Kunden geben Geld lieber bei Grüttemeier ab

Von: nina lessenich
Letzte Aktualisierung:
8652408.jpg
Kassierte fleißig für Klein und Groß: Bürgermeister Tim Grüttemeier fand sich am Donnerstag in einer ganz neuen Situation wieder. Anlässlich der Eröffnung der neuen „dm“-Filiale in Stolberg-Atsch übte er sich eine Stunde lange als Kassierer. Foto: Nina Lessenich
8652354.jpg
Dicker Scheck: Torsten Wentland, Filialleiterin Dascha Kuß und Tim Grüttemeier rührten Rolf Wieczarkowiecz und Valentin Schmitz von der Tafel zu Tränen (v.l.).

Stolberg-Atsch. „Zweite Kasse bitte“, hört man es für gewöhnlich schnell durch die Geschäfte schallen, wenn die Schlange an der Kasse mal ein wenig länger wird. Nicht so jedoch am Donnerstag in der neuen „dm“-Filiale in Atsch: Hier sitzt nämlich der Bürgermeister persönlich am Ende des Laufbands.

Zur Eröffnung der ersten Filiale der Drogeriemarktkette „dm“ in Stolberg verabschiedet Dr. Tim Grüttemeier sich für eine Stunde von seinem Schreibtisch im Rathaus und übernimmt stattdessen von 11 bis 12 Uhr die Kasse des neuen Marktes. Hintergrund dieser Aktion: „dm“ kündigte vorab an, die gesamten Einnahmen aus Grüttemeiers Kassierstunde an die Stolberger Tafel zu spenden.

„Wir wollen nicht einfach nur eine Filiale aufmachen, wenn wir einen neuen Standort eröffnen“, erklärt „dm“-Gebietsverantwortlicher Torsten Wentland. „Uns ist es wichtig, auch einen Beitrag zu leisten. Was kann man da besseres machen, als den Bürgermeister zu bitten, eine Stunde zu helfen, um für die Tafel zu sammeln?“

Der Bürgermeister selbst ist am Donnerstag entsprechend engagiert bei der Sache. Egal ob jung oder alt, Großeinkauf oder nur ein Fläschchen Nagellack: Jeder wird freundlich bedient – und sogar professionell nach der Payback-Karte gefragt. Bereits zu Beginn der Aktion um 11 Uhr erstreckt sich die Warteschlange an Grüttemeiers Kasse beinahe bis zum Ende des Raumes, während die anderen beiden Kassen nahezu ungenutzt bleiben. Trotz Wartezeit sind die Kunden begeistert von der Aktion – und vom Engagement des Bürgermeisters. „Mir war es egal, länger anzustehen. Wenn ich schon hier bin, möchte ich auch vom Bürgermeister kassiert werden“, sagt Ursula Schilling. Außerdem sei es ja für eine gute Sache. „Ich bin gekommen, damit er auch mal was anderes zu tun hat, als nur im Büro zu sitzen“, scherzt Marie-Luise Viehöfer. „Ich muss schon sagen: Er hat sich gut geschlagen!“ Dieser Meinung sind auch zahlreiche weitere Kunden. „Herr Grüttemeier hat das wirklich sehr charmant gemacht. Da ist man fast versucht, noch mal einkaufen zu gehen“, sagt Susanne Steinbach nach ihrem Einkauf. Auch die neue Ehrenamtsbeauftragte der Stadt Stolberg, Hildegard Nießen, lässt es sich nicht nehmen, ihren Einkauf vom Bürgermeister kassieren zu lassen. „Super macht er das. Egal ob Bar- oder Kartenzahlung: Da läuft alles einwandfrei“, meint sie.

Rolf Wieczarkowiecz, Kassierer bei der Stolberger Tafel, reiht sich ebenfalls in die Schlange an der Bürgermeister-Kasse ein. Von der Aktion ist er begeistert: „Es ist toll, dass man sich hier eine Stunde für den guten Zweck nimmt“, sagt er. Schließlich könne die Tafel jeden Cent gut gebrauchen. „Es ist auch schön zu sehen, dass Herr Grüttemeier sich für so etwas nicht zu schade ist. Er macht das da ja wirklich sehr dynamisch!“

Auch kurz vor Schluss der Aktion reist die Schlange nicht ab: Zahlreiche weitere Kunden wollen sich an der Aktion beteiligen und für den guten Zweck spenden. Pünktlich zur vollen Stunde wird Herr Grüttemeier dann jedoch von den Mitarbeiterinnen der Filiale abgelöst – und siehe da: Plötzlich verteilt sich der Ansturm auf alle drei Kassen.

Nach einem kurzen Kassensturz kann dann schnell Bilanz gezogen werden: Ganze 3500 Euro konnte Grüttemeier in seiner Stunde abkassieren. Torsten Wentland legt gleich noch einen drauf und treibt Rolf Wieczarkowiecz, Valentin Schmitz und Inge Schüler von der Stolberger Tafel damit die Freudentränen in die Augen: Die Drogeriekette verdoppelt den Spendenbetrag für die Tafel auf 7000 Euro. „Wir sind wirklich überwältigt von dieser Summe. Damit haben wir nicht gerechnet. Mir hat es gerade fast die Beine weggehauen“, sagt Inge Schüler. Der Betrag sei eine der höchsten Spenden, die die Stolberger Tafel je bekommen habe. Das Geld wolle man nun in erster Linie für das Betreiben der Kühlwagen nutzen, in denen die Lebensmittel der Tafel gelagert würden.

Auch Bürgermeister Tim Grüttemeier ist sehr zufrieden mit der Aktion. Nichtsdestotrotz wäre es aber eine Herausforderung gewesen. „Ich habe heute gemerkt, wie anstrengend so ein Job sein kann“, sagt er bei der Scheck-Übergabe. „In Zukunft habe ich mehr Respekt, wenn ich selbst einkaufen gehe!“ Spaß gemacht hätte ihm die Stunde aber dennoch. „Ich bleibe aber trotzdem lieber bei meinem Job“, sagt er und lacht. „Wir würden ihn aber auch sofort einstellen“, wirft Torsten Wentland ein.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert