Kulturmanager Max Krieger: Neue Wege mit Kleinkunst

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Kulturmanager Max Krieger ist selbst Hobbymusiker. Bei dem aktuellen Stolberger Kulturprogramm schlägt er gemeinsam mit der Stadtverwaltung auch neue Töne an.

Stolberg. Seit 2006 ist Kulturmanager Max Krieger für das städtische Kulturprogramm Stolbergs verantwortlich. Am Freitag präsentierte er mit Bürgermeister Tim Grüttemeier die kulturelle Agenda 2015 für die Kupferstadt. Dirk Müller sprach mit Krieger über Neues und Bewährtes.

Während Ihrer Tätigkeit als Stolberger Kulturmanager haben Sie rund acht Jahre mit dem ehemaligen Bürgermeister Ferdi Gatzweiler zusammengearbeitet. Wie erleben Sie den Wechsel zum neuen Bürgermeister Tim Grüttemeier?

Krieger: Ich denke sehr gerne an die gute und vertrauensvolle Kooperation mit Ferdi Gatzweiler zurück – wir haben viel auf den Weg gebracht und die Zusammenarbeit war sehr angenehm. Tim Grüttemeier hat mich mit offenen Armen empfangen worden. Der neue Bürgermeister und auch der verjüngte Stolberger Stadtrat bringen einen neuen Wind in die Kulturlandschaft der Kupferstadt, was sich in manchen Änderungen bemerkbar macht. Diese müssen sich allerdings in der Praxis erst noch bewähren. Das Engagement zeigt aber ein großes und erfreuliches Interesse für die Kultur in Stolberg. Ich habe grundsätzlich die Erfahrung gemacht, dass alle demokratischen Parteien in der Kupferstadt sich bewusst sind, wie wichtig Kultur für die Bürger Stolbergs als ein Bestandteil der Lebensqualität in ihrer Stadt ist.

Welche Änderungen gibt es beim städtischen Kulturprogramm?

Krieger: Eine erste augenscheinliche Neuerung stellt schon der Flyer dar. Auf Anregung des Bürgermeisters ist nicht mehr ausschließlich das städtische Kulturprogramm darin aufgelistet. Auch andere Kultur-Highlights wie die Stolberger Museumsnacht oder die Kunstausfahrt „Art Tour de Stolberg“ hat die Stadt jetzt in den Flyer aufgenommen.

Wie beurteilen Sie, dass der Flyer nicht mehr nur von Ihnen als der Stadtverwaltung beauftragten Kulturmanager organisierte Veranstaltungen beinhaltet?

Krieger: Als wirklich positiv. Die Kupferstadt hat ja mehr zu bieten als das städtische Kulturprogramm und Initiativen wie die „Art Tour de Stolberg“, die Stolberger Museumsnacht oder der Stolberger Musiksommer zeugen schon namentlich von der starken Identifikation mit der Stadt und bereichern das kulturelle Portfolio enorm.

Der Stolberger Musiksommer ist im Kulturprogramm jetzt vertreten, stattdessen fehlen nun die Abo-Konzerte im Rittersaal der Burg.

Krieger: Weil es sie nicht mehr gibt. Besonders das vergangene Jahr hat gezeigt, dass für beide musikalischen Veranstaltungsreihen – den Musiksommer und die Abo-Konzerte – nicht mehr genügend Nachfrage vorhanden ist. Die Konsequenz daraus ist auf der einen Seite, sich auf den Stolberger Musiksommer, der jetzt auf sieben Konzerte angewachsen ist, zu konzentrieren und ihn zu stärken. Auf der anderen Seite gilt es, einen neuen Weg zu gehen.

Wie sieht dieser neue Weg aus?

Krieger: Viele Gespräche mit Stolbergern und Dr. Grüttemeier haben verdeutlicht, dass mehr Veranstaltungen aus der Sparte Kabarett und Comedy in der Kupferstadt gewünscht werden. Humoristische Unterhaltung ist beliebt, und deshalb wollen wir ab jetzt eine neue Reihe mit Kleinkünstlern wie Comedians und Kabarettisten im Rittersaal etablieren. Das soll ganz bewusst keine Konkurrenz zu bestehenden Reihen und Veranstaltungen in Stolberg, wie etwa die Kabarett-Abende in Breinig, und der Umgebung werden, sondern eine Ergänzung, bei der Qualität vor Quantität zählt. Stolberg verliert also nicht die Abo-Konzerte, da das musikalische Angebot vom Musiksommer sehr gut aufgefangen wird, sondern gewinnt stattdessen Kleinkunst-Veranstaltungen hinzu.

Was erwartet die Freunde von Kabarett und Comedy?

Krieger: In Kooperation mit der Kleinkunst Initiative Euregio wird es über das Jahr verteilt vier hochkarätige Veranstaltungen in der Burg geben, die jeweils um 20 Uhr beginnen. Schon der Auftakt ist ein Paukenschlag, wenn am Donnerstag, 26. März, Maxi Gstettenbauer in Stolberg gastiert. Stefan Raab hat ihn als „kommenden Stern am Comedy-Himmel“ bezeichnet und eigentlich untertrieben, denn Maxi Gstettenbauer ist nicht nur durch zahlreiche TV-Auftritte bekannt. Dass sein komplettes Solo-Programm „Nerdisch by Nature“ im Fernsehen bundesweit ausgestrahlt wurde, beweist: Der Stern ist am Comedy-Himmel schon angekommen.

Wird dieses Niveau gehalten?

Krieger: Ganz bestimmt, denn im September zeigt Nessi Tausendschön eine Vorpremiere ihres neuen Programms „Knietief ins Paradies“. Die Kabarettistin und Chansonsängerin ist mit dem Deutschen Kabarettpreis, dem Salzburger Stier und dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet. Im Oktober präsentiert Hastenraths Will sein brandneues Programm „Herzlich Willkommen“, das mit viel Lokalkolorit bestimmt gut ankommt. Das Jahresfinale gestaltet dann im November Knacki Deuser. Er war als Moderator und Produzent ein wichtiger Wegbereiter der deutschen Comedy- und Kabarettszene. Inzwischen ist Knacki Deuser längst zu einem der besten Stand-up-Comedians Deutschlands avanciert und aus Fernsehsendungen wie „Night Wash“, „Zimmer frei“ oder „Mitternachtsspitzen“ bekannt. Freunde des rheinischen Karnevals kennen ihn auch aus der Fernsehsitzung „Düsseldorf Helau“.

Eine weitere Neuerung betrifft „Stolberg goes...“

Krieger: Das Stolberger Kulturfestival mit Alleinstellungsmerkmal in der Euregio hat sich gut entwickelt und ist weit über die Grenzen der Kupferstadt hinaus ein Begriff. Ich bin der Meinung, dass es grundsätzlich die richtige Entscheidung war, „Stolberg goes...“ auf die Altstadt und den Bereich der Burg zu konzentrieren. Das wird auch ganz besonders bei dem aktuellen Motto „Stolberg goes Irland“ wieder zum Erfolgsrezept gehören. Mit der Burg und der schönen Altstadt kann Stolberg immer punkten, aber für Veranstaltungen mit besonders großen Publikumsmagneten fehlt dort der Raum. Selbst am Alter Markt stößt man bei Veranstaltungen mit 1000 Menschen schon an die Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen. Daher wird es auf Initiative des Bürgermeisters Tim Grüttemeier diesmal auch eine Großveranstaltung auf dem Kaiserplatz geben, wobei das Bühnenprogramm dort auch dem verkaufsoffenen Sonntag besonders zu Gute kommt. Das stellt uns vor manche Herausforderung und wird noch eine spannende Angelegenheit.

Welche Herausforderungen sind das?

Krieger: Die Altstadt soll nach wie vor im Fokus des Geschehens von „Stolberg goes...“ bleiben. Deswegen ist es angedacht, dass es vor und auch nach dem Event auf dem Kaiserplatz dort weitergeht. Die Großveranstaltung auf dem Kaiserplatz soll abends stattfinden und um ca. 22 Uhr enden. Vorher und anschließend gilt es, möglichst viel Publikum in die Altstadt zu bewegen, wo das Programm bis Mitternacht fortgesetzt wird. Das ist die eine Herausforderung. Die andere ist der Kaiserplatz selbst, der eben noch nicht umgestaltet ist. Um wirklich vielen Menschen Platz zu bieten, müsste die Bühne im hinteren Bereich aufgebaut werden, was sich bei der jetzigen Gestaltung des Kaiserplatzes mit Brunnen und Steinelementen schwierig darstellt. Es wird nicht einfach, die Großveranstaltung birgt aber die Chance in sich, das Kupferstädter Kulturfestival bei noch mehr Menschen in der gesamten Euregio bekannt zu machen und den Stellenwert von „Stolberg goes...“ zu erhöhen.

Bei allen Neuerungen setzt das Kulturprogramm auch auf Bewährtes. Etwa die Artibus-Ausstellungen in der Burg-Galerie, bei denen manche Künstler bereits im vergangenen Jahr vertreten waren.

Krieger: Ja, aber es sind durchaus auch neue Künstler vertreten. Die künstlerische Leitung der Artibus-Reihe bleibt in den versierten Händen von Prof. Rafael Ramírez Máro, der in diesem Jahr Doppelausstellungen organisiert hat, in denen sowohl Malerei als auch Skulpturen gezeigt werden. Mit dabei sind Stephanie und Wolfgang Binding, Uschi Zantis und Willi Arlt, Antonio Máro und Sabine Haborth, Rafael Ramírez und Alejandro DeCinti. Ramírez, DeCinti und Máro haben schon im vergangenen Jahr Werke präsentiert, und diese Ausstellungen waren außerordentlich gut besucht, und die Resonanz war enorm positiv. Glücklicherweise sind diese Künstler sehr aktiv, so dass wir uns jetzt auf ihre neuen Werke freuen können.

Auch das Stolberger Schüler-Theater-Festival wird fortgesetzt, obwohl ausgerechnet bei der 25. Auflage gerade einmal drei Schulen teilgenommen haben.

Krieger: Ich bin sehr zuversichtlich, dass beim 26. Stolberger Schüler-Theater-Festival das Interesse wieder größer sein wird. Diesmal werden mindestens fünf Schulen daran teilnehmen, und ich hoffe auf noch mehr. Alle Stolberger Schulen sind herzlich eingeladen mitzuwirken, und sie haben nur Vorteile davon. Jede teilnehmende Schule erhält 200 Euro als Unkostenbeitrag; Plakate, Flyer und Urkunden für alle Darsteller sind kostenlos. Die Schulen müssen übrigens kein Theaterstück im klassischen Sinne aufführen, um dabei sein zu können. Musicals, lose Szenenabfolgen, Stegreif, Schwarzlicht, Comedy und andere Formate sind ebenso erwünscht und willkommen.

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