Krise hat die Bauern erreicht

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Stolberg/Nordeifel. Die Wirtschaftskrise ist auf den Feldern, Wiesen und Weiden der Region angekommen.

Wilfried Jansen aus Lammersdorf, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Aachen, fordert daher ein „Entlastungs- und Ankurbelungsprogramm” für die Bauern.

„Wenn bei Banken oder der Automobilwirtschaft über Wettbewerbsbedingungen und Konjunkturimpulse gesprochen wird, dann ist es dringend an der Zeit, dies auch für die Landwirtschaft zu tun”, sagt Jansen, schließlich gehe es in Deutschland um vier Millionen Arbeitsplätze im Agrarsektor.

Die Sparzwänge bei den Bauern seien eklatant, berichtet Georg Grooten. Laufende Kosten würden zwar noch bedient, aber Investitionen in moderne Betriebsmittel würden aufgeschoben, klagt der 25-jährige Diplom-Ingenieur der Agrarwirtschaft. Er übernimmt in Kürze den Hof in Seffent, den sein Vater Jakob Grooten derzeit in der siebten Generation führt.

Einen klaren Kosten- und Wettbewerbsnachteil sieht der Bauernverband in puncto Agrardieselsteuer: „40 Cent je Liter hierzulande - gegenüber 0,6 Cent etwa in Frankreich”, stellt Wilfried Jansen fest.

Ein wichtiger Faktor auch für Grootens Betrieb, der jährlich 15.000 Liter Diesel verbraucht. Und sparsamere Traktoren anzuschaffen, dass sei angesichts der finanziellen Möglichkeiten ein zu hohes Risiko, meint Jakob Grooten.

Erst kürzlich habe er viel Geld in eine moderne Milchanlage investiert, erworben aus zweiter Hand von einem Bauern, der seinen Hof aufgeben musste.

Sauer stoßen Jansen und Grooten die Preissenkungen bei Milchprodukten auf. „Der Lebensmitteleinzelhandel mutiert auf Kosten der heimischen Landwirtschaft zum Krisen-Gewinnler”, befürchtet Jansen. Den Verbrauchern möchte er keinen Vorwurf machen, aber überlegen könnten sie schon, ob sie sich unbedingt die billigste Milch aus dem Regal nehmen sollten.

Jansen erinnerte daran, dass vor einem Jahr viele Milchbauern für einen Erzeugerpreis von 40 Cent pro Kilo Milch streikten, allen voran die Betriebe im Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM).

Georg Grooten hingegen bekomme heute maximal 22 Cent, „das sind 13 Cent unter dem kostendeckenden Preis”. Und das summiere sich bei 50 Milchkühen und einer Produktion von 1300 Litern pro Tag.

Grooten ist skeptisch, ob ein Lieferstreik seine Lage verbessern könnte: „Bauern, die im Frühjahr 2008 streikten, mussten anschließend verlorene Marktanteile zurückgewinnen”, so Georg Grooten, und sein Vater ergänzt: „Wir Bauern hier sind ja ruhige Menschen, nicht wie die französischen Bauern, die oft auf die Straße gehen.” Er setzt eher auf den Einfluss des Bauernverbandes, der wie der BDM in Sachen Milchpreise „im Prinzip für die gleichen Ziele eintritt”.
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