Kupferhof stellt Stolberger Stadtplaner vor eine Herausforderung

Von: Christian Altena
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xx Foto: Stadtarchiv Stolberg / Toni Dörf­linger ▶Seite 22

Stolberg. Würfelförmig und postmodern zeigt sich das Gebäude, das heute die Szene an der Rathausstraße beherrscht, die vor über einhundert Jahren durch den Standort eines verlorenen, altertümlichen Bauwerks völlig anders wirkte. An der Ecke der Rosentalstraße errichtete Johann Rösseler im Jahr 1959 ein Möbelgeschäftshaus, das sich heute saniert und renoviert als Bürohaus zeigt.

Bis 1910 stand hier eine Gebäudegruppe, die zwar einerseits bis heute der einzige Kupferhof ist, der unmittelbar an der Hauptverkehrsstraße der Talachse steht, andererseits aber bisher am wenigsten Details seiner Geschichte preisgibt. Im Gebäude links daneben war das Elektrizitätsamt untergebracht und bis zum Abbruch 1910 ragte das „Weiße Haus“, wie es im Volksmund wegen seines Verputzes hieß, und der Hof bis weit in die Rathausstraße hinein.

Oder besser gesagt, die Stadtplaner der Kaiserzeit strebten eine weitaus breitere Straße an, als sie zuvor existierte, und die forderte ihren Raum. Da standen nun Teile des Kupferhofs Rosenthal im Wege. Dieser wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegründet und bestand ursprünglich aus einem lockeren Baubestand mit einem Hammerwerk im Kern. Die Mühle lag direkt am Rosenthaler Mühlgraben, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Vichtbach abgezweigt wurde und alle Mühl- und Hammerwerke Untersolbergs mit der notwendigen Wasserkraft versorgte.

Nach und nach wurde das Mühlengebäude zu einer geschlossenen Hofanlage erweitert, dessen Tor noch heute auf der rückwärtigen Seite zu finden ist. Dieser kuriose Umstand ist der Tatsache geschuldet, dass die Hauptstraße durchs Vichttal bis vor etwa dreihundert Jahren dort anders verlief, nämlich vor dem Tor und genau dort, wo das Herrenhaus Rosenthal 1724 durch den hiesigen Baumeister Tilmann Ruland errichtet wurde.

Prächtige Residenz

Der Bauherr Johannes Schleicher, damals wohl der reichste der Stolberger Kupfermeister, baute sich nicht nur die prächtigste Residenz, die man in der Kupferstadt je gesehen hatte, sondern verlegte dafür auch den Straßenverlauf in die heutige Lage. Auch damals schon ein Zugeständnis an einen effizienten Verkehrsfluss, der in der Blütezeit des Stolberger Messingproduktion von Karren mit Kohle-, Galmei-, Kupfer- und Messingladungen geprägt sein muss.

Als nun die Stadtplaner um 1900 noch breitere und geordnete Straßen planten, teils schon asphaltiert für Automobilreifen, waren die Neubauten schon durch die Fluchtlinienverordnungen platziert worden: die Fassaden der historistischen und Jugendstil-Prachtbauten der Stolberger Knappschaft von 1908, später Sitz der Industrie- und Handelskammer, und der Stolberger Bank von 1907 sind auf dem historischen Foto noch durch das vergleichsweise uralte Mühlengebäude verstellt. Schätzungsweise acht Meter wurde die Trasse zurückverlegt und einige Bauteile des Hofes Rosenthal dafür wie mit einem Skalpell abgetrennt. Besonders deutlich wird dies in der Rosentalstraße, die als neue Straße von 1910 die Hofanlage durchschnitt.

Hof wie ein Kuchen angeschnitten

Den Teilabbruch des alten Kupferhofes nutzte man damals für eine Umgestaltung, so dass heute in der rechten Bildhälfte ein weiß verputztes, mit Pilastern und Mansarddach gegliedertes Bauensemble nicht die klassische Kupferhofgestalt aufweist.

Blickt man in die Seitenstraße, sieht man deutlich, wie der Hof angeschnitten wie ein Kuchen wirkt. Und doch kann der Bauteil, der auf dem aktuellen Bild erscheint, durch seine Größe und Lage als mögliches altes Herrenhaus gedeutet werden.

Versteckt liegen heute alle Kupferhöfe der Stadt abseits der Hauptverkehrsader. Sie lagen einst verstreut im Tal, das sie architektonisch dominierten, und wo sie später der Magistrale im Weg waren, mussten sie oftmals dem rollenden Verkehr weichen.

Oder sie wirken wie Fremdkörper, die sich an Ordnung und Fluchtlinien des 19. und 20. Jahrhunderts nicht halten, so wie das Rosenthal, der alte Hof, von dem weder Erbauer, noch das genaue Datum oder gar der ursprüngliche Name bekannt sind. Und das macht Stolbergs Innenstadt so spannend für Bewohner, Besucher und Planer: die teils chaotisch gewachsene Struktur vieler Jahrhunderte, die immer wieder Herausforderungen und Überraschungen bereithält.

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