Künstlerin zeigt im Workshop, wie aus Stein Figuren entstehen

Von: Heike Eisenmenger
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Zuerst war der Stein da – vier Stunden später hat Susanne Diederich aus dem groben Klotz einen Fisch geformt. Foto: Heike Eisenmenger
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Verschwitzt, aber stolz aufs Ergebnis: die Teilnehmer unserer Sommerleser-Tour mit ihren Exponaten. Unser Bild zeigt von links: Bernd Dahmen, Susanne Diederich, Willi Seyffarth, Markus und Wolfgang Lüttgens sowie Workshop-Leiterin Birgit Engelen. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Eintauchen in die dritte Dimension – in Stein: Die Worte von Birgit Engelen klingen noch in meinem Ohr, als sie den rechteckigen Klotz auf den zur Arbeitsfläche umfunktionierten Baumsockel wuchtet. Am Anfang schien alles noch so einfach: Form aussuchen, diese aus unterschiedlichen Perspektiven auf Papier aufmalen, Grundrisse auf den Porenstein übertragen und schon kann man loslegen. Theoretisch zumindest.

Den anderen fünf Teilnehmern scheint es in den ersten Minuten ähnlich zu gehen: Fast ein bisschen ehrfürchtig stehen sie mit der Säge in der Hand vor ihrem Porenstein. Für alle „Künstler“ ist es der erste Gehversuch in der Bildhauerei.

„Workshop in Stein“ heißt der Einführungskurs, zu dem die Künstlerin Birgit Engelen im Rahmen der Sommerleser-Tour der Zeitung eingeladen hat. Es ist ein traumhaftes Fleckchen Erde, das die Stolbergerin aus einem alten Tennisplatz am Hammerberg geschaffen hat.

Blickfang ist der große, von einer alten Friedhofsmauer eingefasste Garten: Dort blühen Lavendel, unterschiedliche Malvenarten, Thymian, Himbeeren und viele Pflanzen mehr. Überall in diesem Garten findet der Besucher Kunstwerke, die sich harmonisch in das Gesamtbild der Außenanlage einfügen. Hier draußen werden wir unter der fachlichen Anleitung von Birgit Engelen also die nächsten vier Stunden werkeln.

Für Einsteiger gilt naturgemäß: Je einfacher die Form, desto besser. Mitunter kann das auch ein Hamburger sein. Für das Symbol der Fastfood-Generation hatte sich jüngst ein Junge aus dem Kinder-Workshop entschieden. „Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst auch ein Mobiltelefon dabei sein würde“, sagt Birgit Engeln und lacht.

Dreidimensional denken

In der Runde sollen zwei Elefanten, drei Fische und ein Baum in Stein entstehen. Schnell wird der Gruppe klar: Es ist gar nicht so einfach, dreidimensional zu denken und dieses Bild handwerklich umzusetzen.

„Das erfordert halt Übung“, tröstet uns Birgit Engeln und zeichnet Hilfslinien auf die Seiten des Steinklotzes. „Diese Markierungen helfen, sich die Form besser vorzustellen und nicht aus Versehen zu viel in der Tiefe wegzunehmen“, erklärt die Künstlerin das Vorgehen. Nun wird es ernst: Um die Grundform herauszuarbeiten, muss in einem ersten Arbeitsschritt durchaus viel Stein weggenommen werden. Dafür stehen den Teilnehmern unterschiedliche Arten von Sägen zur Verfügung, und auch der Meißel leistet an dieser Stelle gute Dienste.

Der künstlich hergestellte Porenstein ist hochporös und weich. Damit ist er zwar leicht zu behauen, aber es staubt dabei auch tüchtig, und schon nach kurzer Zeit sieht man aus, als habe jemand einen Mehlsack über einem ausgekippt. Durch die körperliche Anstrengung in der Schwüle rinnt der Schweiß in Bächen, das Shirt klebt auf der Haut. Aber wie heißt es doch gleich – ohne Schweiß kein Preis.

Die Silhouetten der Elefanten von Willi Seyffarth und Wolfgang Lüttgens sind bereits nach einer Stunde deutlich zu erkennen. Mein Baum jedoch sieht irgendwie immer noch gar nicht nach Baum aus. „Es gibt auch schöne Pilze“, betrachtet Birgit Engelen das Etwas vor mir aufmerksam. Recht hat sie, Pilze sind schließlich auch sehr schön. Und auch viel einfacher zu formen als ein Baum. Worauf mein erstes Vorhaben zu den Akten gelegt wird. Nachdem die grobe Form sich heraus kristallisiert hat, steht nun die Feinarbeit an.

Markus Lüttgens ist mit zwölf Jahren der Jüngste in der Gruppe. Der Junge arbeitet an einem Steinfisch, aber zwischendurch werkelt er beim Elefanten-Projekt seines Vaters Wolfgang mit. Immer wieder flitzt der Schüler zum Steinelefanten-Modell, um aufmerksam die Proportionen zu betrachten und zu kontrollieren, ob der Elefantenrücken den richtigen Schwung hat. Es herrscht eine Art kollektive Konzentration. Wir unterhalten uns zwar und helfen einander, aber im Großen und Ganzen arbeitet jeder für sich.

„Man kann gar nicht mehr aufhören, das ist schon wie eine Sucht“, beschreibt Willi Seyffarth schmunzelnd seine Eindrücke, während er mit Inbrunst seinen Elefanten abschmiergelt. „Das geht mir genauso, da will man hier noch ein bisschen machen, dann da“, sagt auch Bernd Dahmen.

Der Funke zwischen den Kursteilnehmern und ihrer Aufgabe in Stein ist jedenfalls übergesprungen. „Ich bin total begeistert. Von dem Angebot der Zeitung, also dem Arbeiten in Stein, aber auch von Birgit Engelen als Künstlerin und Mensch.“ Und nicht nur für diese beiden „Künstler“ steht längst fest: Dies war erst der Anfang.

Und auf meinen „Beschwingten Pilz“ – so habe ich meine Skulptur genannt – bin ich richtig stolz. Einen Ehrenplatz hat er auch längst erobert: Mein beschwingter Pilz steht gleich neben der Eingangstür.

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