Lesermeinung: Blühende Pracht in der Amaliastraße

Von: Heike Eisenmenger
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Hegen und pflegen Sonnen- und
Hegen und pflegen Sonnen- und Studentenblumen sowie andere Blüher: Pflanzpatin Christina Muyrers aus Münsterbusch und ihr Mann Theo im Hintergrund. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Münsterbusch. Christina Muyrers ist eine Trittbrettfahrerin. Im positiven Sinne: Denn von solchen dürfte es gerne noch mehr geben. Dann würde es in in Stolberg wahrscheinlich anders aussehen. Die Münsterbuscherin ist eine der ehrenamtlichen Pflanzbeete-Paten.

Gemeinsam mit ihrem Mann Theo pflegt und hegt sie drei städtische Beete gleich vor ihrer Haustür an der Amaliastraße.

Es ist erstaunlich, welchen Einfluss die ordentlich gepflanzten Beete auf das Gesamtbild der Straße haben. Zwischen grünem Blattwerk schießen sattgelbe Sonnenblumen empor, und auch die kurzstieligen Studentenblumen sind kleine Farbtupfer. Im Kontrast dazu stehen die schweren Findlinge, die jedoch weit mehr sind als bloße Dekoration. Sie sind ein steinerner Schutzwall gegen Autos und Busse „auf Abwegen”.

Theo Muyrers hat den Stein ins Rollen gebracht, wenn man es mal so formulieren will. Vor sieben Jahren packte es ihn. Der Anblick vor seinem Haus, die ungepflegten Beete, sie waren ihm ein Graus. Die Muyrers sind der Stadt deswegen keineswegs böse, sie haben Verständnis dafür, dass die prekäre Haushaltslage es unmöglich macht, die personellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sein müssten, um sämliche Grünanlagen in Ordnung zu halten.

Theo Muyrers sieht das Ganze pragmatisch: „Die Stadt hat nicht mehr die Mittel, um die Beete so zu pflegen, wie es nötig wäre. Es hilft ja alles nichts, darum sollte auch der Bürger Verantwortung übernehmen und mithelfen.”

Außerdem profitiere er doch auch davon, wenn die Beete vor seiner Haustür hübsch aussehen. „Es ist doch ein Unterschied, ob man nach Hause kommt und sich wohl fühlt oder ob man sich schämt, wenn Besuch kommt, weil die Straße so verlottert wirkt.”

Seine Frau half ihm zwar hier und da, aber richtig einsteigen konnte die Kindergärtnerin erst, als sie vor einem Jahr in den Vorruhestand ging. Seither ist sie eine eifrige Hobbygärtnerin.

Die Blumen, die in den Beeten wachsen, hat sie selbst gezogen. Das vor allem aus der Notwendigkeit heraus, denn es wäre gelogen, würde man an dieser Stelle behaupten, alles wäre eitler Sonnenschein.

Traurig ist das Ehepaar über Zeitgenossen, die ihre Arbeit innerhalb von Sekunden zunichte machen. Der kleine Junge, der seiner Mutter einen Blumenstrauß pflückt, ist nicht das Problem. Zwar freuen sich die Pflanzpaten nicht gerade, wenn nur noch die Stengel von ihren Sonnenblumen stehen, aber sie wissen genau, dass in einem solchen Fall keine böse Absicht dahinter steckt.

Ignorante Verkehrsteilnehmer

In einem anderen Licht sehen sie jedoch Mitbürger, die die Pflanzbeete als kostenlosen Selbstbedienungsladen missverstehen. Oder die achtlos mit ihrem Fahrzeug das niedermähen, was das Paar liebevoll gehegt und gepflegt hat. Noch schlimmer sind diejenigen, die mutwillig die Pflanzen rausrupfen.

Gegen blinde Zerstörungswut können die Muyrers wenig ausrichten, wohl aber gegen ignorante Verkehrsteilnehmer. „Bevor wir die Findlinge von der Stadt bekamen, hatten wir regelmäßig verwüstete Beete, weil Autofahrer und auch Busfahrer einfach über unsere Beete fuhren”, erzählt Theo Muyrers. Die Idee der Stadtverwaltung, die Gesteinsbrocken als Schutzwall aufzustellen, erwies sich als goldrichtig. „Mitarbeiter des Bauhofs brachten uns die Findlinge, allein kannst du Steine mit einem so hohen Gewicht schließlich nicht transportieren.” Seitdem die Findlinge in den Beeten stehen, werden die Blumenrabatte nicht mehr als Parkzone zweckentfremdet.

Vor Diebstahl oder Vandalismus schützen die Findlinge freilich nicht. „Ärgerlich ist es auf jeden Fall, aber da wir die Blumen selbst züchten, hält sich der finanzielle Schaden in Grenzen”, sagt Christina Muyrers.

Zum Glück sind „Übeltäter” in der Unterzahl, und es gibt viele erfreuliche Momente. Das Paar wird wegen der Beete häufig angesprochen. „Das ist so schön, dass Ihr das macht”, zitiert Christina Muyrers einen typischen Satz älterer Anwohner, die sich gerne auf der Parkbank unweit der blühenden Pracht niederlassen. Auch die jüngeren Nachbarn finden das Engagement des Paares toll und haben ein Auge auf die Beete. „Neulich hat ein kleiner Junge Blumen gepflückt. Eine Nachbarin hatte das zufällig gesehen, ging sofort raus und erklärte dem Kind freundlich, das es das bitte sein lassen soll, weil die Blumen für alle da wären”, erzählt Christina Muyrers.

Eine Nachbarin will dem Beispiel der beiden jetzt folgen. Für den Anfang machen sie sich zu dritt ans Werk, weil das städtische Beet so verwildert ist, dass es schon eine Motorsäge bräuchte, um dem wuchernden Unkraut den Garaus zu machen. „Zugegeben, es macht Arbeit, aber man tut es ja gern”, sagt Theo Muyrers.

Und was unternimmt die Stadt, um den Pflanzpaten bei ihrer Arbeit unter die Arme zu greifen? „Wenn etwas anliegt, wird einem geholfen”, versichert der Münterbuscher.

„Bei uns fällt viel Grünschnitt an. Die Stadt bot uns an, diesen kostenlos abzuholen. Das ist gut gemeint, aber in unserem Fall unpraktikabel, da wir sonst den Grünschnitt zunächst hätten zwischenlagern müssen. Da ist es einfacher, den Schnitt selbst wegzubringen, aber trotzdem freut man sich über das Angebot”, sagt Theo Muyrers und holt die Gießkanne. Die Blumen brauchen Wasser.?.?.
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