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Lachsalven und ernste Gedanken vom Pappnasen-Diakon

Von: joh
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„Nicht die Dinge machen uns u
„Nicht die Dinge machen uns unglücklich, sondern die Perpektive, aus der wir sie sehen”: Willibert Pauels (l.) im angeregten Gespräch mit Pfarrer Urth. Foto: J. Mohren

Stolberg-Büsbach. Er ist katholischer Diakon, Büttenredner und Kabarettist. Oder: „hauptberuflicher DiaClown mit Nebenberuf Diakon”, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen. Im Kölner Karneval ist er nicht erst seit gestern eine feste Größe in der Bütt, als „Bergischer Jung” ist er auch weit über die Grenzen der rheinischen Karnevalshochburg hinaus bekannt wie ein bunter Hund.

Unzählige Minuten flimmerte er bereits über die Mattscheiben der Republik. Ja, sein Portfolio ist wahrlich beeindruckend: Willibert Pauels ist genau das, als was ihn der Büsbacher Pfarrer Jürgen Urth stolz ankündigt: ein überregionaler „Fernsehstar”.

Brechend voll ist es dementsprechend im Hubertushaus - und die Erwartungshaltung ist hoch. Man hat sich eingestellt auf einen unterhaltsamen Abend. Und lustig soll es natürlich werden, sowieso. Doch das, was dann folgt, ist nicht bloß eine Antwort auf diese Vorstellungen, nein, es ist viel mehr als nur das. Kirche und Karneval, das sind die Themen von Pauels. Er spielt mit ihnen, verknüpft sie und treibt immer wieder seine Späße mit der Kirche und ihren Repräsentanten. Benedikt XVI. bekommt den Titel des „berühmtesten weißhaarigen Deutschen seit Knut” verliehen.

Doch auch wenn der Papst ganz oben in der Hierarchie steht, den größten Anteil bei Pauels bekommt ein anderer Kirchenmann: der so oft gescholtene Kölner Kardinal Meisner. „Der hat ein Doppelbett, damit er sich auch nachts querlegen kann” - lautes Lachen und Klatschen im Hubertussaal. Ohne Frage, Willibert Pauels Humor kommt auch in Büsbach - einige Kilometer entfernt von den großen Sitzungssälen des kölschen Karnevals - gut an; offen, frech, aber nie platt oder gar niveaulos sind seine Witze.

Pauels spricht auch über Mentalitäten - besonders die Westfalen hat er auf dem Kieker - oder über Diskriminierung. Selbst in der Bütt müsse man aufpassen. „Da wird einem schnell Diskriminierung vorgeworfen”, schmunzelt er. Stark pigmentiertes Eierschaumgebäck mit Migrationshintergrund schlägt er als neue Bezeichnung für den alten Negerkuss vor, ganz im Sinne der Political Correctness, um diese gleich im nächsten Satz wieder gänzlich zu vernachlässigen. Es dauert eine Weile, ehe die letzten Lachenden verstummen. Es sind eben auch solche kurzen und knappen Details, die den Vortrag des Mannes auszeichnen, der von sich selbst sagt, dass das Priestertum für ihn nie eine realistische Alternative darstellt habe: „Eigentlich wollte ich ja Priester werden, meine Hormone aber nicht”, lacht er. Wenn auch leicht flapsig formuliert, so scheint dies ehrlich gemeint, so wie vieles im Vortrag des närrischen Diakons.

Denn abseits von Witz und Humor ist Willibert Pauels mit seiner schwarzen Brille und roter Pappnase auch der Verkündiger einer Botschaft. Manchmal liegt sie im Witz selbst. Verborgen, aber bei genauerem Hinhören doch klar und offensichtlich. Immer wieder spricht auch der Diakon aus ihm. „Nicht die Dinge machen uns unglücklich, sondern die Perspektive, aus der wir sie sehen.” Pauels spricht über Geborgenheit bei Gott, für einige Minuten wird aus dem witzelnden DiaClown beinahe der predigende Diakon.

So wie nach dem regulären Auftritt, als sich Pauels, nun in Zivil, im Talk den Fragen von Pfarrer Urth stellt. Er erzählt über seine Arbeit und seinen Glauben, bunt, lebhaft und pointenreich, nimmt Stellung zur momentanen Lage der Kirche und äußert sich voller Vorfreude zum Papstbesuch im Herbst. Und eines ist ihm ganz wichtig. „Wir können, ja wir müssen streiten, von mir aus können wir uns auch mal fast die Köppe einschlagen. Aber im Inneren müssen wir Gläubigen, die Kirche, vereint sein, kein Mensch darf uns trennen”, sagt er. Dann macht er sich auf den Rückweg nach Wipperfürth-Wipperfeld, seine Heimat im Bergischen Land. Im Hubertushaus haben nicht nur seine Witze einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
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