Stolberg - Kuota-Indeland gibt immer wieder gute Fahrer ab

Kuota-Indeland gibt immer wieder gute Fahrer ab

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Drinnen fahren ist nichts für echte Sportler: Markus Ganser flüchtet deshalb zum Training in die Sonne, vorher präsentiert er aber noch das Teamrad für die neue Saison. Foto: K. Linden

Stolberg. Die Jungs können einem im Moment wirklich leid tun. Wer sich als Radprofi derzeit in Form bringen will, dem bleibt nur die Rolle. Während draußen der Schnee sein Unwesen treibt, droht drinnen die Lageweile.

Die Rolle - ein Gerät, auf dem man das Rennrad platziert - gibt dem Radfahrer die Möglichkeit, in den eigenen vier Wänden zu trainieren. Nur, dass diese einen irgendwann erdrücken.

„Nur zwei Stunden auf der Rolle, und du wirst verrückt”, sagt einer, der es wissen muss. Markus Ganser ist Teamchef des Stolberger Radprofiteams Kuota-Indeland, und ihm tun seine Jungs leid, die derzeit mehrere Stunden pro Tag mit der Rolle in medias res gehen.

14 Fahrer am Start

14 Fahrer sind es derzeit, die der Breiniger unter Vertrag hat. Zwar ist die Planung noch nicht ganz abgeschlossen, aber sicher ist, dass der Kader in der kommenden Saison kleiner wird als zuletzt, als 17 Fahrer für die Stolberger Mannschaft strampelten. „Für ein Continental-Team waren wir immer recht groß”, sagt Markus Ganser, jetzt gehe man auf das Normalmaß, das in dieser Klasse 12 bis 14 Fahrer umfasst.

Zwei prominente Abgänge hat er dabei zu beklagen - oder zu bejubeln, je nachdem welche Sichtweise man an den Tag legt. „Es ist zwar nicht unser Ziel, immer Leute in die höchste Klasse abzugeben, aber wenn man die Jungs dann bei großen Rennen sieht, dann freut man sich für sie. Das macht einen ja auch stolz”, sagt Ganser.

Neben Luke Roberts, der sich dem deutschen Aushängeschild Milram anschließt, wird auch Andreas Stauff das Team in Richtung Protour verlassen. Der 22-Jährige wechselt zum belgischen Rennstall Quickstep und wird dort unter anderem mit dem Sprinterkönig und Straßenweltmeister von 2005, Tom Boonen, zusammenfahren.

„Für mich ist das eine große Chance, die ich nicht ungenutzt lassen möchte”, sagte Stauff, der sich vor allem auf die belgischen Klassiker freut. Und freuen kann sich der Kölner auch über das Entgegenkommen seines bisherigen Teamchefs. „Er hatte bei uns schon für die kommende Saison unterschrieben”, sagt Ganser über seinen Sprinter, der vergangene Saison drei Siege für Kuota-Indeland einfuhr. „Aber wenn ein junger Mann so eine Chance bekommt, dann lassen wir ihn natürlich ziehen.”

Geld verdienen kann man nämlich nur bei den großen Teams, da können sich Fahrer in Continental-Mannschaften noch so sehr Profis nennen. Denn auch wenn die Bedingungen und die Trainingsleistungen professionell sind - die Bezahlung ist es nicht. „Die Fahrer verdienen bei uns gar nichts”, sagt Markus Ganser, der sich bewusst ist, dass jeder Bezirksliga-Fußballer mit seinem Sport mehr bekommt als seine Jungs.

Mehr als das Aufteilen von Preisgeldern, die nur sehr selten üppig ausfallen, ist für die Fahrer nicht drin. „Die Jungs sind einfach Lebenskünstler, zum Teil Studenten, manche haben einen Halbtagsjob.” Ansporn sei neben der Möglichkeit, für ein paar Jahre die Welt zu sehen - „wir waren in Japan, Thailand, Südafrika, Amerika und überall in Europa” - vor allem der Traum, den großen Sprung zu schaffen. „Diesen Traum muss man leben, wenn man die Chance dazu bekommt”, sagt Ganser, warum Kuota-Indeland dem nicht im Weg stehen will und quasi als Ausbildungsbetrieb dient.

„Natürlich ist das ein Verlust für uns”, sagt der Teamchef gerade auch mit Blick auf Luke Roberts, zu dem viele Fahrer im Team aufgeschaut haben und der obendrein ein richtig netter Kerl war. „Aber solche Stars sind bei uns groß geworden, und genauso werden auch wieder andere bei uns groß herauskommen.”

Markus Ganser selbst ist als aktiver Sportler längst auf Triathlon umgestiegen - und hat die nächste exotische Herausforderung fest im Blick: Am 14. März will er beim Ironman China in Haikou starten. Doch vom derzeitigen Wetter und dem Training auf der Rolle hat der 37-Jährige die Nase gestrichen voll und ist spontan im Reisebüro vorbeigeschneit. Am Dienstag geht der Flieger nach Lanzarote, bis Sonntag wird dort in der Sonne trainiert - auf richtigen Straßen.
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