man vom Besuch beim Augenarzt kennt, keine Wartezimmer-Atmosphäre herrscht. Im Gegenteil! „Hier ist es nicht steril. Ich möchte, dass die Menschen es sich bequem machen können“, sagt Zimmermann und führt die Leser in eines der Highlights seines Brillenwerks: den Schauraum.

Runde Gläser, ovale Gläser, eckige Gläser, Gestelle aus Federstahl, Holz und Büffelhorn: Das ist nur eine kleine Auswahl seiner Einzelstücke, bei denen allerdings für jeden Geschmack und jeden Typen etwas Passendes dabei sein dürfte. Neben seiner eigenen Kollektion führt Zimmermann auch eine Auswahl an ausgewählten Kollektionen. So wolle man jedem Kundenwunsch gerecht werden, sagt er.

Ein Modell aus Jeansstoff

Auch an eigenen Ideen mangelt es Zimmermann, der gebürtig aus Brand stammt, natürlich nicht. Er hat unter anderem eine Brille aus Jeansstoff entworfen, die bei unseren Lesern besonders gut ankommt. Auch mit Goldschmieden arbeitete er in der Vergangenheit bereits zusammen und verzierte Modelle ganz nach den Vorstellungen der Kunden. „Die Modelle, die wir anbieten, sind keine Stillleben. Sie werden gesucht und gefunden“, sagt Zimmermann.

Und wie wird beispielsweise aus einer alten Jeans eine hochmoderne Brille? Für die Herstellung kombiniert Zimmermann auf der einen Seite moderne, digitale Technik und auf der anderen Seite das traditionelle Handwerk miteinander. So stellt er unter anderem aus Materialien wie Cellulose Acetat – Baumwollkunststoff – sowie Büffelhorn, Edelstahl-Draht und Edelstahl-Blech seine kleinen Meisterwerke her.

Erst entsteht aus einer Handzeichnung ein Modell des Entwurfs am Computer, das dann digital an den Kunden, der zuvor fotografiert wurde, angepasst. Zimmermann ist wichtig, dass er gemeinsam mit seinen Kunden die Modelle entwickelt. Danach wird aus dem Entwurf Realität. Anhand einer Schablone werden Innen- und Außenform auf das gewünschte Material übertragen.

Genau diese Arbeitsschritte interessieren natürlich auch unsere Leser und Markus Zimmermann gibt ihnen einen exklusiven Einblick in seine Arbeitsweise. Mit einer Laubsäge bearbeitet er ein Modell aus Büffelhorn. Keine einfache Aufgabe. Schließlich sei gerade dieses Material spröde und grob und stelle so hohe, handwerkliche Anforderungen. „Mit einer Laubsäge, Goodwill und viel Training lässt es sich verarbeiten. Man muss aber schon viel Übung haben und auch Geduld“, sagt Zimmermann. Trotzdem gehört Büffelhorn zu den Favoriten des Augenoptikermeisters. Denn es sei ein leichtes Material, das trotzdem eine Optik ins Gesicht zaubere.

Gefallen hat er auch an der Arbeit mit der Laubsäge gefunden. Häufig arbeite er zu Musik und so entstehe eine eigene Beziehung zu dem Material. „Man arbeitet zwar hochkonzentriert, es ist aber auch eine Form der Meditation“, sagt Zimmermann.

Begeistert waren unsere Leser nicht nur von der Arbeit mit der Laubsäge, sondern auch vom so genannten Pantographen, was übersetzt so viel bedeutet wie Allesschreiber. Dieses Gerät ist auch als Storchschnabel bekannt und ist ein mechanisches Präzisionsinstrument, das Zeichnungen in gleiche, größere oder kleinere Maßstäbe überträgt.

Markus Zimmermann gelingt dies mit einer alten Gravurmaschine, die er im Eingangsbereich seines Brillenwerks aufgestellt hat. Mit einem Taststift fährt er über seine Schablone. Das Gerät überträgt dies auf das Material. Gespannt schauen unsere Leser ihm bei der Arbeit zu und staunen nicht schlecht. Auch der dabei entstehende Staub, den Markus Zimmermann zwischendurch immer wieder wegsaugt, stört nicht.

Ehrliche Antworten

Nach diesem interessanten Rundgang haben unsere Leser natürlich noch zahlreiche Fragen an den Augenoptikermeister und der spricht ganz offen über Preise und Produkte, die sich für ihn nicht rentieren. So wollen unsere Leser beispielsweise wissen, wie es mit der Fertigung von Sonnenbrillen aussieht. „Der Anteil der Sonnebrillen ist verschwindend. Es kommt keiner auf die Idee sich eine Sonnenbrille anfertigen zu lassen“, antwortet Zimmermann.

Auch die Preisfrage spielt eine Rolle. Im Monat fertigt Zimmermann im Schnitt zwei bis drei Brillen nach den Wünschen seiner Kunden an. Sie kosten – je nach Material – zwischen 600 und 900 Euro. Die Gläser sind im Preis allerdings nicht inbegriffen. Und dann kam noch die Frage auf, was Zimmermann mit den „Resten“ anstelle. Schließlich fallen diese gerade bei den Arbeiten mit der Laubsäge an. Verwerten kann der Augenoptikermeister das Material nicht mehr.

Unsere Leser hatten für den weiteren Bestand ganz eigene Ideen auf Lager. Zum Beispiel: Schmuck daraus herstellen. Für Markus Zimmermann lohne sich dieser Aufwand allerdings nicht. Er bleibe lieber bei seinen Brillen, gibt er unseren Lesern mit auf den Weg.

Und was macht Zimmermann, wenn ein Kunde zu ihm kommt, der zwar eine neue Brillen kaufen möchte, aber so gar keine Vorstellung davon hat, was ihm gefallen könnte? „Das ist kein Problem“, verrät Zimmermann mit einem Lächeln im Gesicht und fügt hinzu: „Dann kann ich mich austoben. Aber natürlich nur in Zusammenarbeit mit dem Kunden.“

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