Stolberg - Leinenpflicht für Hunde: Rücksicht auf Wild, Wald und Wiesen

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Leinenpflicht für Hunde: Rücksicht auf Wild, Wald und Wiesen

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
Dank seines rücksichtsvollen
Dank seines rücksichtsvollen Halters stellt dieser Hund auf dem Weg keine Belästigung oder Gefahr für andere Menschen, Wildtiere und geschützte Pflanzen dar. In Naturschutzgebieten sind Hunde ohnehin zwingend anzuleinen. Foto: D. Müller

Stolberg. Als Helmut Kaul an einem Abend von der Polizei zu einem Wildunfall gerufen wurde, wusste der Jäger gleich, dass es sich um einen ungewöhnlichen Vorfall handeln musste. „Das Tier war von einem Pkw erfasst worden, und zwar nahe der Gressenicher Kirche auf der Straße Am Pannes, also mitten im Ort. Dort würde ein Reh sich unter normalen Umständen aber gar nicht befinden”, beschreibt Kaul.

Der Jäger betrachtete das Wild eingehend, und stellte fest, dass der starke, drei- bis vierjährige Rehbock bereits schwer verletzt war, bevor er durch den Zusammenprall mit einem Auto sein Leben ließ.

„Das Tier hatte tiefe Bisswunden im Bauchbereich, an der Seite hingen Teile des Darms heraus”, sagt Kaul, für den klar ist, dass der Rehbock von einem Hund gebissen worden war: „In unserer Region lebt kein Wildtier, das dem Rehbock solche Bisswunden hätte zufügen können. Er ist mehrfach von einem Hund gebissen worden und dann schwer verletzt und in Panik geflohen, so dass er in der Ortschaft schließlich vor ein Auto lief. Wir Jäger füttern die Tiere im Winter, damit sie durchkommen, und dann so was”, hadert Kaul. Seine Verärgerung über manche Hundehalter, die verantwortungslos handeln, ist groß, zumal dieser Angriff eines Hundes auf ein Wildtier kein Einzelfall sei.

Kaul ist Leiter des Hegerings Stolberg, und immer wieder berichten ihm andere Jäger, wie falsch sich einige Hundehalter verhalten. Was Naturschutzgebiete angeht, ist die Gesetzeslage eindeutig: Hunde müssen angeleint sein und dürfen sich nur auf den Wegen und keinesfalls abseits von ihnen aufhalten. Die Realität sei oft eine andere, meint Kaul: „Wenn ich zum Beispiel die Werther Heide beobachte, dauert es nur fünf Minuten, bis die ersten freilaufenden Hunde in dem Naturschutzgebiet auftauchen.” Die Halter begehen eine Ordnungswidrigkeit, verstoßen gegen das Tierschutzgesetz und das Landschaftsschutzgesetz, machen sich im Fall eines Angriffs ihres Hundes auf Wildtiere sogar der Wilderei schuldig.

Gefahr für trächtige Tiere

Trächtige Rehe seien besonders gefährdet, erklärt Kaul. Die „Sprintläufer” könnten ein hohes Tempo nur kurz halten, wogegen Hunde als „Ausdauerläufer” bei der Jagd auf die Wildtiere im Vorteil wären. Deshalb appelliert Kaul an alle Hundehalter, auch außerhalb von Naturschutzgebieten verantwortungsvoll mit ihrem Haustier umzugehen: „Wenn der Spiel- oder Jagdtrieb eines Hundes größer ist als der Gehorsam gegenüber dem Halter, gehört das Tier an die Leine.”

Laut Landeshundegesetz müssten Hunde innerhalb von Bebauungen immer angeleint sein, erläutert Brigitte Müller vom Stolberger Ordnungsamt. „Auf Feldwegen können Hun- de unangeleint ausgeführt werden, aber natürlich gilt: Kein Hund darf alleine spazieren gehen. Grundsätzlich ist Rücksichtnahme anderen gegenüber erforderlich”, führt Müller aus.

Rücksicht wünscht sich auch Theo Preckel, Leiter des Kupferstädter Forstamts. Er verweist darauf, wie viele Interessen im Wald zusammenkommen: „Wanderer, Hundehalter, Jogger, Nordic-Walker, Radfahrer, Reiter, Jäger, Forstarbeiter und mehr treffen im Wald aufeinander. Dies erfordert ein Miteinander und dazu gehört, aufeinander Rücksicht zu nehmen”, sagt Preckel. Wenn man mit seinem Hund auf andere Waldbesucher treffe, dann sollte es selbstverständlich sein, das Tier anzuleinen, da andere sich belästigt fühlen oder Angst vor Hunden haben könnten. So könnte auch auf Phrasen wie „Der tut nichts” oder „Der will nur spielen” verzichtet werden.

Preckel betont, dass Hunde innerhalb von Naturschutzgebieten zwingend an der Leine zu führen sind, und dass es auch im übrigen Wald klare Regeln für Hundehalter gebe: Grundsätzlich dürften Hunde sich im Wald nur auf den Wegen aufhalten.

„Dies kann außerhalb von Naturschutzgebieten auch unangeleint geschehen, aber nur im Einzugsbereich des Halters. Das bedeutet, der Halter muss das Tier sehen und mit seinen Kommandos erreichen können, und setzt unbedingt voraus, dass der Hund seinem Halter aufs Wort gehorcht, einem Kommando jederzeit unverzüglich folgt. Gibt es dahingehend auch nur den leisesten Zweifel, muss der Hund angeleint sein.”
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