Leerstand: Neue Perspektiven für die Innenstadt?

Von: Jürgen Lange
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Perspektiven für die Stolberger Innenstadt gesucht: Fred Pfennings bietet potenziellen Mietern der Rathaus-Passage Sonderkonditionen an: bis dato allerdings ohne Erfolg. Foto: J. Lange
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Für den Steinweg könnte das „Outlet Bad Münstereifel“ ein Vorbild sein, aber Ferdi Gatzweiler hält Wohnraum mit Gewerbe durchmischt für realistischer. Foto: J. Lange

Stolberg. „Wer meint, dass die Fußgängerzone der 80er Jahre noch funktioniert, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten“, sagt der Bürgermeister. Den Steinweg als Outlet-Center nach dem Vorbild von Bad Münstereifel, das könnte sich Ferdi Gatzweiler schon vorstellen. Doch hinter dieser Idee stehen viele Fragezeichen.

Findet sich ein Investor? Machen die Eigentümer mit? Wäre das von der Politik gewollt? Für den Verwaltungschef wäre dies nur eine Option. Eine andere bleibt der jüngst im Rathaus eingeschlagene Weg, durch die Bauleitplanung das Gewerbe im unteren Steinweg zu stärken und im oberen Steinweg die Umnutzung in Wohnraum zu ermöglichen.

Die 2008 erfolgte Teilöffnung für den Verkehr hat nicht den nachhaltig erhofften Impuls gebracht, gesteht der Bürgermeister ein, „aber wie würde das heute ohne Öffnung aussehen?“, fragt sich Gatzweiler. Er möchte den Vichtbach aus seinem Hinterhof-Dasein ans Tageslicht holen; und zeitgemäßen Wohnraum mit Gewerbe durchmischt hält der Bürgermeister für das realistischere Zukunftsrezept für den Steinweg. Er war in früheren Zeiten auch das Einkaufziel vieler Arbeitnehmer aus der Nordeifel.

Aus Monschau kam vor 25 Jahren Klaus Victor, um in der Kupferstadt zu investieren. Mittlerweile fahren viele Stolberger zum Einkaufen nach Simmerath und Imgenbroich. Dort möchte Victor sein Engagement nun auch konzentrieren und zum Jahresende sein Kaufhaus im Steinweg schließen.

Perspektiven in Stolberg sieht dagegen Fred Pfennings – seit einem Jahr am nördlichen Kopf der Fußgängerzone am Kaiserplatz. Die Passage neben dem Rathaus hat er von Klaus Victor erworben, der sie 1995 auf den Resten des noch als Parkplatz dienenden Stadtgartens quasi als Pendant zu seinem Einkaufhaus errichten ließ. Jede Menge Ideen hat Fred Pfennings mit aus Baesweiler in die Kupferstadt gebracht. Außerdem viel Engagement, und das nicht nur deshalb, weil Pfennings Ehefrau Andrea aus Stolberg stammt.

„Ich verstehe gar nicht, warum sich die Stolberger so unter Wert verkaufen“, sagte Pfennings, als er die Immobilie mit 22 Wohnungen auf 2000 m² und unterschiedlich dimensionierte Gewerbeeinheiten auf gut 3000 m² übernommen hatte. Doch hat sein Optimismus, die Passage mit einem attraktiven Branchenmix zu stärken, mittlerweile Dämpfer bekommen.

Dabei hat der Investor seinen Ankündigungen durchaus Taten folgen lassen. Die Umbenennung in „Rathaus-Passage“ wurde durch eine neue einheitliche Optik ergänzt. Pfennings, der 50 Tankstellen betreibt und Inhaber vielfältiger Immobilien in der Region ist, machte sich aktiv auf die Suche nach interessantem Gewerbe, das sich in den vorhandenen Mix einfügt. Bis dato ohne durchschlagenden Erfolg, wie seine Mitarbeiterin Andrea Fischer erläutert.

Eine Kinderbetreuung in einer kleinen Ladeneinheit verweilte einen Monat, ein Discountanbieter keine drei Monate. „Dabei bieten wir die Geschäftslokale während der ersten drei Monate kostenfrei an“, betont Fischer. Und während ihr Unternehmen die aktuell freien Gewerbeeinheiten mit 45, 92 und 135 m² regelmäßig mit Annoncen bewirbt, scheinen gewerbliche Mieter wenig Interesse an einer Förderung durch ihren Vermieter aufzubringen.

Eine neue, einheitliche Werbung als Ersatz für eine defekte und uneinheitliche Außendarstellung wollte dieser spendieren, aber die Gewerbetreibenden hätten ebenso wenig ein Interesse daran gezeigt wie an einer Ausweitung der Außengastronomie mit Windschutz und neuem Mobiliar, in das Pfennings investieren wollte.

Auf wenig Resonanz stieß laut Fischer auch der Vorschlag einer gemeinsamen Werbekampagne, deren Kosten zu 70 Prozent hätten übernommen werden sollen. Und dennoch, in der Ankündigung vom Ende des Kaufhauses Victor sieht Fred Pfennings erst recht eine Herausforderung und eine Chance.

Insbesondere für Sortimente, die dann absehbar nicht mehr bei Victor zu beziehen sein werden, signalisiert Fischer weiteres Entgegenkommen: „Ob Schmuck, Mode, Haushalts- oder Tabakwaren, es wäre für Stolberg wichtig, diese Sortimente am Standort zu halten“.

Die Stadt soll Vorreiter sein

Doch nicht nur in die Vermietung der Gewerbeeinheiten möchte Pfennings investieren, sondern auch in den Ausbau des Dachgeschosses über der Gastronomie. Zwei Wohneinheiten mit 45 m² sollen entstehen, die Wohnungen darunter modernisiert und rückwärtig Balkone angebaut werden, kündigt Architekt Ralf Hansen an. Dazu soll der sanierungsbedürftige Dachstuhl komplett neu gebaut werden: „Wir befinden uns noch mit der Stadtverwaltung in Gesprächen über die erforderliche Baugenehmigung“.

Derweil wartet im Rathaus der Bürgermeister auf den Bewilligungsbescheid der Kölner Bezirksregierung. Sie hat Zuschüsse zu einem Pilotobjekt im Steinweg avisiert. So wie vor 30 Jahren bei der Sanierung der Altstadt will die Stadt bei der Wiederbelebung der Fußgängerzone Vorreiter sein. „Wir müssen die Eigentümer dabei mitnehmen“, sagt Gatzweiler. Es müssten endlich Fakten geschaffen, etwas Sichtbares aufgebaut werden.

Denn von Konzepten hätten die Stolberger schon viel gehört, von Ergebnissen aber wenig gesehen. Deshalb schweben dem Bürgermeister bei der Umsetzung des Sanierungskonzeptes auch individuelle Lösungen vor, zugeschnitten auf jedes einzelne Gebäude, das saniert werden soll.

Es ist einer der Mosaiksteine für die Innenstadt; ein anderer ist die Frage des Parkens und der Kosten dafür. Darüber wird mit den Geschäftsleuten am Donnerstag ab 19 Uhr im Rathaus erst einmal diskutiert.

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