„Kunstwerkstatt”: Ein Gewinn für die Stolberger Kunstszene

Von: Dirk Müller
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Das Atelier von Gerda Zuleger-
Das Atelier von Gerda Zuleger-Mertens und Prof. Dr. Hans-Wolfgang Menges (SPELL) in Zweifall bot den Besuchern eine Fülle von eindrucksvollen und vielfältigen Exponaten in einer faszinierenden Schau. Foto: D. Müller

Stolberg-Zweifall. Dass die Kunstszene der Kupferstadt durch einen neuen Standort enorm bereichert wird, davon konnten sich die Besucher der Ausstellung „Kunstwerkstatt - Kunst statt Werk” jetzt überzeugen.

In Zweifall erwartete sie eine imposante Schau, die durch ihre Vielfalt, die Anzahl der Exponate und vor allem die Qualität des Schaffens der Künstler beeindruckte. Seit Ende vergangenen Jahres haben Gerda Zuleger-Mertens und Prof. Dr. Hans-Wolfgang Menges (Künstlername SPELL) ihr gemeinsames Atelier am Frackersberg 24 eingerichtet und nun die Pforten ihrer „Kunstwerkstatt” eröffnet, um „Kunst statt Werk” in mehreren Räumen zu zeigen.

Mit der Eschweilerin Zuleger-Mertens und dem gebürtigen Heidelberger Menges, der in Aachen lebt, fanden im Zweifaller Atelier zwei eigenständige und unterschiedliche Künstler zusammen. Zuleger-Mertens ist Diplom-Designerin und studierte Kunst bei Prof. Ernst Wille. In ihrer Malerei ist die Grenze vom Abstrakten zum Gegenständlichen fließend.

Mutet die in „Feuchtgebiet” dargestellte Sumpflandschaft im Wald noch naturalistisch an, wirken andere großformatige Bilder wie „Minotaurus” oder „Eva” tief atmosphärisch, nahezu mystisch. Ebenfalls ausdrucksstark fesseln abstrahierte Aktstudien den Blick, und ungegenständliche Kleinserien wie „die Farbe Rot” bestechen in ihrer kraftvollen Intensität.

Plakativ oder hintergründig

Zuleger-Mertens malt, zeichnet und erarbeitet Fotokollagen, beherrscht das Plakative und das Hintergründige gleichermaßen. Ihre Werke sind sinnlich wie sinnig, mittels vorzüglicher Farbgebung kreiert sie Räume, Stimmungen und Situationen - in ihren Bildern sowie im Inneren des Betrachters.

Ein gemeinsamer Nenner ihres und Menges Schaffens war im Dachgeschoss des Ateliers in Zweifall zu entdecken. Dort waren neben den acrylübermalten Fotokollagen „Vergangenheitsspuren” auch aufwühlende Bilder aus der Serie „Majdanek” zu sehen. Die ergreifende Serie stellte Zuleger-Mertens 1996 in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Majdanek in Polen aus.

Den Großteil des Dachgeschosses nahmen ebenfalls sozialkritische Installationen von Menges ein, wie der „Abendmahltisch der Kinder Uganda 2010”. Die in Schwarz-Weiß gehaltene, lange und niedrige Kindertafel ist nicht nur zum Essen spärlicher Reisteller gedeckt: In ihrer Mitte sind zwei gekreuzte Maschinenpistolen angerichtet. Im Erdgeschoss der „Kunstwerkstatt” mischten sich die Bilder von Zuleger-Mertens unter anderem mit der abstrakten Malerei von Menges oder seinem „Portrait in sechs Versionen” - Ölmalerei auf Leinwand mit aufgetragener Papierstruktur.

Den Übergang von Malerei zu Installation markierten Werke wie „eurasischer Hase”, bei denen Objekte, Fundstücke und Materialien in Bilderrahmen oder Schubladen gefasst auf Leinwand angebracht sind. Menges studierte an der Kunstakademie in Mannheim und später an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys sowie zeitgleich Psychologie und Humanmedizin in Heidelberg und Düsseldorf. Die Doppelprofession des Chirurgen lässt auch die Medizin in seine Kunst einziehen.

Objekte aus Kunst und Medizin

So zeigte die Rauminstallation „Denk mal Gehäuse” Objekte aus Kunst und Medizin, Medizin, die zu Kunst wird, wie es auch in vielen von Menges Bildern geschieht. Digital kolorierte Fotogramme wie „Mimik meines linken Knies nach dem großen Schmerz” und andere collagierten Röntgenbilder zeugen von Menges „Med-Art”. Ebenso wie „ein Abendmahl”: In einem Unterstand des Gartens hinter dem Zweifaller Atelier befand sich eine kunstmedizinische Interpretation des neutestamentarischen Themas; ein Digitaldruck auf großformatigem PVC-Banner zeigte Ärzte statt Apostel um einen OP-Tisch, auf dem eine Monstranz erstrahlt.

Bei der Ausstellung, die das neue Atelier am Frackersberg vorstellen sollte, wird es nach Aussage der beiden Künstler nicht bleiben. „Wir wollen drei-, viermal im Jahr unsere Türe öffnen. Auch Kulturarbeit mit Kindern und Jugendlichen und der Kombination Kunst und Musik ist geplant”, erklärt Zuleger-Mertens.

Und Hans-Wolfgang Menges ergänzt, dass die beiden Protagonisten den neuen Zweifaller Kunststandort außerdem in naher Zukunft mit der vielfältigen Kupferstädter Kunstszene vernetzen wollen: „Im nächsten Jahr werden wir gerne bei der Kunstausfahrt ,Art Tour de Stolberg von Zweifall aus mitwirken.”
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