Leistet die Kupferstadt sich einen eigenen City-Tarif?

Von: Jürgen Lange
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Paul Kirch (l.) und Rolf Engels sind Männer der ersten Stunde am Steuer der Stadtentwicklung.

Stolberg. Will und kann es sich die Kupferstadt leisten, die Benachteiligung ihrer Bewohner durch den vom Aachener Verkehrsverbund im Juni 2013 eingeführten „Flugs-Tarif“ durch einen verbilligten Stadttarif auszugleichen? Immerhin ist Stolberg in diesem Jahr bereits mit 2,21 Millionen Euro an der städteregionalen Umlage für den Öffentlichen Personennahverkehr beteiligt – mit steigender Tendenz auf 2,44 Millionen Euro im Jahr 2018.

Nach komplizierter Berechnungsmethode muss die Stadt für jeden Wagenkilometer gut einen Euro an den AVV bezahlen. Donnerstag soll der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt die Verwaltung beauftragen, die Möglichkeiten eines Stadttarifes zu prüfen und vor allem die Kosten dafür zu ermitteln. Nach groben Schätzungen dürften sie „zwischen 30.000 und 110.000 Euro liegen – je nach Modell, Tarifsystem und Fahrpreis“, kalkuliert der Technische Beigeordnete Tobias Röhm im Vorfeld.

Für erheblichen Wirbel hatte die Tarifänderung vor anderthalb Jahren in der Politik und bei Kunden gesorgt. Bis dato kam man zum Kurzstreckentarif für 1,60 Euro in die Stadtmitte von Nachtigällen, Dreieck, Donnerberg, Büsbach oder vom Seniorenzentrum. Mit dem neuen Flugs-Tarif kommt man für 1,50 Euro nur noch vier Haltestellen weit – und somit zumeist nicht mehr bis ins Zentrum. Dafür wurde dann die Preisstufe 1 mit 2,55 Euro fällig – für Betroffene eine Preissteigerung um bis zu 70 Prozent. Seit Neujahr sind bereits 2,65 Euro zu berappen.

In Stolberg stimmten die Aseag-Kunden „mit den Füßen“ ab: Die Zahl der Fahrten ging um 6,8 Prozent zurück – das entspricht 55.000 Fahrten im Jahr oder rund 180 am Tag, aber bei gleich bleibenden Einnahmen für die Aseag. Das geht aus einem Gutachten des Aachener Ingenieurbüros IVV im Auftrag des AVV hervor.

„Die Einführung des Flugs-Tickets und die Abschaffung der Kurzstreckenzone in der Kupferstadt trifft uns in besonderem Maße“, berichtet Röhm. Stolberg hat die größten negativen Auswirkungen zu tragen. Betroffen sind in erster Linie Gelegenheitsfahrer; und das sind nur fünf Prozent aller ÖPNV-Kunden in der Städteregion. Inhaber des breiten Angebots von Dauerkarten waren von der Neuregelung nicht betroffen.

„Es ist aus verschiedenen Gründen das Ziel des AVV diese Produkte zu Lasten der Bartarife zu stärken“, erläutert der Beigeordnete. In der Gesamtbetrachtung der Städteregion bewerte das Gutachten aber die Einführung des Flugs-Tickts als Erfolg. Die Anzahl der Fahrten und die Einnahmen seien leicht gestiegen. Der Anteil der Dauerkarten habe sich erhöht.

Die Tariflandschaft sei übersichtlicher, die Tarifgerechtigkeit erhöht worden. Während Stolberg aus Sicht des AVV bis Juni 2013 bevorzugt gewesen sei, werde die Stadt insbesondere auch angesichts ihrer Topographie durch Abschaffung der Kurzstreckenzone und die Einführung des Flugs-Tarifs nun benachteiligt.

Lediglich in Aachen besteht noch ein City-XL-Tarif, den die Kaiserstadt seit seiner Einführung in 2009 mit gut 500 000 Euro jährlich mitfinanziert. Das wäre dann auch ein Modell, das für Stolberg greifen könnte, falls die Kupferstadt den Einnahmeausfall erstattet: als Stadttarif für den Bereich der früheren Kurzstreckenzone oder auch nur für Stolberg-Mitte.

Eine andere Alternative könnte die Einführung eine Reduzierung des Fahrpreises der Preisstufe 1 in Stolberg sein. Als dritte Alternative fällt den Gutachtern eine Differenzierung aller lokalen Preise im AVV analog zu den Zeitkarten ein, wobei Stolberg Pilotprojekt sein könnte. Dazu wäre allerdings der Konsens aller Kommunen erforderlich...

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