Kupferstadt wehrt sich mit buntem, dreitägigem Protest-Programm

Von: Anja Klingbeil
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Ausgerollt: Das längste Banne
Ausgerollt: Das längste Banner der Welt erstreckt sich vom Kaiserplatz bis zu Mühle und vielleicht sogar darüber hinaus. In der Stolberger Innenstadt bleibt jedenfalls kein Platz für Rechtsextremisten. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Bunt, voll, laut, friedlich und gemeinsam - so soll sich die Kupferstadt präsentieren. Das Protest-Programm gegen den erneuten Aufmarsch von Neonazis steht. Und es ruht auf zahlreichen Schultern, wie bei der Pressekonferenz im Rathaus deutlich wurde.

Wieder haben viele Vereine, Einzelpersonen, Parteien und Institutionen wie etwa das Jugendprojekt „Jump”, die Arbeiterwohlfahrt, die „Künstler gegen Rechts” oder die Altstadt-Wirte ihre Unterstützung zugesagt. Das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus und die Stadt setzen dabei auch auf Altbewährtes: die Innenstadt mit so vielen Aktionen belegen, dass den Ewiggestrigen kein Raum geboten wird.

Denn, so machte das Bündnis deutlich: Schweigen und Nichtstun sind die falschen Signale. „Wenn wir nicht von Anfang an gehandelt hätten, wäre das braune Lager durch die Innenstadt gezogen. Sie sollen dort aber nicht Angst und Schrecken verbreiten”, sagt Bürgermeister Ferdi Gatz­weiler, der hofft, dass sich wieder viele Bürger am friedlichen Protest beteiligen.

Friedlicher Widerstand

Das Aktionsprogramm „Gemeinsam auf die Straße für ein nazifreies Stolberg” erstreckt sich über drei Tage. „Wir sind gut aufgestellt”, sagt Gatzweiler, zuversichtlich, dass „wir es weiter rechtsbeständig schaffen, dass Nazis nicht in die Innenstadt kommen”. Zuversichtlich stimmen ihn und das Bündnis auch die stetig sinkenden Zahlen jener Rechtsextremisten, die im April aus ganz Deutschland in die Kupferstadt reisen. Der Zugweg, der den einschlägig bekannten Anmeldern Ingo Haller und Axel Reitz von der Polizei zugebilligt wird, steht indes noch nicht fest. „Und Reitz ist den Nazis ja auch abhanden gekommen”, sagt Gatzweiler. Er war bei einer länderübergreifenden Razzia in der vergangenen Woche verhaftet worden.

Nachlassen im friedlichen Widerstand gegen dumpfe Parolen, Hass und Gewalt will das Bündnis aber deswegen nicht. „Denn die ganze Stadt soll den friedliebenden Bürgern gehören”, sagt Bündnis-Sprecherin Beatrix Oprée.

Das Programm startet am Mittwoch, 4. April, um 16 Uhr mit einer Ausstellungseröffnung im Rathausfoyer. Beim anschließenden „Langen Mittwoch” präsentieren sich verschiedene Gruppen. Die Idee dahinter: den Bereich Mühle mit Infoständen zu besetzen. Auch die Ditib-Gemeinde ist dort vertreten. Hinter dem Titel „Stolberg steht auf gegen Rechts” verbirgt sich eine Kunstaktion der besonderen Art. „Wir werden zehn Stühle aufstellen. Darauf werden zehn Stolberger Platz nehmen. Alle zehn Minuten werden sie aufstehen gegen die Nazis”, erklärt Ideengeber Markus Stork.

Am Samstag, 7. April, setzt sich ab 14 Uhr der Solidaritätsmarsch Richtung Mühle in Bewegung. Dann wird auch das längste Protestbanner der Welt vom Kaiserplatz bis zur Mühle ausgerollt. „Und falls die Rechten ein bisschen länger bleiben, machen wir einfach weiter Programm”, kündigen die Akteure an und appellieren: „Wer Rechtsradikale laufen lässt, macht sie salonfähig. Stolberger, sorgt dafür, dass das nicht passiert!”

Die Aktionen und Programmpunkte im Überblick

Mittwoch, 4. April: 16 Uhr, Ausstellungseröffnung im Rathausfoyer; 18 bis 21 Uhr Einladung zum „Langen Mittwoch auf der Mühle” mit Infoständen und Kunstaktion.

Freitag, 6. April: 13.45 bis 14 Uhr gemeinsames Gebet der Muslime und Gäste auf dem Jordansplatz, schon ab 13 Uhr ist Gelegenheit für Gespräche; 18 Uhr ökumenischer Kreuzweg ab Vogelsangkirche, auch daran nimmt die Ditib-Gemeinde teil.

Samstag, 7. April: ab 12 Uhr Programm auf dem Kaiserplatz „Mit Musik gegen Neonazi-Parolen”. Auf der Bühne präsentieren sich u.a.: eine Sambagruppe von Kulturmanager Max Krieger, Hubert vom Venn, Gitarrist „Carlos”, die „City Starlights” mit Jugendbotschafterin Natalie, Künstler gegen Rechts und eine Zumba-Gruppe des Helene-Weber-Hauses. Die „City Starlights” laden Kinder und Jugendliche ein, mit zu tanzen. Ab 14 Uhr Demozug zur Mühle. Auf dem Jordansplatz findet die Abschlusskundgebung statt.

Damit das längste Protest-Banner der Welt noch länger wird, können weiter selbstbemalte Tücher (Höhe 1,20 Meter, Länge beliebig) an der Information im Rathaus abgegeben werden, Info: Telefon 13-205.

Auch Protest von oben soll es geben: Bunte Luftballons werden als sichtbare Zeichen über dem Jordans­platz aufsteigen.

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