Künstlerin aus Freude an Segeln und Schauspielerei

Von: Jessica Küppers
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Für ihre Rolle in dem Theaterstück „Moby Dick“ von Herman Melvilles trainierte Schauspielerin Alessandra Ehrlich aus Stolberg mehrere Tage auf einem Segelschiff auf offener See. Das war bei hohem Seegang manchmal nicht einfach, aber beeindruckend. Foto: Rolf Wöhrle

Stolberg. Ihren Traumberuf hat Alessandra Ehrlich über Umwege gefunden. Die gebürtige Stolbergin, die heute als freischaffende Schauspielerin arbeitet, hatte zunächst soziale Arbeit in Aachen studiert. Parallel dazu sprach sie immer wieder bei Schauspielproduktionen vor. Zunächst ohne Erfolg.

„Geklappt hat‘s aber erst, als ich das Studium geschmissen habe und mich voll darauf konzentriert habe“, sagt sie heute. Auch wenn ihre Familie zum Teil nicht verstehen konnte, dass sie zwei Semester vor Ende ihres Studiums alles auf eine Karte setzt, sei sie im Nachhinein froh, sich beworben und durchgebissen zu haben.

Die ersten Schritte auf der Bühne hat Alessandra Ehrlich bei Schulaufführungen des Ritzefeld-Gymnasiums gemacht. Dort machte sie ihr Abitur. Im Jahr 2007 wurde sie schließlich an der Folkwang Universität der Künste in Bochum angenommen und lernte ihr Handwerk von der Pike auf.

Später hatte sie Engagements in Schauspielhäusern in Bochum, Essen und Göttingen bis sie zwei Jahre später als festes Mitglied des Ensembles in Aalen auf der Bühne stehen durfte. Der Wunsch, frei zu arbeiten, schlummerte jedoch immer noch in ihr, so dass sie sich 2012 selbstständig machte und seitdem ihre eigenen Projekte umsetzt.

„Ich hatte so viele Ideen und wollte selber kreativ sein und das habe ich noch nie bereut“, sagt sie. Für ihr aktuelles Projekt „Moby Dick“ von Herman Melvilles, das als Theater an Bord auf einem Schiff aufgeführt werden soll, hat sie sich drei Monate Zeit genommen.

In dieser Zeit ist sie mit einem Segelschiff über den Atlantik gefahren und hat die Tücken und Schönheiten der Seefahrt kennengelernt. „Es gab hohe Wellen und einen Sturm“, sagt Ehrlich. Außerdem sei sie unheimlich seekrank geworden.

Dennoch sei es das Abenteuerlichste gewesen, was sie bislang gemacht habe und die unendliche Weite habe sie für Kälte, Regen und Wasser in den Schuhen entschädigt, sagt sie rückblickend. Nach dieser Erfahrung sei ihr klar geworden, Theater und Schiffe müsse man irgendwie zusammenbringen. Und nun lässt sie ihre Erlebnisse in das Familienstück einfließen, in dem es im Wesentlichen um das Thema Mensch gegen Natur geht. Darin sucht ein Kapitän versessen nach einem gigantischen weißen Wal, weil er im Kampf mit ihm ein Bein verloren hat und sich rächen will.

Aufbereitet für Kinder ab acht Jahren soll es für Schulklassen entlang der Nord- und Ostseeküste aufgeführt werden. Wenn die Finanzierung über Crowdfunding steht, soll die Premiere am 14. April des nächsten Jahres stattfinden.

Um die Organisation und Umsetzung kümmert Ehrlich sich selbst. Deshalb sei der Schritt in die Selbstständigkeit kein großes Risiko gewesen. „Weil sie den Schritt in die Selbstständigkeit nicht mit einer großen Crew gewagt hat, sondern sich selber um alles kümmert, sei es ein geringes Risiko gewesen.

Trotz der neu gewonnen Freiheit, legt sie weiterhin viel Wert auf Struktur und entspricht damit nicht gerade den gängigen Vorurteilen über freischaffende Künstler. „Mir ist wichtig, dass man als Schauspieler sehr wach und aufmerksam ist und ganz genau weiß, wo, wann, was zu tun ist“, sagt Ehrlich.

Auch mit Einzelkämpfern könne sie nicht so gut umgehen. Sie spiele lieber miteinander auf der Bühne und lasse so besondere Momente entstehen.

Dass sie mit ihrem aktuellen Stück auch mal nach Stolberg kommen wird, schließt sie nicht aus, denn von „Moby Dick“ sei langfristig auch eine „Indoor-Variante“ geplant.

In der Nähe wird sie das nächste Mal mit einem Stück (siehe Box) zum Thema Dschihad und Rassismus sein. „Die Jungfrau ohne Paradies“ wird am 2. Februar in der Offenen Tür Driescher Hof aufgeführt.

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