Leoni Kerpen will an die guten Zeiten anknüpfen

Von: Michael Grobusch
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Seit Ende 2010 als neuer Geschäftsführer gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Schuh für Leoni-Kerpen verantwortlich: Martin Moser. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Der doppelte Wechsel fiel in eine schwierige Zeit: Als im Herbst vergangenen Jahres mit Roland Schultner und Ulrich Küsters gleich beide Geschäftsführer aus der Leitung von Leoni Kerpen ausschieden, war das Unternehmen gerade dabei, die Folgen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise zu kompensieren.

„Wir in Stolberg gehören zu den ganz wenigen Einheiten im Konzern, die spätzyklisch sind”, blickt Martin Moser auf eine Phase zurück, in der sich die Leoni AG in fast allen Bereichen schon wieder bestens erholt präsentierte. Mittlerweile gestaltet sich die Situation aber auch an der Zweifaller Straße wieder besser.

Der neue Geschäftsführer, der von der Leoni-Tochter j-fiber GmbH in Jena kam und gleichberechtigt mit seinem Kollegen Wolfgang Schuh für den Standort Stolberg verantwortlich ist, berichtet von insgesamt 67 Stellen, die nach langen Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall abgebaut worden sind. „Mit 34 sind das überdurchschnittlich viele im Angestellten-Bereich”, stellt Moser fest und ergänzt: „Von den direkten gewerblichen Mitarbeitern war bis auf wenige Ausnahmen, wo eine Altersregelung gefunden wurde, niemand betroffen.”

Die Anpassungen beim Personal waren aus Sicht des Geschäftsführers eine wichtige Voraussetzung für die dauerhafte Zukunftsfähigkeit des Stolberger Werkes. „Unser Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus Probst hat bei der letzten Belegschaftsversammlung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Standort fest verankert ist im Konzern, er aber zu alter Profitabilität zurückkehren muss”, berichtet Moser.

Kerpen habe sein Schicksal so gesehen selbst in der Hand. „Wir müssen unsere Kostenstruktur verbessern und unsere Produktschiene beleben”, nennt er zwei wesentliche Ziele, die erreicht werden sollen. Ganz konkret lautet die Vorgabe, innerhalb der kommenden fünf Jahre den Umsatzanteil der neuen Produkte auf 30 Prozent hochzuschrauben. „Dazu wird es verschiedene Projekte geben”, kündigt der 32-Jährige an, der dem Konzern seit neun Jahren angehört.

Engere Kooperation

Gefordert sein wird die eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, aber auch auf „die großen Ressourcen und Kompetenzen des Mutterkonzerns” will Martin Moser zurückgreifen. Ohnehin sieht er in einer engeren Kooperation zwischen den einzelnen Einheiten von Leoni eine große Chance. So gebe es zwar auf der einen Seite einen inneren Wettbewerb, in dem man sich noch besser bewähren müsse. Auf der anderen Seite bestehe aber auch die Möglichkeit, Produktionsspitzen anderer Bereiche, etwa dem Automobilbereich - in Stolberg auszugleichen. Der erwünschte Effekt wäre eine „stärkere Grundauslastung” von Leoni Kerpen.

In diesem Zusammenhang strebt Moser eine „noch stärkere Flexibilisierung der Kostenstruktur” an, was für die Mitarbeiter bedeuten könnte, dass mehr noch als bislang das Instrument der Arbeitszeitkonten zum Tragen kommen wird.

Martin Moser erwähnt die erfolgreichen Jahre 2006 bis 2008, an die er nun wieder anknüpfen möchte, und verspricht: „2011 wird deutlich erfreulicher werden als das vergangene Jahr. Wir werden operativ zur Profitabilität zurückkehren.” Das hört man sicher gerne bei der Konzernleitung in Nürnberg, aber auch in der Belegschaft in Stolberg.

Ebenso wie die Ankündigung weiterer Investitionen. „In den Jahren 2009 und 2010 ist ein zweistelliger Millionenbetrag in Stolberg investiert worden”, betont der Geschäftsführer. Und weitere Investitionen „in deutlicher Größenordnung” sollen folgen, denn: „Neue Produkte setzen auch Modernisierungen und neue Anlagentechnik voraus.”

Für das Unternehmen ist es in erster Linie eine Frage der Verkehrssicherheit für seine Mitarbeiter direkt vor dem Firmen-Entree. Die gefährliche Kreuzung der Landesstraßen 238 und 12 ist ebenso den Behörden ein Dorn im Auge. Der städteregionale Radweg endet vor der Kreuzung auf der viel befahrenen Fahrbahn der Kurt-Schumacher-Straße, ab der gegenüberliegend zum Betriebsgelände der Firmen-Parkplatz erweitert worden ist.

Die Situation ohne Gehwege, aber mit Gräben im Kreuzungsbereich „ist für unsere Beschäftigte einfach gefährlich”, begründet Franz-Josef Baumann auf Anfrage den Wunsch von Leoni-Kerpen nach einer baldigen Umgestaltung in einen Kreisverkehr. Das Unternehmen ist bereit, sich an den Kosten zu beteiligen: „Wir haben bereits maßgeblich die Planungskosten getragen”, sagt Leiter von Zentralem Einkauf und Logistik in Stolberg.

In einer Gesprächsrunde mit Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt, Landesbetriebsleiter Edgar Klein und dem Landtagsabgeordneten Axel Wirtz habe Leoni-Kerpen sein Engagement zugesagt. „Wir warten auf Aussagen zur Höhe der Baukosten, damit wir in unserer Firmenzentrale in Nürnberg den Umfang unseres finanziellen Engagements abklären können”, sagt Prokurist Baumann. Nur konkrete Zahlen hätten weder die Stadt noch der Landesbetrieb bislang mitgeteilt, und Fortschritte auf der Prioritätenliste zur Realisierung seien auch nicht vermeldet worden.

Im Gegenteil, denn bei ihrer jüngsten Novellierung seien vom Regionalrat in Köln andere Vorhaben vorgezogen worden, erklärte Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt. Gleichwohl könne immer noch mit einer Umgestaltung der Kreuzung Nachtigällchen in einen Kreisverkehr innerhalb der nächsten Jahre gerechnet werden.

Dies hänge von der Ausstattung des Landesbetriebs mit finanziellen Ressourcen ab, und diese wiederum vom Haushalt des Landes. Die früher einmal angedachte Möglichkeit, den Kreisverkehr vorzufinanzieren, biete das Land angesichts seiner bereits umfangreich eingagangenen Verpflichtungen nicht mehr an. (jül)

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