Stolberg - Leser tief in die Geheimnisse des Waldes eingeführt

Leser tief in die Geheimnisse des Waldes eingeführt

Von: Thomas Waltl
Letzte Aktualisierung:
10631991.jpg
Die Leser wurden von Förster Theo Preckel (Dritter von links) durch das Naturschutzgebiet rund um den Omerbach geführt. Sie besichtigten das Wassserrückhaltebecken, verfolgten zahlreiche Tierspuren und lernten, wie man einen Festmeter Holz berechnet. Foto: T. Waltl
10634566.jpg
Auch die Staumauer am großen Regenrückhaltebecken zählte zu den Zielen der informativen Wanderung mit dem Förster. Foto: T. Waltl
10632076.jpg
Was sich in der Luft abspielte, konnten die Leser besser beobachten, die sich ihr Fernglas mitgebracht hatten. Foto: T. Waltl
10632058.jpg
Durch den Wald bei Gressenich führen zahlreiche Wander- und Radwege, wie man an diesem Schilderbaum erkennen kann. Foto: T. Waltl
10632060.jpg
Der Wald hat viel zu bieten. In einem kleinen Tecih konnten die Wanderer eine ausgewachsene Seerose bewundern. Foto: T. Waltl

Stolberg. Wer schon einmal in unserem Nachbarland Österreich Urlaub gemacht hat und die dort heimischen TV-Sender durchgezappt hat, dem ist bei Werbepausen vielleicht eine Werbung besonders ins Auge gestochen. In dieser wirbt eine der größten österreichischen Handelsketten für ihre Bio-Produkte.

Dabei sind weidende Kühe auf grünen Wiesen in den Bergen bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel zu sehen. Das ganze läuft unter dem Titel „Natur pur!“.

Natur pur, so könnte man auch die kürzlich angebotene Lesertour unserer Zeitung knapp zusammenfassen. Denn dort sahen die Teilnehmer zwar keinen Sonnenschein und blauen Himmel wie in dem Werbespot, dafür aber grüne Wiesen und Wälder, weidende Kühe und fließende Gewässer. Im Rahmen unserer Aktion „8x Sommer in der Kupferstadt“ führte Theo Preckel eine Gruppe unserer Leser durch das Naturschutzgebiet rund um den Omerbach.

Reichlich Wissen

Preckel ist Förster der Stadt Stolberg und das bereits seit 27 Jahren. Sein Wissen über Stolbergs Flora und Fauna gibt er gerne regelmäßig bei Wanderungen durch den Wald, häufig auch für Schulklassen, und jetzt für unsere Leser, weiter. Los ging es auf dem Forstbetriebshof Krewinkel in Gressenich. Die Temperaturen für eine Wanderung waren mit 20 Grad perfekt. Gleich zu Beginn fragte Preckel die Stolberger Leser, welche Bäume sie denn schöner fänden. „Natürlich die Buchen“, lautete die einhellige Meinung der Gefragten.

Der Förster betrachtet das Ganze aber aus einem anderen Blickwinkel und erklärte: „Schöner sind natürlich die Buchen, für die Wirtschaft nützlicher sind aber die Fichten.“ So zählen die Fichten (botanisch: picea) zu den wichtigsten forstwirtschaftlich genutzten Baumarten auf der Nordhalbkugel. Ausschlaggebend seien hier wie auch bei anderen Arten der gerade Wuchs, das rasche Wachstum, die geringen Ansprüche an den Standort und die gute Verwendbarkeit des Holzes.

Der nicht mehr wegzudiskutierende Klimawandel bereitet der Fichte aber zunehmend Probleme. Deshalb wurde der Stolberger Wald, der eine Gesamtfläche von 1500 Hektar aufweist, vom Förster und seinem Team nach den vielen Stürmen, besonders nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007, zumeist mit starken Laubbäumen aufgeforstet. „Der Stolberger Wald ist ein wirtschaftlich genutzter Erholungswald, der ausgewogen aus Laub- und Nadelbäumen besteht“, erläuterte Theo Preckel seinen Gästen.

Doch im Wald gibt es natürlich nicht nur Bäume, sondern auch sehr viele Pflanzen. Zu viele, um auf jede einzeln einzugehen. Ein paar Besonderheiten wurden den Wanderern aber trotzdem nähergebracht. Die Stendelwurzen sind so eine Besonderheit, die wahrscheinlich noch nicht so viele Kupferstädter bewundern durften. Während die fachkundigen Teilnehmer viele Pflanzen wie das Hexenkraut selber erkannten, machte Preckel auf das Rippenfarn aufmerksam, das unter Naturschutz stehe.

Bevor es dann zum Wasserrückhaltebecken ging, bekamen die Teilnehmer noch eine schöne, kleine Quelle zu sehen, die später einmal in den Omerbach mündet. „Die Quelle ist ein einzigartiges Biotop. Hier kommen Krebssorten vor, die es woanders nicht gibt“, erklärte der Förster.

Kurz darauf kam die Gruppe dann am Omerbach vorbei. Ein exakt 11,1 Kilometer langer Bachlauf, der noch unberührt sei. Denn das Schlimmste, so Preckel, sei, wenn ein fließendes Gewässer kanalisiert werde und somit gerade verlaufe. „Je mehr ein Fluss mäandert, desto mehr lebt er.“ Mäander sind Schleifen, die in dichter Aufeinanderfolge den Verlauf eines Flusses bestimmen. Dadurch schlage das Wasser in Kurven gegen Wurzeln und Pflanzen, so dass mehr Sauerstoff in das Wasser komme und so auch die Qualität gesteigert werde.

Preckel: „Die Schlingen sorgen aber auch dafür, dass das Wasser nicht zu schnell wird und so das Überschwemmungsrisiko eingedämmt werden kann.“ Das Überschwemmungsrisiko senken kann man aber auch bewusst mit Wasserrückhaltebecken, wie es die Teilnehmer bei der Tour am Beispiel des Wasserrückhaltebeckens am Omerbach zu sehen bekamen. Es ist neben den Rückhaltebecken an der Eschweiler Südstraße und am Diepelinchen das dritte Rückhaltebecken, das der Wasserverband Eifel-Rur zum Hochwasserschutz gebaut hat. 9485 Kubikmeter Stauvolumen bietet bei starken Regenfällen das Rückhaltebecken für den Omerbach im Naturschutzgebiet nahe Buschhausen seit September 2012. Das Auslaufbauwerk, das die Leser genauer unter die Lupe nahmen, drosselt den Omerbach auf eine Geschwindigkeit von maximal einen Kubikmeter pro Sekunde. Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet am Omerbach habe es laut Preckel nach dem Bau des Beckens aber noch nicht gegeben. „Da muss man erst ein paar Jahre abwarten und schauen, ob etwas passiert.“

Beliebter Treffpunkt

Der Wald in Gressenich ist natürlich auch ein Treffpunkt für aktive Menschen aller Art. So kamen der Lesergruppe Reiter, Läufer, Wanderer und Radfahrer entgegen. Und da keiner beim Sport vor Verletzungen und Unfällen gefeit ist, gibt es mehrere Rettungspunkte im Wald. Einen solchen bekommen die Teilnehmer bei der „Buche 18“ zu sehen. „An diesem Baum ist ein Notrufnummernschild angenagelt. Gewählt wurde diese Buche, da sie an einem markanten Punkt steht“, wie der Gruppenführer erklärte.

Die Frage eines Lesers, ob es denn Wildschweine gebe, konnte bejaht und sogar belegt werden. Die Gruppe sah zwar keine Paarhufer dieser Art, jedoch wurden Fährten im feuchten Lehm gesehen. Neben den Wildschweinen beherbergt der Wald natürlich auch Rehe, Dachse, Wildkatzen, und sogar auch aus Pelzfarmen entlaufene Waschbären und Nerze.

Zu Gesicht bekamen die Leser aber nur ein paar Frösche, die aufgrund ihrer bräunlichen Tarnfarbe trotzdem schwer zu entdecken waren. Nach der rund zweistündigen Führung durch den Wald, bei dem die Teilnehmer sehr viel über Wald, Wasser, Pflanzen und Tierwelt erklärt bekommen hatten, gab es auch noch eine kleine Mathematik-Einheit. Wie berechnet man einen Festmeter Holz, also das reine Holzvolumen eines Stammes? „Das ist ja einfach: r² mal mal Höhe“, meinte ein Leser. Da ist zwar richtig, aber der erfahrene Förster kennt eine viel einfachere Lösung dafür: „de-quadrat-lacht.“ So lautet der Merksatz für die Formel Durchmesser zum Quadrat mal Länge mal 0,8.

Zum Schluss der Lesertour spürten die Leser auch noch einen großen Vorteil eines Waldes. Während die Teilnehmer auf einem Forstweg entlang wanderten, der nicht von Baumkronen geschützt war, fing es an, heftig zu regnen. Sofort packten alle gut gerüsteten Wanderer Schirm und Regenponchos aus.

Als es kurz darauf wieder in den Wald unter die Bäume ging, wurde das alles nicht mehr gebraucht. Die Blätter fingen den Regen ab und sorgten dafür, dass alle trocken die Tour am Forstbetriebshof Krewinkel beenden konnten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert