Stolberg - Künstler „Jumbo“: Ein wichtiges Phänomen der Stolberger Zeitgeschichte

Künstler „Jumbo“: Ein wichtiges Phänomen der Stolberger Zeitgeschichte

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Straßenmusikant, Alleinunterhalter, Bauchredner und Dichter: August von der Brüggen, genannt Jumbo, hatte zahlreiche und vielfältige Talente, dank derer er jahrzehntelang nicht aus dem Stolberger Unterhaltungswesen wegzudenken war. Foto: Stadtarchiv

Stolberg. Für viele Jahre in der Mitte des 20. Jahrhunderts hätte es heißen können „Jumbo goes…“ – und zwar überall hin, wo Musik, Freude und Feiern angesagt war. Auf Feiern, Stadt- und Volksfesten trat er auf. Als Stolberger Original, mit bürgerlichem Namen August von der Brüggen, war er als Straßenmusikant weit und breit bekannt.

Stolberg war seine Wahlheimat, aber auch in Orten der Umgebung trat der Allrounder auf. Als One-Man-Show, wie man sagen könnte, sind seine Tätigkeiten auf der städtischen Gewerbekarte des Ordnungsamtes als „Musizieren auf der Straße sowie Darbietungen von artistischen und gesanglichen Leistungen“ beschrieben. Sein Hauptgewerbe bildete jedoch ein „Wandergewerbe“, auch bekannt als „Stadthausierschein“ oder „Reisegewerbekarte“, die jeder braucht, der im öffentlichen Raum auftreten möchte.

In den 1950er und 1960er Jahren war er, wie das Archivale dokumentiert, als Hausierer tätig und handelte mit Altmetallen, Haushalts- wie auch Scherzartikeln. Das Foto – nicht Teil der originalen Karteikarte – zeigt ihn in seiner Montur mit Pauke, Schellenhelm und Ziehharmonika. Der gebürtige Niederländer mit südafrikanischer Mutter war ursprünglich Zirkusartist und verlegte sich nach einem Unfall auf die musikalisch-künstlerischen Darbietungen, die eine ganze Musikkapelle ersetzten.

Seit 1932, als er hier geheiratet hatte, zog der Künstler durch Stolbergs Straßen und trat bei öffentlichen wie privaten Festen auf. Gerade die Kinder liebten ihn als Attraktion auf Straßenfesten. Beeindruckend und ganz und gar nicht alltäglich war das gleichzeitige Spielen von Akkordeon, Pauke, Schellen und Mundharmonika oder Nasenflöte.

Im Jahr 1966 wurde seine Konzession offiziell erweitert „auf das Mitführen einer beweglichen Puppe“. Schließlich begeisterte Jumbo auch als Bauchredner das Publikum, als Dichter brachte er auch Verse zu Papier.

Vierzig Jahre lang war der Künstler August von der Brüggen, den alle damaligen Zeitgenossen unter seinem Künstlernamen „Jumbo“ in Erinnerung haben, als Original aus Stolbergs Unterhaltungswesen nicht wegzudenken.

Geboren im Jahre 1903 in Mülheim an der Ruhr lebte er in Stolberg im Steinweg, die letzten Jahre Am Holderbusch. Er verstarb am 10. April 1971. Lebendig gehalten wird die Erinnerung an ein Phänomen der Alltags- und Zeitgeschichte durch die Ausstellung seiner musikalischen Montur auf einer naturnahen Figur im Erdgeschoss des Rathauses der Kupferstadt als Dauerleihgabe. In den Stadtteilen und darüber hinaus war es „unser“ Jumbo, wie es noch heute oft heißt, der Kinder und Erwachsene zum Staunen und Lachen brachte.

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