Kunst kommt von der Burg in die Stadt

Von: Jürgen Lange
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Wollen mit „Artibus 7“ Burg und Innenstadt besser miteinander vernetzen: Kurator Prof. Dr. Dieter Alexander Boeminghaus und Kulturmanager Max Krieger. Foto: J. Lange
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Zum Auftakt dabei: Ales Vega, Musiker und Fotograf aus Aachen.
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Zum Abschluss dabei: Pater Heinz Sand aus Kloster Knechtsteden.

Stolberg. „Das ist eine interessante Verbindung, die mit Qualität überzeugen wird“: Bürgermeister Ferdi Gatzweiler ist begeistert vom Konzept der Artibus-Reihe 2013, das Professor Dr. Dieter Alexander Boeminghaus als Kurator und Kulturmanager Max Krieger entwickelt haben.

Mit der siebten Auflage der Ausstellungen in der Galerie der Burg wird die Kunst quasi aus ihrem Elfenbeinturm herunter bis mitten in die Stadt getragen.

Dort sollen sich nicht nur die vielen auswärtigen Besucher für das kulturelle Angebot der Kupferstadt begeistern, sondern auch die Stolberger für die qualitative Präsenz gewonnen und zu ihrer Burg gelockt werden. Und bei der Vernissage im Stolberger Wahrzeichen möchte die Stolberg-Touristik zukünftig die Besucher „abholen“, um ihnen mit speziellen Schnupperführungen die Schönheiten der Altstadt näher zu bringen.

„Wir wollen intensiv Netzwerke knüpfen“, sagt Max Krieger und erinnert sich an eine Vernissage in der Galerie zeitgleich mit dem Kürbismarkt auf dem Alter Markt. „Beide Veranstaltungen hätten von einander mehr profitieren können“, bilanziert der Kulturmanager selbstkritisch, dass die Kupferstadt besser in Szene gesetzt werden kann, denn jede Veranstaltung hatte überwiegend ihre eigenen Besucher.

Von einem ähnlichen Erlebnis erzählt Boeminghaus, von Gesprächen mit einem durchaus kunstkundigen Stolberger. Nur die kulturellen Angebote in der Heimatstadt nahm er nicht wahr. „Da muss etwas nicht stimmen“, siniert der Kurator. „Sie trauen der eigenen Stadt nicht zu, dass sie etwas Besonderes auf die Beine stellt“; sagte der dem Stolberger auf den Kopf zu. Nach anfänglicher Empörung stimmte dieser dann später zu. Der Erkenntnis, dass Stolberger Qualität und Angebote ihrer Stadt zu wenig schätzen, will Boeminghaus nun gegensteuern. Denn die Artibus-Reihe laufe von Jahr zu Jahr besser. „Es werden immer mehr Bilder verkauft, und es kommen immer mehr Besucher“, resümiert Boeminghaus. „Nur Stolberger sind selten darunter.“

Die Idee wird geboren, die Stadt selbst in das Kunstgeschehen einzubeziehen. Nicht mehr ausschließlich in der Galerie, sondern auch mitten in der Innenstadt soll Kunst präsentiert, Bilder und Objekte aus dem Turm an die Ufer der Vicht geholt werden. In der 7. Artibus-Saison erfolgt wie gewohnt zuerst die Vernissage in der Burg-Galerie, mit einer Zeitverzögerung sollen einige Kunstwerke dann in Geschäften, Geldinstituten und weiteren gut besuchten Lokalitäten präsentiert werden.

„Wenn die Stolberger nicht zur Kunst kommen, kommt die Kunst zu ihnen“, sagt Boeminghaus. Mit vier Ausstellungen wird der Versuch unternommen, mit Hilfe der Kunst die Stadt einmal mit ganz anderen Augen zu erleben, „um etwas zu entdecken und zu erkennen, das bisher den meisten Bürgern verborgen blieb“. Dazu wird Stolberg mit Attributen belegt, die gewöhnlich Kunstwerke charakterisieren.

Vier Ausstellungen

So lautet der Titel zum Auftakt vom 17. März bis 28. April „Stolberg bewegt“. Beispielhaft für alle Einwohner wird der Focus dabei auf „die Stolbergerin“ gelegt. Das macht der Fotograf Ales Vega, der bereits bei „Artibus 5“ ausstellte und die Reihe auch mit seiner Band begleitet. Die Burg kennt der Aachener schon, die Innenstadt zu lieben, lernt er erst jetzt kennen.

„Das ist so fantastisch und vielfältig, wie ein Abenteuer“, erzählt Boeminghaus von Vegas ersten Eindrücken. Bei der Vernissage in der Burg-Galerie können sich die Aussteller aus der Innenstadt dann Motive aussuchen, die sie in ihren Geschäftslokalen etwas später präsentieren können. Reaktionen von Besuchern sollen dann dabei eingefangen werden.

Das Wasser im Stadtbild gibt der zweiten Ausstellung „Stolberg spiegelt sich“ (5. Mai bis 23. Juni) das Thema. „Wasser mitten in der Stadt ist ein großes Gut für das Stadtbild“; sagt Boeminghaus. „Die Voraussetzungen in Stolberg sind ideal; sie müssten nur besser in Szene gesetzt werden“. Eine Aussage, die auch die Bemühungen von Stadtplaner Andreas Pickhardt um eine verbesserte Einbeziehung von Vicht und Bastinsweiher in die Gestaltung der Innenstadt unterstreichen.

Jetzt soll mit künstlerischen Mitteln versucht werden, diese Stolberger Sehenswürdigkeiten ins rechte Licht zu setzen. Marie Madeleine Bellenger (Zeichnung, Fotografie) aus Euskirchen und Peter Henn (Wasserobjekte, Modelle) aus Monschau sind bereits von dem Versuch begeistert.

Insbesondere auch Künstler aus Stolberg sind aufgerufen, sich der dritten Ausstellung „Stolberg zeigt Gesicht“ (11. August bis 29. September) zu widmen. „Wir wollen den Versuch einer großen Kunstaktion wagen“, sagt Boeminghaus. Denn neben der Burg-Galerie sollen die Werke vor allem in der Gastronomie präsentiert werden und sich dem Thema „Stolberg“ stellen. Ein weiteres Netz wird geknüpft. Gäste für die Kupferstadt und ihre Künstler ebenso sensibilisiert wie für weitere kulinarische Angebote.

Das Thema „Warten“ bestimmt bei „Artibus 7“ die abschließende Ausstellung: „Stolberg erwartet mehr“ (6. Oktober bis 10. November) thematisiert ebenso Wartezeiten wie Erwartungen – beispielhaft im Krankenhaus. Und so ist das Bethlehem Gesundheitszentrum ein idealer Kooperationspartner. „In der Burg-Galerie werden Ideen, Konzepte und Vorstellungen präsentiert“, kündigt Boeminghaus an, „die dann real im Krankenhaus ausprobiert werden sollen“ . Neben weiteren Akteuren hat der Kurator bereits Pater Heinz Sand, „Spell“ Hans-Wolfgang Menges und Hajo Peters für das Thema gewonnen.

Weitere Mitstreiter sowie Details werden noch während der kommenden Wochen entwickelt und festgelegt, kündigen Max Krieger und Prof. Dr. Dieter Alexander Boeminghaus an: „Die Namen einzelner Akteure werden zu Beginn einer jeden Aktion bekannt gegeben, denn bis zum Schloss soll die Möglichkeit für eine Beteiligung und das Vorstellen interessanter Werke offen bleiben“. Auch unsere Zeitung wird die Aktivitäten von „Artibus 7“ intensiv beobachten und mit themenspezifischen Cartoons des Aachener Künstlers Manfred Förster begleiten können.

Intensiver denn je vernetzt ist „Artibus 7“ auch mit weiteren etablierten Kunstveranstaltungen in der Kupferstadt, erläutert Galeristin Christa Oedekoven. Bei der vierten „Art Tour de Stolberg“, die auf das komplette erste Mai-Wochenende ausgedehnt ist, werden sich ein gutes Dutzend Galerien und Ateliers beteiligen, ebenso wie bei die 5. „Kunst auf dem Weg“ am 25. August mit der Artibus-Reihe korrespondiert und sich die Organisatoren absprechen. Und am 28. September beleuchtet die Ausstellung „Based in der Städteregion“ den Leerstand in der Innenstadt.

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