Kriminaltität in Stolberg sinkt spürbar

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
14147973.jpg
Hinter den Gulli-Deckel-Einbrüchen steckt eine Bande Jugendlicher. Acht Haftbefehle wurden vollstreckt, die Ermittlungen dauern weiterhin an. Foto: Flink

Stolberg. Das subjektive Empfinden der Stolberger zur Lage in ihrer Stadt ist eine andere als die, die der Aachener Polizeipräsident am Montag bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr in der Kupferstadt präsentiert hat: Die Mitarbeiter von Dirk Weinspach registrierten im Vorjahresvergleich einen Rückgang der Straftaten um 14,64 Prozent auf 3591 Fälle.

Damit erreicht die Kriminalität in Stolberg wieder ein Niveau wie vor zehn Jahren. 2006 wurden 3669 Straftaten angezeigt. Erst in den Jahren 2013 und 2014 hatte die Zahl der Straftaten die 4000er Marke genommen. Im Jahr 2015 wurden 4207 Delikte bearbeitet. Anders als vor zehn Jahren liegt heute die Aufklärungsquote deutlich niedriger. Im vergangenen Jahr ist sie zwar um 1,05 Prozentpunkte leicht auf 52,58 Prozent gestiegen, aber vor einem Jahrzehnt klärte die Stolberger noch 57 Prozent ihrer Fälle auf.

Konstant ist die Anzahl der Kapitalverbrechen: Wie im Jahr zuvor haben die Beamten einen Mord und einen Totschlag gelöst ebenso wie sieben angezeigte Vergewaltigungen aufgeklärt wurden. Bei dem ersten Fall aus Gressenich ist der Angeklagte jüngst zu einer neunjährigen Haftstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Bei dem zweiten Fall handelt es sich um den Suizid zweier Senioren.

Von acht bekannt gewordenen Fällen, in denen Kinder sexuell missbraucht wurden, wurden sieben aufgeklärt. Für 2015 weist die Statistik drei Delikte auf. Derartige Taten bewegen sich meist in einem Dunkelfeld, in dem die Ermittler zumeist auf Anzeigen aus dem direkten Umfeld angewiesen sind.

Markant ist der Rückgang bei Raubüberfällen. In den vergangenen zwei Jahren blieben Geld- und Postinstitute in Stolberg von Räubern gänzlich verschont, während sich die Gesamtzahl der Raubüberfälle auf 35 halbierte. Davon wurden 51,4 Prozent aufgeklärt. Vor zehn Jahren wurden von 48 Raubdelikten gut 80 Prozent gelöst.

Fünf statt neun Überfälle galten Geschäften, Spielhallen oder Tankstellen; und zwei statt drei Mal wurden Handtaschen geraubt. Straßenraubdelikte reduzierten sich von 33 auf 19 bei einer Aufklärungsquote von 52,63 Prozent.

Um etwa ein Drittel reduzierte sich die Anzahl von Einbrüche in der Kupferstadt: 16 statt 24 in Gaststätten, 46 statt 73 in Geschäfte, 36 statt 44 in Keller; und sogar die Anzahl von Einbrüchen in Wohnungen sank von 229 auf 121 Fälle, von denen 40 tagsüber begangen wurden.

Allerdings liegt bei den Einbruchsdelikten die Aufklärungsquote nicht nur traditionell niedrig, sondern ist weiter leicht rückläufig. Kein einziger Einbruch in eine Gaststätte konnte aufgeklärt werden, von den Taten in Kellern knapp drei Prozent. Bei 15 Prozent der Geschäftseinbrüchen kamen die Ermittler zu einem Ergebnis, bei den Wohnungseinbrüchen lag ihre Erfolgsquote bei 24 Prozent.

Schlagzeilen schrieben dabei in Stolberg im Frühsommer die Gulli-Deckel-Einbrüche, die auch dank des Engagements eines betroffenen Geschäftsmanns geklärt werden konnte. Tatbeteiligte wurden beim Verkauf von gestohlenen Sportschuhen von den Ermittlern gestellt. Die Spur führte zu einer vier Tatverdächtigen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, die Mitglied einer Eschweiler Bande junger Krimineller im Alter von 15 bis 25 Jahren sein sollen.

Gegen acht Mitglieder durfte die Polizei Haftbefehle vollstrecken. Ihnen sind bereits bis jetzt 119 Straftaten unterschiedlicher Art vom Raub über Einbruch bis Kfz-Diebstahlsdelikten allein in Eschweiler zugeordnet worden – mit steigender Tendenz. Auch die Anzahl der Taten in der Kupferstadt soll gravierend sein; hier laufen noch intensive Ermittlungen.

Den Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen verbindet die Polizei bereits im Dezember 2015 mit einem Schlag gegen eine albanische Bande, die in den Monaten zuvor in erheblichem Maße ihr Unwesen auch in Stolberg getrieben hatte. Erste zwei Täter sind bereits zu langjährigen Haftstrafen von mehr als vier Jahren und acht Monaten verurteilt worden.

Auf einem für die Region recht hohen Niveau rangieren in Stolberg die Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung mit 109 Delikten – davon 50 Fälle (+35 Prozent) auf offener Straße –, die zu über 90,83 Prozent aufgeklärt wurden; 2015 lagen die Zahlen bei 115 Fällen und einer Aufklärungsquote von 88,7 Prozent. Und auch die Anzahl der vorsätzlichen, leichten Körperverletzungen liegt nur noch knapp unter dem Niveau von Eschweiler, Alsdorf und Aachen: Um zehn auf 269 Straftaten zurückgegangen sind die der Polizei bekannt gewordenen Fälle. Die Aufklärungsquote lag aber bei über 90 Prozent.

Während bei den angezeigten Ladendiebstählen ein leichter Rückgang von 198 auf 176 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 89,2 Prozent registriert wurde, stieg die Anzahl der Taschendiebstähle um über 56 Prozent auf 36 gemeldete Taten an; die Aufklärungsquote lag bei 2,78 Prozent.

Durchaus mit Sorgen kann man auch das Diebstahlgeschehen rund um Fahrzeuge betrachten. Die Anzahl gestohlener Autos stieg ebenso wie die von Krafträdern von 23 auf 33; die Aufklärungsquoten lagen bei 33 bzw. 18 Prozent. Dagegen verschwanden mit 57 zehn Fahrräder weniger; aufgeklärt wurden 5,2 Prozent der Fälle. Leicht rückläufig waren die Diebstähle aus und an Kraftfahrzeugen. Von 312 (-8,24 ) Fällen wurde aber nur eine Handvoll gelöst – das war vor zehn Jahren nicht wesentlich anders.

Bei etwa einem Viertel werden die Ermittler bei den Verursachern von Sachbeschädigungen fündig; die Anzahl der gemeldeten Taten sank um 20 Prozent auf 445 Fälle.

Das Anzeigeverhalten Betroffener ist auch mit entscheidend über die Verfolgung von Betrugsdelikten: Sie stiegen leicht auf 516 Fälle bei einer 84-prozentigen Aufklärungsquote – so wie vor zehn Jahren bei 322 Delikten. Der Anteil zur Erschleichung von Leistungen stieg um zehn auf 224 Fälle; sie lohnt kaum, nur zwei Prozent der Fälle wurden nicht gelöst.

Eher wenig aussagekräftig über die tatsächliche Verbreitung von Drogen in der Kupferstadt ist stets die Anzahl der Delikte in der Statistik. Diese hängt entscheidend ab vom Verfolgungsdruck, von Anzeigen, von Hinweisen und von Kommissar Zufall. Registriert wurden 67 Fälle nach 83 im Jahr 2015 bei Aufklärungsquoten von 79 bzw. 83 Prozent.

Und entgegen allem subjektiven Empfinden ist es auf Stolbergs Straßen eher sicherer geworden. um zehn Prozent auf 894 Fälle sank die in der Öffentlichkeit begangene Kriminalität, die damit deutlich unter dem Niveau vor zehn Jahren von 1067 Fällen rangiert.

Allerdings ist auch die niedrige Aufklärungsquote weiter gesunken: von 23,7 Prozent in 2006 über 18,4 Prozent in 2015 und 16,8 Prozent im Vorjahr. Mit 82,4 Prozent hoch liegt dagegen der Erfolg der Ermittler bei der Gewaltkriminalität, die um 21,5 Prozent auf 153 Fälle im vergangenen Jahr zurückging.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert