Kunsthof-Ausstellung: Picasso als Tonkünstler

Von: BB
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Stolberg. Pablo Picasso gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder hängen weltweit in den namhaftesten Museen und Sammlungen. Selbst einfache Zeichnungen und Skizzen erreichen bei Auktionen fünf- bis sechsstellige Summen. Pablo Picasso war ein Künstler, der immer wieder versucht hat, sich neu zu erfinden, indem er seine Motivwelt mit den unterschiedlichsten Techniken und Materialien darstellte.

Angelika Kühnen war immer schon begeistert von Picassos Gesamtwerk. So hat sie im Kunsthof mehrfach Werke dieses Genies ausgestellt. Sehr erfolgreich war vor allem die Ausstellung „Picassos Li­nolschnitte“. Nun ist es Angelika Kühnen erneut gelungen, ein wichtiges künstlerisches Thema in Picassos Leben als Ausstellung zu konzipieren: „Picassos Keramikarbeiten“.

Picasso in Vallauris

Im Kunsthof an der Hostetstraße 54 werden ab 9. März Blätter von 18 keramischen Arbeiten präsentiert. Es handelt sich hierbei um eine äußerst seltene Sammlung von Bildern, die zur ersten Keramik-Ausstellung Picassos im November 1948 angefertigt wurden.

Pablo Picasso lebte in den Nachkriegsjahren 1946/47 überwiegend an der Côte d‘Azur. Dort lernte er die Töpfer Susanne und George Ramié kennen. Aus Neugierde beobachtete Picasso immer öfter, wie seine Freunde, die Ramié, in ihrem traditionellen Töpferhandwerk behaftet waren.

Schließlich ließ es ihm keine Ruhe mehr, und er begann, aus dem Ton von Vallauris in der Töpferei „Madoura“ Figurenkreationen nach eigenen Vorstellungen zu formen. Fast ein ganzes Jahr lang machte er nichts anderes mehr. Zu Beginn waren es vorwiegend Teller, bevor er sich immer mehr an Vasen und andere Gefäße wagte. Susanne und Georges Ramié brannten die Kunstwerke Picassos anschließend in ihren Öfen.

Es wurde eine intensive Zusammenarbeit, die etwa acht Jahre lang andauerte. Alleine in den ersten beiden Jahren bis Ende 1948 entstanden so etwa 1500 keramische Arbeiten. Picasso ritzte mit einem Pinselkiel oder sogar mit seinen Fingernägeln Bildmotive in die Tonmasse.

Mit der Bemalung und Lasierung der Objekte waren die Kunstwerke dann fertig. Für die erste Keramikausstellung Picassos im November 1948 wurden 149 Objekte ausgesucht. Das Ehepaar Susanne und Georges Ramié waren von den Werken derart begeistert, dass sie mit Albert Skira eine Kunstmappe mit 18 Keramiktellern Picassos herausbrachten.

Diese aufwendigen Fotoarbeiten wurden per Hand in den ovalen Tellerformaten geschnitten und auf einen speziellen Karton montiert. In einer kleinen Auflage erschien das Mappenwerk am 30. November 1948 erstmals in Genf und am 15. Dezember nochmals in Paris, jeweils in französischer Sprache. Eine weitere Auflage erschien anschließend mit deutschem Text.

Picasso hatte mit den Ramié die Motivauswahl getroffen. Picassos Art war es auch, jeweils für Bücher und Mappenwerke eine eigene Grafik zu entwerfen. So gestaltete er für diese Kunstedition einen besonderen dreifarbigen Einband. Die Zeichnungen Picassos auf den Tellern sind seine bekannten Motive: Stiere und Stierkampfszenarien, Stillleben, Faune, Gesichter und natürlich die Taube.

1950 wurde Picasso für seine Verdienste um die Wiederbelebung des Töpfereihandwerks in Südfrankreich Ehrenbürger von Vallauris.

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