Kupferhof: Einweihung des sanierten Ostflügels

Von: -jül-
Letzte Aktualisierung:
6701368.jpg
Impressionen: Michaela und Michael Wirtz mit Pastor Hans-Rolf Funken bei der Einsegnung. Foto: J. Lange
6702809.jpg
Der wieder geöffnete Innenhof des Osttraktes. Foto: J. Lange
6702813.jpg
Der Architekt Michael Dahmen. Foto: J. Lange
6702818.jpg
Michaela Wirtz mit der Skulptur von Michael Esbin im Innenhof. Foto: J. Lange

Stolberg. „Ich habe das schönste Büro – direkt mit Blick auf die Weihnachtstanne“: Überall, wo man die Tür zum neuen Arbeitsplatz im sanierten Kupferhof aufstößt, freuen sich die Mitarbeiter über ihr neues Domizil. Das macht die Hausherren erst recht stolz.

Michaela und Michael Wirtz nutzen die Einweihung und Einsegnung durch Pastor Hans-Rolf Funken, um die zahlreichen geladenen Gäste persönlich durch den Osttrakt des Ensembles zu führen, das so viel mit der Familiengeschichte zu tun hat. Und das hat nach dem umfangreichen Umbau wieder die Umrisse wie in historischen Zeiten.

Für die Familie ist es ein doppeltes Jubiläum, das an diesem Tag begangen wird. Mit dem Geschäftsbereich Deutschland kehrt das Unternehmen an den Standort zurück, wo es vor 65 Jahren am 29. Januar 1946 gegründet worden ist. Ein Ort, „in dem wir als Familie Wirtz seit 125 Jahren in ununterbrochener Folge leben und gedeihen“, sagt Michael Wirtz. Es war die Urgroßmutter Apollonia Wirtz geborene Marx, die am 22. Dezember 1888 als Alleininhaberin der Firma Mäurer & Wirtz den alten Kupferhof Grünenthal gekauft und einige Monate später die Konzession der Regierung Aachen zur Herstellung von Seifen und Waschpulver in diesen Räumen erhalten hatte. Um die Produktion durchführen zu können, wurden der Innenhof zugemauert und neue Decken eingezogen.

Lob für den Architekten

Das Familienunternehmen blieb dem Grünenthal treu. Lediglich nach dem Ersten Weltkrieg mietete sich als Geschäftspartner die Kartonagefabrik Hoyer zeitweise ein, und zum Ende des Zweiten Weltkrieges requirierte die US-Armee das Haus als Offiziersunterkunft. Anschließend begann die Familie am Ufer der Vicht als erstes deutsches Unternehmen mit der Produktion von Penicillin. Die Geschäfte liefen, Grünenthal expandierte, baute im Dollgarten eine Produktionsstätte und siedelte sich im Eilendorfer Feld an. „Und was bleibt hier übrig?“, fragte sich seinerzeit Wirtz, der die Konzen­tration des Werkes im Nachbarort selbst betrieben hatte. „Da kam mir ein Satz von Bundespräsident Gustav Heinemann unter: Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren will“, erzählt der Gesellschafter. „Das war der Auftakt zum Tanz.“

In monatelanger Kleinarbeit wurde der Innenhof wieder freigelegt und präsentiert sich heute als lichtdurchfluteter Mittelpunkt für die mehr als 80 Mitarbeiter, die die Geschicke des Familienunternehmens in Deutschland von seiner Wiege aus leiten. Anhand der alten Pläne wurden die Flächen zu Vichtbach und Kupferhof so verkürzt, dass „jeder Arbeitsplatz mit seiner Nähe zu Licht und Luft direkt erreichbar ist“, lobt Wirtz den Architekten Michael Dahmen, ein Stolberger, der mit seinen Partnern Döring und Joeressen mit dem eigenen Büro „ddj“ in Düsseldorf residiert. „Was Sie geleistet haben, ist hochachtungsvoll“, lobt der Bauherr die stundenlange Kleinarbeit der vergangenen eineinhalb Jahre.

Treppenhaus hinter Glas

Zwei neue Treppenhäuser und ein neuer Aufzug wurden integriert; die historische Treppe im Türmchen (aus dem heraus vor dem Ersten Weltkrieg Dr. Franz Wirtz senior als Hauptmann über 140 Soldaten beim Exerzieren auf dem als Kaserne dienenden Kupferhof-Gelände kommandierte) ist durch eine Glaswand sichtbar geblieben.

Die Namen von Stolberger Kupferhöfen tragen die unterschiedlichen schallisolierten Konferenz- und Besprechungsräume. Den dicken historischen Mauern musste auch die Technik Tribut zollen. Zahlreiche WLAN-Sender sind erforderlich, um in den hellen und funktionalen Büros einen problemlosen Internetempfang zu ermöglichen. Doppelte Böden verbergen kilometerlange Kabelleitungen. Hellbrauner Teppich auf den Gängen, Grünenthal-Grün auf den Böden von Teeküchen und Kantine, Kalksteinpfeiler und gediegenes Holz unterstreichen die hochwertige Architektur, die die Handwerker mit hoher Qualität Realität werden lassen, wie Michael Wirtz mit Blick auf Dieter Philipp, den Ehrenpräsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks lobt.

Über Zahlen wird an diesem Tag nicht viel gesprochen. Nur so viel verrät Michaela Wirtz, dass das Budget in etwa eingehalten wird – trotz aller Überraschungen und flexiblen Entscheidungen, die die Umgestaltung historischer Bausubstanz so einmal mit sich bringt.

Ein Herz für die Kultur

Substanz in bester Qualität sowie mit Sorgfalt und Liebe ausgewählt sind auch die zahlreichen Kunstwerke, die Wände und Freiflächen im Osttrakt nun schmücken. Besonders beachtenswert sind beispielsweise die Gemälde von Oswaldo GuayasamÍn, der auch als „Picasso Lateinamerikas“ bekannt ist. Zwei Bänder verbindet die Stolberger Unternehmerfamilie mit dem 1999 verstorbenen Maler und Bildhauer aus Ecuador: Man lernte sich gegenseitig kennen und schätzen; und Michael Wirtz ist Honorarkonsul Ecuadors. Das Konsulat ist im Westflügel des Kupferhofes zu finden. Und so kaufte die Familie 20 Bilder aus einer Ausstellung mit 80 Werken in der Berliner Botschaft.

Eigene persönliche Geschichten verbindet die Familie beispielsweise auch mit weiteren Skulpturen, etwa der „Linse“ des Schweizer Bildhauers Jürg Gartmann oder der Marmorarbeit „Boundless“ des im amerikanischen Brooklin geborenen Bildhauers Michael Esbin, der derzeit im italienischen Carrara arbeitet.

Bei so viel kulturellem Interesse ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis ein weiteres Stück der Geschichte Grünenthals an ihre Wiege zurückkehrt: die „kleinen Kunstausstellungen“, die in den 80er Jahren bereits für viel Aufsehen im Ostflügel des Kupferhofes gesorgt hatten und von Karl-Heinz Oedekoven organisiert wurden, der jetzt ebenfalls mit seinen Kolleginnen und Kollegen des Geschäftsbereiches Deutschland zurück an die Ursprünge des Unternehmens heimgekehrt ist. Vielleicht zum Auftakt mit Bildern von Peter Rotheudt, der damals wie heute die von Oedekoven inspirierten Ausstellungen fotografiert und auch jetzt die Ereignisse im Unternehmen Grünenthal im Bild festhält – sicherlich auch am 9. Dezember, wenn die in die Kupferstadt zurückgekehrten Grünen­thaler im internen Kreis ihr neues Domizil einweihen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert