Landhaus Solchbachtal: Neue Wege, aber nicht um jeden Preis

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen: Jim und Katja Deserno. Zukünftig möchten sie ihr Restaurant verkaufen und neue Wege beschreiten. Aber eben nicht um jeden Preis. Foto: Doris Kinkel-Schlachter
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Überreichte Achim und Katja Deserno die Urkunde zum Zehnjährigen: Dirk Stock vom Dehoga (r.).

Stolberg-Zweifall. Insolvenz, Scheidung, Schluss – wenn es Sterne für eine Gerüchte-Küche gäbe, so erhielte das Landhaus Solchbachtal derer zwei. Darüber können Katja sowie ihr Ehemann Achim „Jim“ Deserno mittlerweile gut lachen. Das einzige, was mittelfristig eintreffen werde, so der Restaurant-Inhaber, „ist der Schluss. Aber das ist eben kein Muss, sondern eine Option“, betont Jim Deserno. Der Rest sei völliger Unsinn.

Das Gastronomen-Paar möchte das idyllisch gelegene Landhaus veräußern. „Man hat mir letztes Jahr mehrere Jobs angeboten, das war schließlich der Auslöser für das Verkaufsvohaben. Ich werde bald 50 und habe mich gefragt, ob ich mit 60 immer noch so eingebunden sein möchte wie bislang, also Wochenende für Wochenende in der Küche stehen“, sagt er.

Reiterhof nicht umsetzbar

Eines der Jobangebote hat Achim Deserno auch angenommen, er ist wieder in eine Aachener Werkstatt für Behinderte, wo er bereits im Jahr 2000 in leitender Position tätig war, zurückgekehrt – dieses Mal als Küchenchef. Momentan genießt er die angenehme Zusammenarbeit und vor allem die festen Arbeitszeiten, jetzt sei wieder mehr Zeit da für die Familie und auch einfach mal zum Kuscheln – Katja und Sohnemann Emil freut es. „An meiner Arbeitsstelle gibt‘s eine Stechuhr, und ich habe jetzt schon einen Tag auf Überstunden frei“, sagt er und lacht herzhaft. Genauso kennen seine Freunde und Gäste ihn, Jim, wie er leibt und lebt.

Der Vertrag mit dem Immobilienmakler ist nach einem halben Jahr ausgelaufen, Interessenten habe es einige gegeben, und zwar branchenmäßig bunt gemischt. Vom Gastronom über den Rechtsanwalt bis hin zum Betreiber eines Reiterhofes, der aber in entsprechender Lage seine Vorstellungen für einen Pferdehof baulich nicht umsetzen könne, weil es laut Deserno der Naturschutz nicht zulasse. Und da schnelles Internet in Zweifall noch Zukunftsmusik ist, sei auch die Rechtsanwältin wieder von dannen gezogen.

Dirk Stock: 2014 war sehr gut

Das Landhaus Solchbachtal hat seine Türen also weiterhin geöffnet, allerdings eingeschränkt. Von Donnerstag bis Sonntag kann im Lokal gespeist und getrunken werden, Kochkurse können auch an allen anderen Tagen gebucht werden. „Unter der Woche ist es in dieser abgelegenen Lage schwierig, die Leute in den Wald zu bekommen und gutes Geld zu verdienen“, so Deserno. Auf der Suche nach stets innovativen Ideen und ständig wechselndem Angebot, das qualitativ heraussteche, „ist es nicht so einfach zu bestehen, vor allem wenn man einen Euro mehr investiert als andere“. Aber die Desernos wollen nicht jammern: „Wir lieben unseren Job, wir sind innovativ und anders, das muss man hier auch sein, allein schon wegen der Lage“, betonen beide.

Dass es weder an mangelnder Kochkunst noch an fehlenden Ideen beim Ehepaar Deserno hapert, weiß Dirk Stock nur zu gut. „Das Jahr 2014 war gastronomisch gesehen sehr gut, Karl hat uns sehr überrascht“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Kreisgruppe Aachen Land. Damit spricht er das Karlsjahr 2014 an, was den Hotels und Gaststätten in Aachen und Umgebung volle Betten und Tische beschert hat. Aber auch er weiß um die schwierige Lage am Ortsausgang von Zweifall, mehrere hundert Meter im Wald gelegen. „Ein langer Atem ist wichtig“, so Stock. Oder man müsse dermaßen herausragend sein, sprich mit Sternen ausgezeichnet, dass Gäste auch von weit her anreisten.

Den langen Atem haben Jim und Katja Deserno bewiesen. Erst vergangene Woche haben sie Geburtstag gefeiert – zehn Jahre Solchbachtal unter ihrer Leitung –, mit Musik, vielen Stammkunden und brodelnder Küche, aber ohne Gerüchte...

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