Stolberg - Kurt Schiffer ist alles andere als ein Notprinz

Kurt Schiffer ist alles andere als ein Notprinz

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Burggraf war er schon; jetzt wird Kurt Schiffer Stolberger Karnevalsprinz. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Tage des ehrbaren Bürgers Kurt Schiffer sind gezählt. Denn am kommenden Freitagabend wird sich sein Stand gravierend verändern, wenn er als Kurt II. inthronisiert wird, um fortan als Stolberger Karnevalsprinz über das Narrenvolk zu herrschen.

Die Entscheidung für seine jecke Regentschaft fiel recht spät, nachdem das Karnevalskomitee der Stadt Stolberg und die Erste Große KG Mitte Dezember verlauten ließen, dass die ursprünglich designierte Tollität Marcel Künstler nicht inthronisiert werde.

Unser Mitarbeiter Dirk Müller hat sich mit dem „Spontan-Prinzen“ Kurt Schiffer unterhalten.

Wann und wie sind Sie nach Stolberg gelangt?

Schiffer: 1996 kam ich von einem Berg zum anderen – von Alsdorf-Kellersberg nach Stolberg. Ganz nach dem Motto: „Wo die Liebe hinfällt“. Rückblickend kann ich sagen, dass es für mich bergauf ging, seitdem ich in der Kupferstadt lebe. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, beruflich ging es vorwärts, und mit meiner jetzigen Familie habe ich mein privates Glück gefunden.

Und in Stolberg haben Sie auch zum Karneval gefunden...

Schiffer: Ja, zuerst durch den Nachwuchs. Mein Sohn Jan war 2006 Kinderprinz der Ersten Großen KG, und meine Tochter Ina tanzte in der Gesellschaft. 2010 wurde ich dann Burggraf und anschließend Mitglied in der Ehrenhut der Ersten Großen. Sehr schön finde ich, dass sich der familiäre Karnevalskreis jetzt quasi wieder schließt, denn Ina tanzt nun wieder bei der Ersten Großen, und Jan ist in der vergangenen Session der Ehrenhut beigetreten.

Sie werden nun Stolberger Prinz. Bei der Premiere der Prinzentaufe mit Altstadtfest stand aber noch eine andere designierte Tollität im Mittelpunkt. Bedauern Sie das?

Schiffer: Nein, denn das ist gar nicht möglich. Die Prinzentaufe war eine tolle Veranstaltung, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich ja noch überhaupt keine Ahnung, dass ich Prinz werden würde. Daher kann ich nichts bedauern. Außerdem glaube ich, als ehemaliger Stolberger Burggraf muss ich auch gar nicht mehr getauft werden.

Wie beurteilen Sie den Sachverhalt, dass die getaufte und im Münster­buscher Jugendheim vom Stolberger Karnevalskomitee vorgestellte designierte Tollität Marcel Künstler nicht inthronisiert wird?

Schiffer: Eine Beurteilung dessen steht mir nicht zu. Ich war in keiner Weise in die Vorkommnisse involviert und werde sie dementsprechend auch nicht kommentieren. Alleine schon, weil ich es gar nicht kann.

Wie kam es denn aus Ihrer Sicht dazu, dass Sie nun den Narrenthron erklimmen werden?

Schiffer: Das fing ganz harmlos an – und lecker, denn ich war mit meiner Frau Ute in einem Restaurant. Anschließend nahmen wir noch ein Getränk in einer Gaststätte zu uns, und dort kamen Erste-Große-Präsident Heinz Hartmann und sein Stellvertreter Oberehrenhut Holger Schulz herein. Beide sahen ziemlich bedröppelt aus, und wir haben uns unterhalten. Sie berichteten von dem gescheiterten Runden Tisch mit dem Komitee und Marcel Künstler und sagten: „Jetzt stehen wir ohne Prinz da.“

Und wie verlief der Abend weiterhin?

Schiffer: Ich erinnerte mich an die tolle Session 2005 mit Prinz Wiechi I. Jürgen Wiechmann, die ich hautnah miterlebt und sehr genossen habe. Und als ich in der Zeitung gelesen hatte, dass der ehemalige Prinz Rüdiger Fröschen jetzt Burggraf wird, habe ich mir überlegt, dass ich es grundsätzlich einmal umgekehrt machen und vielleicht ja vom Burggraf zum Prinzen werden könnte. In den frühen Morgenstunden des Nikolaustages habe ich dann während des Gespräches spontan das Angebot gemacht und gesagt: „Ich kann ja Prinz werden“.

Nach der Ersten Großen galt es dann aber auch noch, das Komitee und vor allem die ihm angeschlossenen Gesellschaften von Ihrer Regentschaft zu überzeugen.

Schiffer: Ja, und vor der außerordentlichen Komitee-Versammlung war mir ganz schön mulmig. Schließlich war die Ausgangssituation für die Gesellschaften nicht gerade einfach. Es war für mich dann wirklich sehr bewegend, dass die Gesellschaften mich herzlich als zukünftigen Prinzen angenommen haben. Ich glaube, die Komitee-Gesellschaften sind in dieser Session näher zusammengerückt – wenn auch notgedrungen. Der positive Effekt ist, dass allen wieder deutlich bewusst geworden ist, wie wichtig das Zusammenstehen der Gesellschaften für den Stolberger Karneval ist. Letztlich sehe ich das auch als ein Erfolgsrezept für ganz Stolberg: Wenn mehr Menschen an einem Strang ziehen und sich gemeinsam für ihre Stadt einsetzen statt nebeneinander oder sogar gegeneinander, kann Stolberg dadurch nur gewinnen.

Fühlen Sie sich nicht ein wenig wie ein „Notprinz“?

Schiffer: Nein, überhaupt nicht. Stolberger Karnevalsprinz zu werden, ist eine große Ehre. Ich freue mich mit ganzem Herzen darauf, eine fantastische Zeit zu genießen und mit allen Jecken viel Spaß zu haben.

Ab kommenden Freitag stehen Sie auf den Bühnen vor der höchsten karnevalistischen Instanz – dem Narrenvolk. Wie ist es eigentlich um Ihre Prinzentauglichkeit bestellt?

Schiffer: Ich hoffe, ganz gut. Zunächst einmal habe ich ein wenig Vorerfahrung als Burggraf sammeln können. Hinzu kommt, dass einem Mitglied der Ehrenhut eine gewisse „Bühnenausbildung“ nicht erspart bleibt. Ich denke da etwa an die „Männer in den besten Jahren“ zurück, die wir Ehrenhüter auf die Bühne gebracht haben. Und natürlich an den „Time Warp“, den die Ehrenhut in der vergangenen Session mit der jungen Stolberger Gruppe „In love with Musicals“ präsentiert hat. Als Tollität wird mir natürlich die Prinzengarde der Ersten Großen den Rücken stärken, und ich bringe den wahrscheinlich besten Hofstaat der Welt mit. Das sind sehr interessante Leute, teils mit Hofstaat-Erfahrung, die tüchtig Stimmung verbreiten werden.

Was können die Jecken in der Session von Kurt II. und seinem Hofstaat erwarten?

Schiffer: Wir wollen natürlich ganz klar Spaß und Freude verbreiten, getreu meinem Motto: „fiere un nit lamentiere“. Der Hofstaat wird aus zehn Personen bestehen, die das „Stammpersonal“ bilden, und bei manchen Auftritten kommen noch „Springer“ hinzu. Ein Medley als Prinzenlied wird es auch geben.

Wie haben Sie Ihre Prinzenauftritte in der Kürze der Zeit vorbereiten können?

Schiffer: Nur mit der Hilfe guter Freunde und eines großen Bekanntenkreises sowie Unterstützung auf breiter Front seitens der Ersten Großen KG, des Karnevalskomitees und der angeschlossenen Gesellschaften sowie natürlich der Ehrenhut. Ich sage nur: In Stolberg ist einiges möglich. Der Hofstaat wird bunt sein, was praktische Gründe hat: Das Gefolge greift auf bereits vorhandene Kostüme zurück, denn neue, an ein einheitliches Motto angepasste Kostüme schneidern zu lassen, wäre so schnell einfach nicht machbar gewesen.

Sie waren Burggraf und werden nun Stolberger Prinz. Was wollen Sie als nächstes werden? Vielleicht Bürgermeister?

Schiffer: Keine Angst! Alle können in Stolberg bleiben, denn Bürgermeister will ich bestimmt nicht werden. Nach meiner Session als Prinz kehre ich gerne wieder in die „zweite Reihe“ der Ehrenhut zurück, wo ich bestens aufgehoben bin. Nicht zuletzt, weil ich mich dort sehr wohl fühle.

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