Lernen, wie ein Einbrecher zu denken

Von: Heike Eisenmenger
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Bei der Vortragsreihe versucht
Bei der Vortragsreihe versuchte SsSs von der Sparkasse vergeblich, die Sicherheitsfenster aufzuhebeln. Sehr zur Freude der Experten Manfred Beier (links), Norbert Winkler (rechts), Bert Hollands (2. von re.) und SSSv von der Sparkasse. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Um sich vor einem Einbruch zu schützen, muss man lernen, wie ein Einbrecher zu denken: Dafür braucht es keine kriminelle Energie, sondern die Fähigkeiten, sein Heim aus der Sicht eines Verbrechers zu betrachten.

Auch wenn die Formulierung „lichtscheues Gesindel” veraltert ist, triff sie den Sachverhalt auf den Punkt. Das ist eine der Erkenntnisse, die die rund 60 Zuhörer von der Informationsveranstaltung zum „Thema Einbruch- und Brandschutz” in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse mitnahmen.

Drei Experten im Aachener Team

Die Experten für Einbruchschutz sind Norbert Winkler und Manfred Beier vom Kriminalkommissariat 44 (Vorbeugung) in Aachen. Bernd Hollands ist als stellvertretender Kreisbrandmeister der Städteregion Aachen Mitglied des Teams, das im Auftrag des Netzwerkes „Zuhause sicher” Fachvorträge für die Bevölkerung organisiert. Juristisch ist das Netzwerk ein gemeinnütziger Verein, der das Bewusstsein für Einbruch- und Brandschutz schärfen möchte.

Partner des unabhängigen Netzwerkes sind öffentliche Institutionen wie Polizei, Feuerwehr, Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften und Kommunen. Aber auch die Industrie und Handwerksbetriebe, die auf Sicherheit spezialisiert sind, sowie Versicherungen arbeiten in den nunmehr 18 Schutzgemeinschaften mit.

Gemeinsam soll ein engmaschiges Netz zum Schutz für die Bevölkerung gespannt werden. Die Veranstaltungsreihe ist offen für jedermann und hat in erster Linie präventiven Charakter. Aber das Netzwerk richtet sich auch an die Opfer von Einbrüchen, denn Betroffene bedürfen gerade einer fachlichen Beratung. Der finanzielle Schaden, der damit verbundene Ärger und die Zeit, die aufgewendet werden müsse, strapaziere die Nerven eh schon. Wenn aber die Summe, die die Versicherung zahlt, nicht den tatsächlichen Schaden abdeckt, weil vielleicht ein unersetzbares Familienerbstück gestohlen wurde, sei das für die Bestohlenen besonders hart. Weit schlimmer, berichteten Winkler und Beier unisono, sei für viele Einbruchsopfer die Gewissheit, dass ein Fremder ihre Privatsphäre verletzt hat.

„Ein Einbruch in den eigenen vier Wänden ist mehr als nur der finanzielle Verlust”, resümierte der Kriminalhauptkommissar Beier. „Das Eindringen in den Privatbereich nimmt den Einbruchsopfern das Gefühl, in ihrem Heim sicher zu sein. Das ist ein hoher Verlust an Lebensqualität.”

Die Vorstellung, der Täter könne bei der Suche nach Wertgegenständen die Bettwäsche oder andere persönliche Dinge angefasst haben, sei für manche so belastend, dass im Extremfall ein Leben in der Wohnung bzw. in dem Haus, wo eingebrochen wurde, unmöglich für die Betroffenen wird. „Das ist schon dramatisch, wenn jemand das Haus, in dem seine Kinder aufgewachsen sind, verkaufen muss, weil jedes Gefühl von Sicherheit verloren gegangen ist. Die Täter machen sich über die Folgen für die Opfer ihrer Tat keine Gedanken”, schilderte der Kriminalhauptkommissar seine Erfahrungen.

Der beste Schutz gegen Einbrecher sei, zu verinnerlichen, nach welchen Gesichtspunkten bewertet wird, ob ein Heim für einen Einbruch attraktiv ist oder nicht. Eine anonyme Umfrage inhaftierer Einbrecher ergab klar: Die Täter scheuen das Licht. Es könnte sie verraten, man könnte sie sehen und vielleicht sogar ihr Gesicht wiedererkennen.

Beier schilderte eine typische Situation: „Ihnen fällt eine Person auf, die ohne erkennbaren Grund die Straße, in der Sie wohnen, immer wieder rauf und runter geht oder das gleiche im Auto tut. Fragen Sie höflich, ob Sie weiterhelfen können.”

Für einen potenziellen Einbrecher sei in dem Moment, in dem er angesprochen wird, bereits Schluss. „Er ist erkannt. Damit ist jedes weitere Vorhaben gescheitert”, forderte Beier die Zuhörer auf, aufmerksamer für die Dinge, die sich in der Umgebung abspielen, zu sein. Bewegungsmelder, Lichtzeitschaltuhren im Garten- und Innenbereich, aufmerksame Nachbarn und Hunde seien mit der beste Schutz.

Eine physische Barriere stellen spezielle Schlösser, Türen und Fenster(rahmen) sowie einbruchsicheres Glas dar. Einbrecher scheuen Häuser, die so gesichert sind, denn eine solche Tür oder ein solches Fenster aufzuhebeln, sei äußerst schwer, zeitaufwendig und mit viel Lärm verbunden.

Ehrlich zu sich selber

Manches, was Beier und Winkler erzählen, ist so banal, dass man fast geneigt ist, es als überflüssig abzutun, aber wenn man ehrlich ist, kommt man nicht unhin, das eigene Verhalten selbstkritisch zu hinterfragen.

„Beliebt ist, den Hausschlüssel in Blumenkästen, unter der Matte oder an anderen scheinbar ?sicheren Stellen für Angehörige zu hinterlegen. Glauben Sie mir: Der Einbrecher findet den Schlüssel garantiert”, erzählte Beier.

Zum Stichwort „Schlüssel” noch ein weiterer Tipp: „Kaufen Sie keinen Tresor, der nur mit Hilfe eines Schlüssels aufzusperren ist. Der Einbrecher wird mit großer Wahrscheinlichkeit nach dem Schlüssel suchen und die Wohung auf den Kopf stellen. Bei einem Tresor, der mit einem Zahlencode zu öffnen ist, stellt sich das Problem nicht.”

Wertvolle Kommoden besser nicht abschließen: „Dass die Schublade des antiken Schreibtisches abgeschlossen ist, bestärkt den Einbrecher in seiner Vermutung, dass sich etwas Lohnenswertes drin befindet.” Wie man das Risiko eines Wohnungsbrandes klein hält, erklärte der Feuerwehrmann Hollands. „Rauchmelder sind ein Muss.” Die Geräte sind nicht teuer, aber im Schadensfall wird es kostspielig, auf die Warnmelder verzichtet zu haben. Beim Kauf sollte man unbedingt auf das Zeichen „Q” in Verbindung mit den Prüfzeichen „VdS” oder „Kriwan Testzentrum” achten.
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